Cover des Buchs “nagomi” von Ken Mogi

Buchbesprechung: “nagomi” von Ken Mogi

Wir alle nehmen uns für den Jahresanfang etwas vor. Ich habe mir vorgenommen, mehr Ausgeglichenheit in mein Leben zu bringen. Da kommt das Buch „nagomi“ von Ken Mogi gerade richtig.

Als die Kellnerin uns fragt, ob wir bereits etwas zu trinken haben möchten, schaue ich mein Gegenüber an und sage: „Irgendwie hätte ich jetzt Lust auf Sake.“ Meine Begleitung wirkt komplett irritiert. Wir sind zwar in einem asiatischen Restaurant, aber etwas Alkoholisches trinken oder gar bestellen gehört jetzt nicht zu den Dingen, mit denen sie mich in Verbindung bringt. Erst recht nicht japanischen Reiswein.

Ich musste schmunzeln, bestellte dann wie üblich meine Cola Zero und erklärte ihr, dass ich gerade dieses Buch von Ken Mogi lese, dieses „nagomi“, dass den japanischen Lifestyle zu Harmonie und Lebensfreude beschreiben möchte. Darin gibt es eine längere Passage zu japanischem Reiswein, in der „nagomi“ erläutert wird. Ich wusste gar nicht, dass Sake so vielfältig sein kann. Ich halte trotzdem nichts von Alkohol.

Shintoismus für Anfänger:innen

Japan ist ein faszinierendes Land. Unser Blick auf die Menschen dort ist jedoch von Bias geprägt. Auch dieses Buch von Ken Mogi wird daran nichts ändern. Es ist der Versuch, uns die japanische Lebensphilosophie neu zu verkaufen. Er nennt es „nagomi“ und gibt in dem Buch Einblicke in eher alltägliche Dinge, die aber ein Gesamtgefüge aus Harmonie, Schönheit und Ausgeglichenheit ausmachen.

Im Kern erläutert uns Mogi seine Sicht der Dinge zur japanischen Kultur und gibt uns Hinweise, wie Japaner:innen aus seiner Sicht glückliche Beziehungen führen, sich selbst treu bleiben, Frieden finden und Harmonie erlangen. Die Kernperspektiven des Buches führen oberflächlich in die Lebensphilosophie des Shintoismus ein, wie sie in dieser Form nur in Japan zu finden sind.

Harmonie und Ausgeglichenheit

Mogi versucht zu erklären, wie die Idee von „nagomi“ in unserem täglichen Leben erreicht werden kann, und betont die Wichtigkeit von Achtsamkeit, Wertschätzung der einfachen Freuden und dem Streben nach Gleichgewicht. Dabei verwendet er Beispiele aus der japanischen Kultur, Geschichte und Philosophie, um zu veranschaulichen, wie dieses Konzept in verschiedenen Kontexten angewendet werden kann.

„nagomi“ bietet Einblicke in eine Lebensphilosophie, die darauf abzielt, Harmonie und Ausgeglichenheit in einem hektischen und oft stressigen Alltag zu finden. Es ermutigt dazu, die Schönheit in den kleinen Dingen des Lebens zu erkennen und durch bewusste Praktiken und Einstellungen ein Gefühl der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit zu kultivieren.

„nagomi“ funktioniert nur mit „ikigai“

Damit ist es letztlich ein Selbsthilfebuch. Trotzdem hat dieses Buch etwas, was man nicht so ganz beschreiben kann. Es ist die Methode des Storytellings durch Ken Mogi. Er hat es verstanden, Geschichten so zu erzählen, dass sie auch hängenbleiben. In dem Sake-Bespiel geht es nicht darum, zum Trinker zu werden, sondern durch Vielfalt und Einsatz schöne Dinge für sich selbst und seine Umgebung zu kreieren. Damit erinnert es auch sehr stark an seinen bisher größten Bestseller: ikigai.

Tatsächlich kann man „nagomi“ nicht ohne „ikigai“ denken. Das wird auch in dem Buch häufiger erwähnt. Es gibt sogar eine kleine Leseprobe zu dem besseren Werk von Mogi. “ikigai” bezieht sich auf Sinn und Freude des Daseins. Es ist ein Konzept, das die Verbindung zwischen Leidenschaft, Berufung, Beruf und Sinn im Leben beschreibt.

Weniger greifbar, weil eine Idee

Mogi erklärt, wie „ikigai“ dazu beitragen kann, ein erfülltes Leben zu führen, indem man sich auf das konzentriert, was einem wichtig ist, und auf das, was man gut kann. Ähnlich wie bei „nagomi“ betont er die Bedeutung von Balance und innerem Gleichgewicht, aber „ikigai“ legt einen stärkeren Fokus auf den Zweck und die Leidenschaft im Leben eines Menschen. So betrachtet, war das Werk für mich eine gute Ergänzung, da ich „ikigai“ bereits gelesen und auch im Alltag verinnerlicht habe.

„nagomi“ funktioniert als eigenständiges Buch ebenfalls, aber es ist bei Weitem nicht so stark, weil es weniger greifbar ist. Harmonie zu finden, ist eben nicht leicht. Doch Mogi gibt gute Anreize aus der japanischen Tradition und Kultur und macht so auch gute Werbung für einen häufig im Westen fremden Lebensstil. Insofern dürfte auch dieser Band zu den „japanischen Lebensweisheiten“ beitragen.

Titel: nagomi
Autor: Ken Mogi
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
ISBN: 978–3–8321–6687–8

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Akif Şahin

Akif Şahin aus Hamburg. Arbeite als SEO-Manager für eine der größten Bildungs-Gruppen in Europa. Als Muslim interessiert mich die Geschichte und Kultur des vorderen Orients. Auf diesem Blog gibt es Einsichten, Aussichten und Islamisches.

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