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Was machst du an Ramadan?

Ich bin alt geworden. Denn Ramadan ist für mich mittlerweile eine Zeit der Stille und des sich “Zurückziehens”. Ich nehme mir bewusst eine Auszeit aus dem Trubel der Welt. Und ich fürchte mich davor, dem zu verfallen, was ich immer beschimpfe: riyāʾ.

Ich habe mich zurückgezogen. Die Netzwerke sind offline. Ein paar Nachrichten verschickt, ein paar Bilder mit “Ramadan Kareem”. Und doch kommen ein paar Anrufe. Ich nehme ab und die gleiche Frage, immer und immer wieder: “Und? Was machst du an Ramadan?

Irgendwie ist diese Erwartung da, dass man die Dinge, die man tut, auch unbedingt erklären und mit der Welt teilen soll. Dabei sind die gottesdienstlichen Taten, die wir im Stillen und ohne viel Aufmerksamkeit tun, die keine Pflicht (fardh) darstellen, ein Segen. Und den Segen verliert man, wenn man dies mit den Menschen teilt.

Riyāʾ: Vermeiden wir es doch so gut wie möglich!

Sprich nicht darüber, was du an guten Taten, an religiösen zusätzlichen Handlungen (nafila) verrichtest. Denn dies ist auch eine Form von “Gesehenwerdenwollen”. Riyāʾ ist ein Begriff aus der islamischen Ethik. Es beschreibt, wie Menschen heucheln und ihre vermeintliche Frömmigkeit zur Schau stellen.

Die Menschen, die riyāʾ leben, führen ihre guten Taten (wie auch ihre Gebete, ihr Almosen, ihr Fasten etc.) nicht für das Wohlgefallen Allahs aus. Sie sind nicht aufrichtig und tun das alles nur für Anerkennung, Ruhm oder Status. Deshalb gilt riyāʾ auch als versteckter Schirk (Beigesellung) und ist eine sehr ernste Sünde.

Erzählt lieber, was ihr nicht tut!

Halten wir uns also davon fern und behalten wir die Dinge, die nicht unsere Pflicht sind, für uns. So bleiben sie auch geschützt und werden, inschallah, belohnt. Und wer dennoch eine Antwort geben möchte, sollte den Menschen erzählen, was er dieses Jahr nicht tut.

“Ich habe mich entschlossen, dieses Jahr nicht in die Moschee zu gehen, um Taraweeh zu beten“, sagte ich zu einem engen Freund am Telefon. Er war irritiert. Ich erklärte ihm, dass mein aktueller Gesundheitszustand eher als “anfällig” beschrieben werden kann. Deshalb ist es keine gute Idee, unter Menschen zu gehen oder sich in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen aufzuhalten. Entsprechend verzichte ich in diesem Jahr darauf.

Achten wir doch ein wenig auf uns und unser Umfeld!

Und vielleicht — um diesen trüben Gedanken etwas Positives als Abschluss hinzuzufügen. Ich bekam gestern Nacht eine WhatsApp von meinem (nichtmuslimischen) Chef. “Wishing you a good start of Ramdan!“, stand da drin. Wir sind glücklich, weil unser Umfeld uns wertschätzt, so wie wir sind.

Ich werde also diesen Ramadan genießen und kann darauf bauen, dass mein Umfeld — im Privaten wie im Beruflichen – die Dinge achtet, die mir wichtig sind. Und alle in meinem Umfeld können darauf vertrauen, dass ich für sie da bin und die Dinge achte, die ihnen wichtig sind.

Geschrieben von

Akif Şahin

SEO-Manager

Akif Şahin aus Hamburg ist auf SEO (Suchmaschinenoptimierung) und digitale Strategien spezialisiert. Vorher war er als Content-Manager, Journalist und Marketing-Manager an der Realisierung von großartigen Projekten beteiligt.