Ein KI-generiertes Bild einer Sonnenfinsternis (playground)

Eclipse

Gestern konnte in Nordamerika eine vollständige Sonnenfinsternis beobachtet werden. Ein Phänomen, wie es nur noch selten in unseren Gefilden passiert. Es erinnerte mich an ein persönliches Erlebnis, das schon sehr lange zurückliegt und als letzte Sonnenfinsternis des vergangenen Jahrhunderts bekannt ist.

Im August 1999 war ich im Türkei-Urlaub und mein Cousin bestand darauf, dass wir uns auf eine Sonnenfinsternis einstellen. In Çorum, dem geografischen Mittelpunkt der Welt, war eine Sonnenfinsternis, wie diese nun angekündigt, etwas ganz Besonderes.

Die ganze Stadt hatte sich darauf eingestellt. Es gab Sonderbeilagen an Zeitungen, die Brillen zum Schutz der Augen mitlieferten. Einige pfiffige Typen schwärzten Gläser komplett, damit die Sonnenfinsternis auch in den Teilphasen aufmerksam beobachtet werden kann. Andere bauten sich Sichtalternativen aus Schuhkartons.

Der Hype war immens groß und dann geschah es. Ich habe die einzige und vermutlich auch letzte Sonnenfinsternis in meinem Leben hautnah erlebt. Und was soll ich sagen! Zuerst wurde die Sonne vom Schatten des Mondes immer mehr zugedeckt und als es dann so weit war, merkte ich an den wellenförmigen Licht-Bewegungen auf dem Boden, dass etwas passierte.

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Live-Stream der NASA zur Eclipse 2024 in Nordamerika.

Man konnte jetzt mit bloßem Auge in diese Eclipse hineinschauen und merkte, wie die Sonneneruptionen sich als Licht über den Schatten hervorquellen ließen. Das ganze ging nur wenige Minuten. In absoluter Dunkelheit und für einen Moment hielt die Welt ihren Atem an.

Die wellenförmigen Lichtschleier glitten dann wieder über den Boden und es wurde heller. Und es wirkte wie die Morgenröte und zugleich stiegen die Vögel wieder auf die Bäume und man hörte sie zwitschern. Es war ein befreiendes Erlebnis und zugleich ein Gefühl der Erleichterung, dass unsere Welt auch dieses Naturphänomen überstanden hatte.

Als ich wieder in Deutschland war, erzählte ich meinem Imam von dieser Begebenheit und wie es mein Herz berührt hat. Er erwähnte einen Hadith, dass man in solchen Fällen ein Gebet verrichten solle. Ich hatte es damals nur am Rande gehört, aber nicht wirklich verinnerlicht. Gestern fiel es mir dann wieder ein, als ich live im NASA-Stream die Eclipse über ganz Nordamerika verfolgt habe.

‘Abdur-Rahman bin Samurah (ra) sagte:
“Während ich in Al-Madinah das Pfeilschießen übte, verfinsterte sich die Sonne. Ich sammelte meine Pfeile ein und sagte: ‘Ich möchte wissen, was der Gesandte Allahs (ﷺ) über die Sonnenfinsternis sagen wird.’ So kam ich von hinten zu ihm, als er in der Masjid war, und er begann, den Tasbih und Takbir zu sagen und zu beten, bis die Sonnenfinsternis vorüber war. Dann stand er auf und betete zwei Rak’ahs mit vier Niederwerfungen.”
— Sunan an-Nasa’i 1460

Vielleicht müssen wir uns doch mit unserer eigenen Geschichte und Tradition häufiger auseinandersetzen. Bei mir ist es in solchen Situationen der Blick in die Vergangenheit und das Erlebte, das mir mit dem heutigen Wissen und dem Blick von heute neue Erkenntnisse gibt.

Akif Şahin

Akif Şahin aus Hamburg. Arbeite als SEO-Manager für eine der größten Bildungs-Gruppen in Europa. Als Muslim interessiert mich die Geschichte und Kultur des vorderen Orients. Auf diesem Blog gibt es Einsichten, Aussichten und Islamisches.

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