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Ramadan, Iftar und Prüfungen: Fasten während Klausuren?

Ramadan ist eine besondere Zeit. Menschen kommen zusammen, brechen gemeinsam das Fasten und nehmen sich Zeit für Gespräche, die im Alltag oft zu kurz kommen. Gleichzeitig ist der Monat auch voller Herausforderungen: Termine, Verantwortung im Alltag — und für viele junge Menschen auch Prüfungen. Deshalb geht es heute etwas mehr um Gemeinschaft, Verantwortung und Prüfungsangst.

Gemeinsamer Iftar

Gestern Abend war ich zum Iftar eingeladen und habe mit zwei lieben Brüdern einen wunderbaren Abend verbracht. Beide sind Theologen. Wir kennen uns schon sehr lange — seit ihrer Kindheit — und sind teilweise sogar familiär miteinander verbunden. Die Einladung kam von den beiden, und endlich haben wir einmal wieder Zeit gefunden, uns zu treffen.

Bei gutem Essen, Nasheeds und Tee haben wir über vieles gesprochen. Solche Abende sind selten geworden, gerade weil der Alltag oft dazwischenkommt. Umso schöner ist es, wenn sie stattfinden.

Interessanterweise war das einigen Menschen offenbar ein Dorn im Auge. Neben ein paar Nachrichten von Leuten, die sich beschwert haben, warum wir sie nicht mitgenommen hätten, kam irgendwann auch der Vorwurf, ich würde einige meiner Schützlinge nicht zum gemeinsamen Iftar einladen.

Darüber musste ich offen gesagt lachen. In den vergangenen Jahren habe ich — bis auf eine einzige Einladung, bei der ich leider schon verplant war — jede Einladung angenommen. Insgesamt waren das allerdings genau zwei Einladungen in den vergangenen drei Jahren: die gestrige und die eines lieben Schützlings vor zwei Jahren.

Heute habe ich deshalb darauf hingewiesen, dass ich in dieser Runde eher der ältere Bruder bin — der Abi. Und traditionell wird der ältere Bruder eingeladen, nicht umgekehrt. Ich bin nicht derjenige, der ständig Iftar organisiert oder plant, sondern jemand, der gerne teilnimmt und sich auch einladen lässt. Wenn ich etwas plane, dann für und mit meinen älteren Geschwistern.

Ein bisschen mehr Demut bei solcher Kritik wäre manchmal angebracht. Besonders, wenn sie von Menschen kommt, die mir auf Veranstaltungen regelmäßig sagen: „Wir sollten uns mal treffen.“ Nur: Zu einem Treffen kommt es dann nie. Es sind Floskeln und das Gerede von Menschen, die einfach nur reden können, aber nicht aktiv sein können.

Care-Arbeit

Heute Morgen war ich beim Arzt. Dieses Mal allerdings nicht als Patient, sondern als Dolmetscher. Eine dieser unbezahlten Formen von Care-Arbeit, die man oft übernimmt — egal, ob man neun oder dreiundvierzig Jahre alt ist.

Ich muss sagen, dass ich immer wieder erstaunt darüber bin, wie unser Gesundheitssystem funktioniert und wie manche Dinge über Jahrzehnte hinweg übersehen werden können. Glücklicherweise war es in diesem Fall kein ernsthaftes Problem für den Patienten, aber es hätte auch anders ausgehen können.

Es ging um ein Aufklärungsgespräch über zukünftige Kontrolltermine und mögliche Entwicklungen. Ich bin der Ärztin sehr dankbar, dass sie mich nicht nur dazugebeten hat, sondern sich auch wirklich Zeit genommen hat, ordentlich aufzuklären. Das ist leider selten geworden. In einem längeren Gespräch wurden verschiedene Optionen besprochen, um vorbereitet zu sein, falls sich in Zukunft etwas verändern sollte.

Zum Glück besteht aktuell kein akuter Handlungsbedarf.

Fragen zu Prüfungen und Nahrungsergänzungsmitteln

Derzeit stehen bei vielen jungen Muslimen wichtige Prüfungen an. In den kommenden Monaten folgen dann die Hauptprüfungen, insbesondere das Abitur. Entsprechend häufen sich auch bei mir die Fragen.

Viele Schüler fragen sich, ob es erlaubt ist, am Tag einer wichtigen Prüfung nicht zu fasten. Andere interessieren sich für bestimmte Nahrungsergänzungsmittel oder beruhigende Präparate, die angeblich gegen Prüfungsangst helfen sollen.

Dabei entstehen manchmal sehr interessante Fragen — nicht nur für Imame und Gelehrte, sondern auch für einfache Muslime wie mich.

Glycerin und Alkohol

Eine Frage betraf beispielsweise Glycerin. Dieser Stoff wird häufig als Lösungsmittel, Feuchthaltemittel oder Trägerstoff in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet, etwa in Vitaminpräparaten.

Viele Menschen sind verunsichert, weil Glycerin chemisch als sogenannter „Zuckeralkohol“ bezeichnet wird. Schnell entsteht dann der Eindruck, es könnte sich um etwas Verbotenes handeln.

Tatsächlich muss man hier klar unterscheiden: Glycerin ist nicht mit dem berauschenden Alkohol Ethanol gleichzusetzen, der im Islam eindeutig verboten ist.

Heute wird Glycerin meist synthetisch oder pflanzlich hergestellt. Zwar existiert auch Glycerin tierischen Ursprungs, doch das ist inzwischen eher die Ausnahme. Viele Gelehrte weisen in der Mehrheit darauf hin, dass bei tierischem Ursprung das Tier halal sein und halal geschlachtet worden sein muss.

Andere verweisen zusätzlich auf das Prinzip der Istihala, also der vollständigen chemischen Umwandlung eines Stoffes. In diesem Fall wird Glycerin grundsätzlich als halal betrachtet.

Alkoholfrei bedeutet nicht „ohne Alkohol“

Interessant ist auch ein anderer Punkt: Auf vielen Produkten steht „alkoholfrei“. Das bedeutet in Deutschland jedoch nicht zwangsläufig, dass überhaupt kein Alkohol enthalten ist. Der Begriff „alkoholfrei“ erlaubt einen Restalkoholgehalt von bis zu 0,5 % Volumenprozent.

Zum Vergleich: Um davon überhaupt eine berauschende Wirkung zu spüren, müsste man unrealistische Mengen konsumieren. Die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Probleme wäre deutlich höher als irgendeine Form von Rausch.

Solche minimalen Mengen kommen übrigens auch in vielen Lebensmitteln vor, etwa in Fruchtsäften oder Marzipan. Aufgrund der geringen Konzentration müssen sie nach deutschem Lebensmittelrecht nicht immer ausdrücklich gekennzeichnet werden.

Viele Gelehrte stufen solche minimale Restmengen daher als unproblematisch ein. Es wird dennoch (aus einem islamischen Prinzip heraus) empfohlen, diese Produkte zu meiden.

Meine Empfehlung zu solchen Mitteln

Wenn du nervös vor einer Klausur bist und darüber nachdenkst, ein Präparat mit beruhigender Wirkung einzunehmen, würde ich dir als älterer Bruder offen gesagt davon abraten.

Zum einen ist die Wirkung solcher Mittel oft nicht nachgewiesen. Zum anderen ist starke Prüfungsangst eher ein Thema für psychologische oder psychosoziale Unterstützung.

Es gibt zahlreiche Beratungsangebote an Schulen, etwa Vertrauenslehrer oder schulpsychologische Dienste. Dort kann man sich helfen lassen.

Prüfungsangst und unsere eigene Kultur

Mir fällt jedoch noch etwas anderes auf. Auch ich habe Prüfungen geschrieben und kenne Prüfungsangst auch aus eigener Erfahrung. Irgendwann haben wir angefangen, uns zu fragen, was wir eigentlich anders machen könnten.

Dabei haben wir auch auf andere Länder geschaut — besonders auf islamisch geprägte Gesellschaften. Und ich habe den Eindruck, dass wir in Deutschland eine eigene Kultur für Prüfungsphasen kaum entwickelt, bzw. weiterentwickelt haben. Das sieht man auch daran, wie häufig Familien mit dem Thema umgehen: nämlich gar nicht. Es wird kaum Rücksicht auf die Prüfungszeiten von jungen Menschen genommen.

Einige Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, sind uns verloren gegangen. Für mich gibt es deshalb vier einfache Säulen, die gerade in stressigen Zeiten helfen können. Aber wichtig ist auch, dass die Familie einen in solch einer Zeit unterstützt und keine neuen Baustellen und Probleme schafft. Vielleicht sollte man den Streit unter Eltern z. B. auf eine andere Zeit verschieben als mitten in die Abiturphase.

Drei Dinge, die dir helfen können

1. Vollziehe die Gebetswaschung (Wudu)
Die Gebetswaschung beruhigt dich, weil du von klein auf gelernt hast, wie man Abdest nimmt, und dieses Ritual allein dich fokussiert. Denn du bereitest dich mit der Gebetswaschung auf die Ausführung einer religiösen Handlung vor und bittest um den Segen Allahs (swt).

2. Verrichte deine Gebete — besonders das Morgengebet
Wenn du Allahs Unterstützung möchtest, dann musst du beten. Das Gebet gibt dir Ruhe, es fokussiert dich und bringt dich auch der Klarheit deines Seins näher. Wer am frühen Morgen, das Morgengebet verrichtet, hat einen guten Start in den gesamten Tag. Das Herz beruhigt sich, weil man sich auch im Gebet von der Dunya abwendet. Deshalb ist es wichtig, hier direkt anzufangen. Das Morgengebet motiviert und stärkt zusätzlich für den Tag.

3. Sprich ein Dua
Wir haben verlernt, unsere Bittgebete aufzusagen. Ich habe gestern direkt eins empfohlen, was viele von uns aus unserer Kindheit kennen und was ich auch meinen eigenen Kindern auf den Weg gegeben habe.

  • Rabbi yassir (رَبِّ يَسِّرْ): „Mein Herr, mache es leicht“.
  • wa la tu’assir (وَلَا تُعَسِّرْ): „…und mache es nicht schwer“.
  • Rabbi tammim bil khair (رَبِّ تَمِّمْ بِالْخَيْرِ): „Mein Herr, lasse es zum Guten enden“.

Es ist das Dua, das man aufsagt, wenn man vor einer schwierigen Prüfung steht, vor einer großen Aufgabe oder einer wichtigen Entscheidung. Viele kennen dieses Bittgebet aus ihrer Kindheit und Jugend, aber wissen heute häufig nicht mehr, was die Worte bedeuten. Natürlich kannst du auch andere Dua aufsagen, ebenso, wie du die Schutzsuren aus dem Koran aufsagen kannst. Sieh dies als eine Anregung.

4. Starte mit der Basmala in die Prüfung
Und schließlich, wenn man am Tisch sitzt, die Prüfungsunterlagen vor einem sind und man anfangen darf, sollte man die Basmala aufsagen. Warum gerade jetzt, warum vielleicht noch einmal? Weil die Basmala in uns selbst etwas freisetzt. Wir sind darauf konditioniert, wenn wir etwas machen wollen, die Basmala aufzusagen. Und wenn wir eine Prüfung beginnen, dann hilft uns das Aufsagen der Basmala, uns zu motivieren und uns zu fokussieren.

Fasten während einer Prüfung?

Zu guter Letzt kam natürlich auch noch eine Frage rein, bei der es darum ging, ob es okay ist, am Tag einer Prüfung nicht zu fasten. Und solche Fragen begleiten viele Muslim:innen schon seit Jahrzehnten. Es gibt keine universelle Antwort. Die gibt es nie. Es ist immer eine Einzelfallentscheidung, aber es gibt Hinweise aus der Sunnah des Propheten (saw), wie wir grundsätzlich mit körperlichen und mentalen Herausforderungen im Ramadan umgehen können.

Es gibt Menschen, die sind, wenn sie fasten, konzentrierter. Ich kenne Personen, die haben fünf Stunden lang Abitur geschrieben, ohne einen Tropfen Wasser oder Essen anzurühren, und mit Bestnote bestanden. Es gab keinen Leistungsabfall bei sportlichen Prüfungen und sie haben sich so wohler gefühlt. Die gleichen Leute haben ohne zu fasten, nicht die gleichen Leistungen zeigen können.

Ich kenne Menschen, die sich für die Prüfungen das Fasten gespart haben und damit ebenfalls gut gefahren sind. Genauso wie es auch Menschen gibt, die gefastet und sich bei der Prüfung komplett kaputtgemacht haben, weil sie sich weder konzentrieren konnten, noch dem Druck standgehalten haben (Erbrechen und sogar Umkippen war häufig zu beobachten).

Und dann gibt es Menschen wie mich. In der Mathe-Abschlussprüfung habe ich gefastet (weil Mathematik einfach für mich war). Bei der Deutschprüfung, habe ich bewusst darauf verzichtet, weil ich mich sonst nicht hätte konzentrieren können. Mein Imam war — wie ich häufig immer erzählt habe – deutlich weiter als seine Kollegen und hat mich dazu ermuntert, vernünftig mit dem Thema umzugehen.

Und jede Person hat andere Erfahrungen mit dem Fasten. Bei manchen sinkt der Blutzucker so stark, dass sie kaum zu etwas in der Lage sind, während einige nicht einen Funken von Stress oder Strapazen zu durchleiden scheinen. Diese individuelle Erfahrung ist der Hintergrund, warum allgemeine Fatwas häufig hier nicht taugen.

Ist es okay, nicht zu fasten?

Wenn man der Mehrheit der Gelehrten weltweit folgt, ist eine schulische Prüfung kein Grund, auf das Fasten zu verzichten. Auch die DIYANET hat hierzu eine klare Position und lehnt solche Ausnahmen offiziell per FATWA ab. Das sorgt immer wieder für Kontroversen, weil es hier eine eindeutige Meinung zu geben scheint. Allerdings muss man genauer hinschauen.

Wenn ich eine Prüfung in der Türkei ablege oder in einem anderen islamisch geprägten Land, kann ich davon ausgehen, dass diese Prüfung häufig frühmorgens stattfindet. Gerade dann ist es auch häufig kein Problem, eine solche Prüfung in einem fastenden Zustand abzulegen, weil man in diesem zeitlichen Rahmen noch nicht mit den erst zunehmenden Strapazen einer Prüfung als fastende Person zu tun hat.

Hinzu kommt, dass die meisten islamischen Länder um den Äquator herum aufgestellt sind. Das bedeutet auch, dass dort häufig weniger lang gefastet wird, als in nördlicheren Ländern wie Deutschland. Hinweis: Die Morgendämmerung und der Sonnenuntergang liegen weiter auseinander, je mehr man sich vom Äquator entfernt.

Deshalb sind solche allgemeinen Fatwas als Richtlinie und Maßstab zu betrachten und zu berücksichtigen, aber sie sind keine absoluten Gewissheiten. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Wenn meine Abiturprüfung um 9 Uhr beginnt, ich aber zum Fasten um 3 Uhr nachts aufgestanden bin, ist es etwas anderes, als zum Fasten um 8 Uhr aufzustehen und um 9 Uhr in die fünfstündige Prüfung zu gehen.

Und wir haben schon alles Mögliche an Prüfungssituationen erlebt, die deutlich in den Nachmittag verlegt wurden. Das kann bei einem Fastentag mit 13 Stunden und einer Prüfungssituation um 14 Uhr entsprechend anders sein.

Was kannst du tun?

Zunächst einmal: Du bist für dich selbst verantwortlich. Eine Fatwa kann dir nur Orientierung bieten, sie ist kein festes Werk, das du absolut befolgen musst. Und das verstehen viele nicht. Eine Fatwa ist der Versuch einer Erleichterung oder einer Einordnung eines Sachverhalts, und das kann nur funktionieren, wenn dein Herz damit einverstanden ist. Es ist also keine Frage von Fatwa, was du tust, sondern von Taqwa (Gottesbewusstsein).

Wenn du den Lohn Allahs (swt) erhalten willst, dann faste. Auch eine Prüfung mit Mühe und Not, ist ein Segen. Aber wenn du das Gefühl hast, an dieser Klausur hängt alles für deine weitere Zukunft und du kommst mit dem Druck nicht klar und ein Aussetzen wäre für dich besser, dann vertraue auf dich selbst und dein Urteilsvermögen.

Und natürlich kommen dann auch Fragen, die mich immer wieder erstaunt zurücklassen. “Ja, aber weißt du, Akif abi, wenn ich faste und in die Prüfung hineingehe, dann kann Allah mich extra unterstützen und mich besonders erfolgreich machen.” — Das ist ein großes Missverständnis.

Allah (swt) wird dir nicht, nur weil du mehr gottesdienstliche Handlungen unternimmst, automatisch mehr Erfolg in dieser Dunya geben. Nach diesem Verständnis müssten alle Muslime, die darum beten, auch in dieser Dunya reich und erfolgreich sein. Und doch sehen wir, dass viele Kummer haben, es anderen besser geht, einige mehr bekommen als andere. Und was ist überhaupt mit denen, die gar keine Muslime sind und nicht beten?

Tatsächlich ist das Fasten im Ramadan eine Pflicht. Und dir obliegt zuallererst die Erfüllung deiner Pflicht. Und wer als Muslim:in seiner Pflicht nachgeht, wird dafür von Allah (swt) belohnt — im Jenseits. Wer absichtlich seiner Pflicht nicht nachgeht, obwohl er oder sie es könnte, wird aber dafür entsprechend eine Sünde begehen. Wer aber aus wichtigem Grund, seiner Pflicht nicht nachkommen kann, wird weder belohnt noch begeht diese Person eine Sünde.

Eine Gewissensfrage

Und auch beim Fasten gibt es Ausnahmen. Und eine Prüfung, eine Klausur oder auch das Abitur können (nicht müssen!) eine Ausnahme bilden, wenn man mit Nachteilen rechnen muss, wenn man das nicht gut besteht oder sich nicht konzentrieren kann oder auch mit enorm großem psychologischem Druck umgehen muss.

Ich weise in diesem Zusammenhang immer gerne auf die Schlachten von Badr und Mekka hin. Die Schlacht von Badr und die Eroberung von Mekka fielen in den Monat Ramadan. Aufgrund der Intensität und der Schwierigkeiten des Krieges fasteten die Gefährten (Sahaba) nicht.

Zu diesem Thema sagte ʿUmar (r.a.): „Wir führten mit dem Gesandten Allahs im Monat Ramadan die Schlacht von Badr und die Eroberung von Mekka. In beiden Schlachten haben wir nicht gefastet.“ (Tirmidhī, Savm, 20)

Der Gefährte Abū Saʿīd (r.a.) berichtete sogar: „Der Prophet befahl uns während eines Feldzuges im Ramadan, den begonnenen Fastentag zu brechen.“ (Tirmidhī, Savm, 20)

Die erwähnten Hadithe und ähnliche Überlieferungen weisen darauf hin, dass Menschen, die sehr schwere oder belastende Herausforderungen zu meistern haben (in diesem Fall Krieg), ihr Fasten auf einen späteren Zeitpunkt verschieben können. Und auch eine Klausur- und Prüfungssituation kann sehr belastend für die einzelne Person sein. Das wird häufig unterschätzt.

Allah will es uns leicht machen — die Menschen schwer!

Ein Hinweis an uns, die Worte aus dem bekannten Fasten-Vers (Sure Al-Baqarah 2:185) zu Herzen zu nehmen: „Allah will es euch leicht machen und will es euch nicht schwer machen.“

Ich habe leider den Eindruck, dass sich viele Menschen darum bemühen, den Muslimen das Leben schwer zu machen. Eine Google-Suche und auch eine YouTube-Suche zeigen, wie häufig Prediger aus bekannten Milieus den Menschen das Leben schwer machen wollen. Da werden Beispiele aufgeführt wie: “Kranke Menschen, die nicht fasten dürfen, wollen fasten, und der Typ, der eine Klausur hat, will nicht fasten.”

Diese Vergleiche sind nichts anderes als Whataboutism. Sie nehmen gerade die psychische Belastung von jungen Menschen in Prüfungssituationen nicht ernst und ziehen dieses Leid und ihre Sorgen ins Lächerliche. Wie soll sich ein junger Mensch nach dem Konsum eines solchen Videos und einer solchen Antwort fühlen? Wird er aus Angst heraus jetzt fasten? (was häufig das Ziel der Akteure ist) Oder eher dem Islam den Rücken kehren, weil seine Geschwister im Glauben, ihn nicht verstehen?

Fatal ist ja, dass die Mehrheit der Prediger, die auf Google oder YouTube so auftreten, nie wirklich solchen Situationen ausgesetzt waren oder echter harter Arbeit nachgegangen sind. Es sind empathielose Stücke. Sie leben davon, dass sie als Wanderprediger von Ort zu Ort gehen und die Menschen ihr Geld ihnen zustecken.

Sie werben extrem stark für Spenden und finanzieren sich so ihren Lebensstil (häufig mit mehreren Frauen und Luxusprodukten). Dabei schämen sich diese Leute nicht einmal mehr, offen um Geld zu betteln oder um die Zakat anderer für sich zu bitten. Sie befinden sich in keinem mir bekannten Fall in einer Notsituation, die das rechtfertigen würde.

Exkurs zum Thema Betteln: Nur in Ausnahmefällen

Natürlich wollen wir keine Beliebigkeit im Din (Religion), natürlich wollen wir die Menschen ermuntern, ihren Pflichten im religiösen Rahmen nachzugehen, aber der Auftritt solcher Prediger vermittelt häufig das Gefühl: “Du bist kein guter Muslim, keine gute Muslima, weil du das und das nicht tust!“ – Und dieser soziale Druck entfremdet die Menschen mehr vom Islam, als islamfeindliche Rhetorik oder Akteur:innen es je könnten.

In diesem Sinne, hoffe ich, dass dieser Text hilft, Dinge einzuordnen, selbst zu reflektieren und so eine vernünftige Entscheidung für sich selbst zu treffen. Natürlich ist eine Prüfung wie das Abitur oder auch eine Vorprüfung lebensverändernd. Aber jede:r Muslim:a geht anders damit um und jede Form des Umgangs ist okay, solange sich jede Person selbst mit der eigenen Entscheidung wohlfühlt und auf die Barmherzigkeit Allahs (swt) vertraut.

Und wer sich bemüht, trotz aller Herausforderungen doch zu fasten, wird noch größeren Lohn von Allah (swt) erhalten. Ein Erfolg bei einer Klausur ist jedoch nicht garantiert — egal, ob man gefastet hat oder nicht.

In diesem Sinne: „Wa Allahu a’lam!“ (Und Allah weiß es am besten!)

Geschrieben von

Akif Şahin

SEO-Manager

Akif Şahin aus Hamburg ist auf SEO (Suchmaschinenoptimierung) und digitale Strategien spezialisiert. Vorher war er als Content-Manager, Journalist und Marketing-Manager an der Realisierung von großartigen Projekten beteiligt.