#freedeniz

Gemeinsam mit rund 50 jungen Menschen war ich im vergangenen Jahr unterwegs zu einer Veranstaltung. Während der Busfahrt wurden, wie üblich, viele verschiedenen Themen angesprochen. Irgendwann kamen wir auf das Thema Deniz Yücel. Der ehemalige taz-Kolumnist und spätere WELT-Korrespondent saß zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Wochen im türkischen Knast. Eine Anklageschrift gab es nicht und es war nicht klar, was genau Yücel überhaupt vorgeworfen wurde. Wir diskutierten ziemlich kontrovers. Ich machte aus meiner Haltung keinen Hehl: Deniz Yücel saß für mich zu Unrecht im Gefängnis.

Ein Teil meiner Kindheit

Mein Vater ist nach Deutschland gekommen und hat als Matrose angeheuert. Auf seinen Reisen hatte er immer zwei Begleiter. Der eine, war sein älterer Bruder. Mehmet und Abdullah Sahin waren am Anfang unzertrennlich und erlebten das Abenteuer Deutschland gemeinsam. Ihr dritter Begleiter war Yakup. Yakup war erst später dazu gekommen, aber auch er war aus dem gleichen Dorf wie mein Vater und Onkel. Es gab auch familiäre Verbindungen – ein entfernter Cousin. Yakup war ein engagierter Matrose, erhielt sogar mehrfach Belobigungen wegen überragender Leistungen im Dienst. Sie alle drei wollten das schnelle Geld machen und zurück in die Heimat. Doch sie kamen mit den Dingen, die das neue Leben und Land für sie bot, nicht immer gut zurecht.