Wie gehen wir mit Verschwörungen um und welche Formen von Verschwörungsmythen gibt es eigentlich? Ab welchem Punkt sind Verschwörungsvorstellungen gefährlich? Einen Einblick und gute Auskunft gibt ein neues Buch von zwei bekannten Netzgrößen.

Immer wieder begegnen mir in meinem privaten Umfeld Verschwörungsmythen. Das Wort musste ich erst in meine Autokorrektur-Software übernehmen. Es wird oft von Verschwörungstheorien gesprochen, dabei handelt es sich fast so gut wie nie um echte Theorien. Dazu kommt, dass dieser Begriff diesen Mythen sogar einen Wert beimisst, der eine Beleidigung für echte und wissenschaftliche Theorien darstellt. Verschwörungsmythen sind nicht wissenschaftlich, sondern nur Halbwissen eventuell mit einem Anschein von Wissenschaftlichkeit.

Doch wie definiert sich eigentlich ein Verschwörungsmythos? Wann ist man eigentlich Jemand, der an Verschwörungen glaubt und ab welchem Zeitpunkt ist das gefährlich? Darf man überhaupt an Verschwörungen glauben? Welche Formen und Ausprägungen dieser Verschwörungsmythen gibt es eigentlich? Was kann man als betroffene Person tun? Welche Hilfen gibt es und welche Reaktion ist eigentlich angemessen, wenn wieder jemand mit einem Verschwörungsmythos daher kommt und viele verschiedene Fakten aufzählt?

Ein Buch zum Thema von zwei wichtigen Netzgrößen

Pia Lamberty und Katharina Nocun sind in der Netzwelt bekannte Größen und haben jüngst ein Buch mit dem Titel „Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“ zum Thema veröffentlicht. Darin gehen die beiden Autorinnen sehr gut auf all diese Fragen ein und führen ein in die Thematiken der Verschwörungen und Verschwörungsmythen. Sie durchleuchten dabei nicht nur die Grundlagen und geben Hinweise auf die problematischen Zwischenbeziehungen, wie beispielsweise Antisemitismus oder Rassismus im Allgemeinen.

Die Autorinnen machen auch sehr deutlich, warum eine “harmlos” wirkende Verschwörungserzählung am Ende auch zu Gewalt und Toten führen kann. Neben zahlreichen Beispielen aus der Vergangenheit glänzt das Buch auch mit seiner Aktualität für die Themen Esoterik, Impfungen, Heilpraktiken und auch das jüngste Corona-Verschwörungen-Phänomen. Die Zwischengespräche mit Betroffenen und Experten runden das Buch sehr gut ab.

Ein guter Einstieg in das Thema Verschwörungstheorien bzw. Verschwörungsmythen

Es ist ein guter Einstieg, der nicht mit dem Finger auf Menschen zeigt, die generell skeptisch sind, sondern die Gefahren und falschen Floskeln einer sich bereichernden Industrie und deren Protegés aufzeigt. Doch an manchen Stellen musste ich dann doch etwas zurückhaltender mit meinem Lob umgehen. Beispielsweise gibt es eine Passage, in der mit der Wikimedia-Foundation gesprochen wird und deren Sicht auf die Wikipedia und das gute Verhältnis zu Autoren und Community hingewiesen wird.

Ich musste hier schmunzeln, weil ich selbst schon öfter Zeuge von Blockwarten, Rassismus und auch Opfer von Relevanzkriterien und sturer Dickköpfigkeit gewesen bin. Es mag sein, dass das System von außen heil ausschaut, doch innerlich brodelt es bei der Wikipedia schon länger. Auch sie ist nicht vor Verschwörungsmythen gefeit und auch sie kann nicht in Anspruch nehmen, tatsächlich alles gut zu erledigen. Es sollte auch hier mit dem notwendigen Abstand betrachtet werden, statt einer PR-Agentur mit klarem Auftrag nach dem Mund zu sprechen.

Gut durchleuchtet und Denkanstöße für Lösungen

Alles in allem haben es Lamberty und Nocun jedoch geschafft ein hochinteressantes Thema gut zu durchleuchten und Denkanstöße für Lösungen zu geben. Dabei sind die Fragen unserer Zeit, gerade mit Blick auf die Digitalisierung, noch längst in einem Larvenstadium. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer wird die Dimension von Verschwörungsmythen im Netz und damit auch in der reellen Welt. Viel zu lange hat man weggesehen und dieses Buch macht erneut darauf aufmerksam.

Eine unbedingte Leseempfehlung, um auch mit Verschwörungsmythen im eigenen Umfeld besser umgehen zu können.

Autorinnen: Pia Lamberty, Katharina Nocun
Titel: Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen
Verlag: Quadriga
ISBN: 978-3-7325-8651-6
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