Ich hasse nicht das Warten — ich hasse Respektlosigkeit
Wisst ihr, ich hasse es, zu warten.
Ich bin ein pünktlicher Mensch. Und wenn ich tatsächlich mal zu spät dran bin, sage ich rechtzeitig Bescheid. Ich antworte auf Nachrichten zeitnah und lasse Menschen nicht einfach hängen. Das gilt nicht immer und überall — aber im beruflichen wie im privaten Kontext ist das mein Standard.
Umso mehr ärgert es mich, wenn Menschen es nicht schaffen, über mehrere Tage hinweg auf eine einfache „Ja“- oder „Nein“-Frage zu antworten. Ganz ehrlich: Was hast du davon, nicht zu antworten? Glaubst du wirklich, dass du dadurch irgendetwas erreichst?
Mein Eindruck ist oft ein anderer: Du hast dein Leben, deinen Job oder zumindest deinen Geist nicht unter Kontrolle.
Ramadan verstärkt, was ohnehin da ist
Gerade wenn ich faste, ist dieses Gefühl stärker präsent. Alles ist sensibler. Klarer. Direkter.
Ich empfinde dieses Nicht-Antworten als respektlos mir gegenüber. Und ja — ich mache mir mittlerweile innerlich eine Notiz. Früher konnten Menschen sich darauf verlassen, dass ich später trotzdem freundlich antworte. Dass ich Dinge herunterschlucke. Dass ich Verständnis habe.
Diese Zeiten sind wieder vorbei. Wir lassen nämlich Respektlosigkeit immer einfach so stehen, anstatt etwas dagegen zu unternehmen.
Sabr ist keine blinde Geduld
Der Monat Ramadan lehrt uns Verzicht und Sabr.
Sabr wird oft schlicht mit „Geduld“ übersetzt — so, als wäre es dieses christlich geprägte „Halt die eine Backe hin und dann auch noch die andere“. Das ist aber falsch.
Sabr ist nicht passives Aushalten.
Sabr bedeutet, die eigene Haltung zu verändern, damit sich eine Situation verändern kann. Es geht um innere Stabilität, nicht um Selbstaufgabe.
Eine Geschichte, die mich geprägt hat
Es gibt diese bekannte — vermutlich nicht historisch belegte — Geschichte über Ali (ra). Er wird vom Propheten (saw) mehrfach vor den Gefährten gefragt, was er tun würde, wenn ein Mann seine Kinder schlagen würde.
Ali (ra) antwortet jedes Mal:
„Ich würde dem Mann etwas Gutes tun.“
Beim letzten Mal sagt er schließlich sinngemäß:
„O Gesandter Allahs, auch wenn ihr mich bis zum Tag des Jüngsten Gerichts fragtet — meine Antwort würde sich nicht ändern. Ich würde dem Mann etwas so Gutes tun, dass er diese abscheuliche Tat nie wieder begehen kann. Gegenüber keinem Kind.“
Ich bin ein Kind solcher Geschichten. Und ihr glaubt, ihr könnt mich verletzen?
Warum ich mir meine Zeit nicht mehr stehlen lasse
Genau deshalb werde ich den Mist, mit dem ihr mir meine Zeit stiehlt, nicht einfach hinnehmen.
Nein — ich werde euch etwas Gutes tun.
Ich werde euch mit Konsequenz begegnen. Mit Klarheit. Mit Spiegeln.
Denn manchmal ist das Beste, was man tun kann, nicht nett zu sein — sondern ehrlich. So ehrlich, dass sich Verhalten, das nicht okay ist, wieder ändert.