Junge Menschen haben oft viele Fragen rund ums Geld. Das Young Money Blog und sein Autor Henning Jauernig prägen eine ganze Generation. Nun gibt es ein einfach geschriebenes Buch für die junge Generation. Ein paar persönliche Gedanken und Einblicke.

In meinem privaten Umfeld gibt es immer mehr Menschen, die von “Exchange Trusted Fonds” (ETFs) als Anlageform schwärmen. Diese eher passiven Fonds bilden quasi ein Abbild von realen Indizes ab. Beispielsweise könnte sich ein ETF am Dax orientieren und einen Korb von Aktien mit dem gleichen Gewicht, wie beim Deutschen Leitindex, erstellen. Steigt der Dax, steigt auch das ETF, verliert der Dax, verliert auch das ETF. Eigentlich sind ETFs gute Anlageformen, aber der Hype ist aus meiner Sicht viel zu groß darum.

Einen Anteil daran hat auch das Blog “Young Money” auf spiegel.de. Dort schreibt Henning Jauernig immer wieder mal über verschiedene Finanzthemen. Das Blog ist erfolgreich, erreicht ein Millionenpublikum und glänzt auch mit einer einfachen Sprache. Jauernig schwärmt von bestimmten ETFs und macht auch stark Werbung für diese Anlageform. Er zeigt auch immer wieder anhand von Langzeitrechnungen, dass sich ETFs gut entwickelt haben.

ETF als gute Geldanlage?

Das ist richtig. Grundsätzlich gelten ETFs als einfache und oft gewinnbringende Investition. Dazu kommt, dass die Gebühren günstig sind und die Verwaltungskosten niedrig bleiben. Doch nicht immer sind ETFs auch wirklich gut geeignet. Beispiele für gescheiterte ETFs gibt es genügend. Auch das jüngste Corona-Debakel hat viele ETFs in Mitleidenschaft gezogen. Das Problem ist, wie es auch immer für Fonds oder Aktien gilt: “Renditen aus früheren Jahren können nicht Renditen in der Zukunft versprechen.”

Der Klassiker ist eben, dass man zur Bank geht, einen Fonds aufgeschwatzt bekommt und dabei der Bankberater darauf hinweist, wie stark der Fonds in den vergangenen 15 Jahren gewachsen ist. Nach fünf Jahren, nachdem man in den Fonds investiert hat, liegt alles jedoch plötzlich brach. Der Bankberater verweist auf die Informationen, die er mitgegeben hat: Keine Anlage ist absolut sicher. Und Renditen aus der Vergangenheit sind keine Garantie für weitere Renditen.

Eine gute Handreichung für junge Menschen

In seinem Buch “Young Money Guide – Richtig mit Geld umgehen und mehr vom Leben haben” geht Jauernig sehr stark auf das Thema ETFs ein. Das Thema ist irgendwie allgegenwärtig und zeigt, dass der Experte auf das Produkt schwört. Dabei ist das Buch gar nicht mal so schlecht. Tatsächlich kann jeder junge Mensch von den Erfahrungen und dem Wissen, dass Jauernig hier mitgibt, profitieren. Angesprochen werden ernsthafte Themen, vom richtigen Sparen, der Überprüfung von Ausgaben bis hin zum Investieren und Haus kaufen.

Gerade junge Menschen, die nicht wissen, wie sie ihre Zukunft planen sollen und ob sie überhaupt da was machen sollten, werden gut mitgenommen. Auch der grundsätzliche Gedanke mit ETFs als einer soliden Anlagemöglichkeit ist nicht verkehrt. Doch das Buch bleibt kompakt und kratzt nur an der Oberfläche. Dazu kommt, dass die Empfehlungen für Produkte sehr mager ausfallen. An manchen Stellen wünscht man sich mehr Details, mehr Auskünfte und auch ein bisschen mehr Warnung vor den Gefahren.

Ernste Themen und nachhaltige Gedanken

Jauernig schafft es aber die ernsten Geld-Themen, die jede junge Person kennen sollte, zielstrebig anzusprechen und abzuarbeiten. Dabei werden auch Erlebnisse und Anekdoten aus dem eigenen Umfeld erzählt. Das schafft Vertrauen, es bringt mehr Gefühl in die Menschlichkeit rein, bei einem eigentlich sehr trockenen Thema. In solchen Momenten wird einem deutlich, warum der Blog so viele Leserinnen und Leser hat. Es liegt nicht am Spiegel selbst.

Insgesamt ist das Buch zu empfehlen, aber eben mit der Warnung, sich vor dem Investment in ein ETF genau zu informieren. Im Zweifel kann man nämlich auch besser fahren, wenn man ein ETF nachbildet oder selbst ein breit gestreutes Aktienportfolio aufbaut. Für meine muslimischen Leserinnen sei auch erwähnt, dass es schon seit mehreren Jahren und fast zwei Jahrzehnten auch ETFs für nachhaltige und islamische Ansprüche gibt.

Genau hinschauen, wenn es um ETFs geht

Der Nachteil an solchen Produkten ist jedoch, dass die Verwaltungsgebühren höher sind als bei einfachen und bekannten ETFs. Dazu kommt, dass Firmen in diesen Branchen leider nicht so volatil und erfolgreich unterwegs sind. Eines der bekannteren “islamischen” ETF hat in den vergangenen 10 Jahren 3 % Wertsteigerung gezeigt. In diesem Rahmen ist das noch ein Erfolg. Andere ETF, wie beispielsweise der von Jauernig empfohlene MSCI World ETF, mit einem Anteil von knapp 60% an US-Firmen, hat in diesem Jahr ein Minus gemacht.

Über die vergangenen 20 Jahre jedoch einen Wertzuwachs im zweistelligen Bereich gehabt. Je nachdem, wie man sein Geld anlegt, kann es unterschiedliche Ergebnisse geben. Auch bilden einige Anbieter den MSCI World nur nach und investieren nicht komplett in alle aufgeführten 1.603 Aktien. Das sind Punkte, die dem Verbraucher oft nicht bewusst sind und nicht immer sofort ins Auge springen.

Kein Geld investieren, dass man unbedingt braucht

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass man in Aktien kein Geld stecken sollte, dass man braucht. Wer das dennoch tut, muss es auch verkraften können alles oder zumindest die Hälfte zu verlieren. Wer das nicht kann, sollte die Finger von lassen. Das gilt auch aktuell für ETFs. Insofern sind Strategien für den Vermögensaufbau zwar gut, aber im Grunde muss man selbst entscheiden.

Wer am Ende auch in Aktien oder ETFs investiert, darf sich aber nichts vormachen: Die Investitionen müssen langfristig angelegt sein und beim schnellen Kurseinsturz darf man nicht sofort in Panik geraten. Nur dann können sich die Investitionen auch langfristig auszahlen. Kurzfristig kann Gewinn nur erfolgen, wenn man viel Kapital hat und eigentlich rund um die Uhr sein Portfolio überwacht.

Keine Geldanlage ist sicher

Ich kaufe mittlerweile wieder Aktien. Während des Crashs aufgrund von Corona habe ich auch viele interessante Aktien erworben und auch schnelle Gewinne gemacht. Dafür musste ich aber auch verfolgen, wie die Entwicklungen am Markt so verlaufen – meine Erfahrung reicht mittlerweile zurück bis ins Jahr 1999. Bei der letzten Weltwirtschaftskrise (2008) habe ich auch viel Geld verloren. Damals hatte ich in Aktien einer Bank investiert, die aufstrebend war. Sie hatte sich aber wie viele andere überhoben beim Kreditgeschäft. Am Ende wurde 2016 die Aktie vom Markt genommen (Delisting).

Mein Verlust aus dieser Investition hat sich nie ausgleichen lassen. Es war aber eine wichtige Erfahrung: Sicher ist keine Geldanlage. Deshalb habe ich eine Aversion gegenüber Menschen, die glauben es wäre einfach auf dem Aktienmarkt zu investieren. Es ist schwierig, erfordert viel Geduld und vor allem einen finanziellen Spielraum, den viele Menschen nicht haben. Dazu kommt, dass es einen Herdentrieb gibt, der völlig irrational agieren lässt.

Young Money Guide ist ansonsten gut und sehr zu empfehlen

Ein Beispiel sind, wie oben schon ausgeführt, auch ETFs. Wenn Jauernig darauf schwört, dann weil er es einfach findet darin zu investieren und passiv sein Vermögen vermehren zu lassen. Doch auch ETFs können den Bach heruntergehen. Ich kenne mindestens eine ETF-Anlage, die in den vergangenen 10 Jahren ein Minus von 90 % eingefahren hat. Insofern sind Ratschläge von Experten immer mit Vorsicht zu genießen. Auch in diesem Fall.

Den Rest des Buches sollte man sich hingegen wirklich als Anleitung nehmen und die kleineren Checklisten abarbeiten. Hier wird man gut durch das finanzielle Leben und die wichtigsten Entscheidungen begleitet. Dabei werden auch verschiedene Szenerien nachgerechnet und gute Impulse für die eigenen Ansprüche in der Zukunft gegeben.

Autor: Henning Jauernig
Titel: Young Money Guide – Richtig mit Geld umgehen und mehr vom Leben haben
Verlag: Penguin-Verlag
ISBN: 978-3-328-10494-0
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