Manchmal fühlen wir uns müde und kaputt. Wir sind von allem überwältigt, wollen uns am liebsten für immer hinlegen und nie wieder aufstehen. Wir wollen aufgeben, statt uns aufzurichten und noch einen letzten Kampf mit den wenigen Ressourcen zu führen, die wir in uns haben. Das Leid, das in uns schlummert, ist meist mehr, als ein Menschenleben ertragen kann. Und trotzdem machen wir weiter.
Ich lebe weiter, aber nicht wirklich. Die Tage gehen schnell an mir vorbei. Währenddessen funktioniere, erledige und reagiere ich. Von außen wirkt alles okay, vielleicht sogar für andere erstrebenswert. Sie träumen von Freiheit, ich bin diese Form von Freiheit leid. Von innen fühlt sich alles so an, als würde ich keinen einzigen Schritt weiterkommen. Das ist natürlich nicht wahr, aber Realität und Wahrnehmung sind etwas anderes.
Verlust ohne Abschied
Ich trauere um einen Menschen, die nicht wirklich gegangen ist und trotzdem fehlt. Eine Person, die tiefe Spuren in meinem Herzen und meinen Gedanken hinterlassen hat, die ich kaum in Worte fassen kann. Nach all der Zeit und den Jahren? Ja, es gibt keinen Abschied bei der Liebe.
Es gibt keinen Moment, in dem man sagen könnte: Jetzt ist es vorbei. Es ist ein Echo, das ständig nachhallt und sich immer wieder den Weg durch Wände und Mauern bahnt. Manchmal tut es weh, manchmal zaubert es ein Lächeln über unsere Lippen.
Vor einiger Zeit hatte ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und wollte mich nach all der Zeit bei ihr melden. Keine Erwartungen, nur ein Gespräch und vielleicht endlich ein Abschluss mit allem. Ich sah, dass sie Bilder von sich geteilt hat, auf denen sie lächelt. Mir wurde da plötzlich bewusst: Dieser Mensch, der sonst keine Bilder von sich teilt, tut das für jemand anderen. Wer bin ich, bei diesem Glück zu stören?
Funktionieren und Leere
Finanziell geht es mir deutlich besser. Ich habe endlich Sicherheit und ich sehe jeden Tag, dass es anders ist, mit 20 € oder mehr zu leben als mit 5, 10 oder zuletzt 15 €. Und trotz dieser Entwicklung und auch der neuen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, bleibt eine Leere. Der finanzielle Fortschritt schützt mich nicht vor möglichem Verlust. Und Geld heilt keine unsichtbaren Wunden, die unerträgliche Schmerzen verursachen.
Es gibt immer noch Tage, an denen ich vor mich hin vegetiere. Es gibt zum Glück keine Blackouts. Ich weiß, was ich getan habe oder eben nicht. Letzteres nicht aus Faulheit. Es ist vielmehr ein Schutz. Routinen halten mich aufrecht, aber sie tragen mich nicht. Ich bin meist da, auch gedanklich, aber ich bin nicht angekommen. So vergehen die Tage schneller und man merkt, dass der April bereits angebrochen ist, obwohl gestern noch Ende Dezember und der Jahreswechsel waren.
Keine Zeit, die hilft
Ich habe aufgehört, mir einzureden, dass die Zeit alle Wunden heilt oder alles regelt. Manche Dinge verändern und verbessern sich, andere Dinge bleiben so, wie sie sind. Und das ist in Ordnung. Vielleicht besteht Heilung nicht darin, zu vergessen, sondern darin, weiterzumachen, weiterzugehen und nicht alles, was da ist, mitzunehmen. Auf dem Weg zu einem besseren Leben und zu einem besseren Selbst benötigt man jedenfalls mehr als “nur” Zeit.
Das Hier und Jetzt ist kein Ende. Es ist kein Abschluss dieser Reise. Es ist nur ein Moment des Innehaltens in diesem Kampf, den ich jetzt seit geraumer Zeit führe und führen muss. Der bescheidene Versuch, dem Chaos in meinem Leben einen Namen zu geben.
Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.