Eine Rose in einer Vase

Vermissen und Dua

Der schwerste Schmerz dieser Welt ist das Ende einer Freundschaft und der gemeinsamen Träume, die man hatte. Es ist nichts Ganzes und auch nichts Halbes. Es ist eine verpasste Chance, die nicht mehr nachgeholt werden kann.

Ich habe die letzten drei Tage in Köln verbracht und mehr oder weniger war es wieder da. Dieser Drang, sich einfach ein weiteres Ticket zu kaufen und nach Frankfurt am Main zu fahren. Sich gegenüber der “Alten Oper” einfach auf eine Bank zu setzen und eine Zigarette zu rauchen. Bis tief in die Nacht dort zu warten und einfach dieses Ambiente zu genießen und die schwere, kalte Luft einzuatmen.

Dieser Ort hat sich in mein Gedächtnis und mein Herz gebrannt. Es steht für einen der schönsten Abende, die ich vermutlich je in meinem Leben hatte. Und vielleicht ist es wieder vermessen, das zu sagen, aber ich war glücklich in diesem Moment. Ich war das erste Mal nach sehr langer Zeit einfach glücklich. Und die Welt sah wieder rosig und hoffnungsfroh aus.

Doch dann änderte sich wieder alles. Ich war vermutlich ungeduldig, nicht aufmerksam, sondern aufdringlich. Es war alles zu viel auf einmal und ich vermutlich auch überfordert mit meiner gesamten Situation. Schöne Dinge, dürfen enden. Aber bitte nicht so. Aber ich habe verstanden, was von mir erwartet wurde. Und wer bin ich schon, dass ich den Wunsch anderer Menschen nicht respektiere?


Vor ein paar Wochen habe ich etwas beendet, bevor es richtig angefangen hat. Ich war überzeugt, ich sei endlich so weit, etwas Neues anzufangen, aber ich war es nicht. Ich rief die Person an und erklärte, dass ich immer noch an jemand anderem hänge und ich anscheinend weiterhin nicht darüber hinweg bin. Es war gut, dass es endete, bevor es anfing. Es war fair gegenüber der anderen Person.

Wir bleiben Freunde, aber der Kontakt bricht eh später ab. Ich will keine Lüge mehr leben. Das ist vielleicht das besondere an diesem Abschnitt meines Lebens. Ich habe keine Zeit für Kompromisse, für Halbes und für Zweifel. Ich weiß, was ich möchte. Ich weiß aber auch, dass ich das, was ich möchte, nicht haben kann. Ich muss mich damit abfinden. Liebe kann man nicht erzwingen.


Es ist faszinierend, aber in einer Comic-Geschichte um Helden und Schurken wäre ich der Schurke. Ich würde diese Welt und die Menschen nicht retten. Ich würde diese Welt aber opfern, um eine Person zu retten. Ist das nicht die ursprünglichste Definition von Liebe? Oder ist es doch nur eine selbstgerechte Art zu sagen, dass man ein Arschloch ist?

Egal, ob Held oder Schurke. In dieser Geschichte bin ich nicht der “fabelhafte” Mensch, für den mich viele halten. Ich habe mehr Fehler als gute Seiten. Ich bin in meinem tiefen Inneren stockfinster. Und nach Feierabend versinke ich im Selbstmitleid und bin nur froh, dass ich nicht in die Welt der Drogenexzesse abgerutscht bin. Ich merke, ich benötige Beschäftigung.


Als ich meine Stirn auf den Boden lege und “Subhana Rabbi al-A’la” sage, bete ich innerlich: “Oh Allah, mach es meinem Herzen leicht. Mach, dass es ihr gut geht und alles Schlechte von ihr fernbleibt.” Ich beende dann langsam das Gebet und innerlich tut sich eine Schwernis auf. Was ist, wenn ich das Schlechte bin, dass ich aus ihrem Leben fernhalten möchte?

Manchmal denken wir, dass unsere Gebete nicht erhört werden, aber wir haben vermutlich mit dem Herzen weitergedacht als mit dem Verstand. Und der Wunsch ist erfüllt, ob wir es realisieren oder nicht. Und manchmal ist es besser, dass unsere Wünsche nicht erhört werden. Auf der anderen Seite: Vielleicht sind wir auch selbst schuld, dass wir unsere eigenen Wünsche nicht selbst erfüllen, weil wir nicht handeln.


“Du solltest sie sofort blockieren. Du hängst am Haken!”, lautet der Ratschlag. Der Ratschlag ist richtig. Der Verstand stimmt zu. Doch dieses Herz. Dieses verdammte und Leid spüren wollende Herz kann nicht anders. Und selbst als die Enttäuschung, die erwartbar war, wahr wird, tut es mehr weh, als man es sich vorgestellt hat.

Spiele ich wirklich die Opferrolle? Bin ich in dieser Geschichte der Schurke? Oder fehlt es einfach an Courage zu versuchen etwas zu kitten, was einmal gut war? Ich weiß es nicht. Ich will es auch nicht mehr wissen. Wie die Welt einmal aussehen wird, ist mir egal. Ich lebe im Jetzt.

Und das Jetzt ist grausam erträglich.

Akif Şahin

Akif Şahin aus Hamburg. Arbeite als SEO-Manager für eine der größten Bildungs-Gruppen in Europa. Als Muslim interessiert mich die Geschichte und Kultur des vorderen Orients. Auf diesem Blog gibt es Einsichten, Aussichten und Islamisches.

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  • Dein Blogbeitrag hat mich tief berührt. Die Art und Weise, wie du über das Vermissen und die inneren Kämpfe schreibst, ist unglaublich ehrlich und bewegend. Dein Einblick in persönliche Erfahrungen und die Verbindung zur spirituellen Ebene durch Dua gibt dem Ganzen eine sehr menschliche und reflektierte Note. Danke, dass du solche tiefgründigen Gedanken teilst und damit zeigst, dass wir in unseren Gefühlen und Herausforderungen nicht allein sind. Mach weiter so!

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