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Ramadan, Schreiben und das Alleinsein – zwischen Routine, Zweifel und Dankbarkeit

Ramadan ist für mich in diesem Jahr vieles zugleich: Schreibübung, Tagebuch, Routine — und Spiegel. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag zu schreiben, aus dem Leben heraus, ehrlich und ohne Filter. Doch je länger dieser Monat dauert, desto deutlicher wird, dass es nicht nur um Disziplin geht, sondern um innere Haltung, Dankbarkeit und die Frage, was Glück eigentlich bedeutet.

Ramadan als Schreibübung und Selbstexperiment

Als ich diese Reihe in diesem Ramadan gestartet habe, wollte ich vor allem eines wissen: Wie weit komme ich? Schaffe ich es, jeden Tag etwas zu veröffentlichen — konsequent, ehrlich, ohne Ausreden?

Gestern war das erste Mal, dass ein Beitrag nicht am selben Tag erschienen ist. Ich war schlicht zu früh eingeschlafen und habe den Text über Sabr erst am frühen Morgen veröffentlicht. Kein Drama — aber ein Bruch in der selbst auferlegten Disziplin.

Zwischen Alltag, Routine und Algorithmus

Ich versuche täglich, aus meinem Leben zu berichten. Einerseits als Schreibübung, andererseits als persönliches Ramadan-Tagebuch. Diese Texte sind der Anfang einer Reihe, die sich über das Jahr fortsetzen soll.

Dabei trainiere ich nicht nur meinen Stil und meine Ausdrucksfähigkeit, sondern auch den Algorithmus. Ich etabliere eine neue Routine und beobachte gleichzeitig, wie sich meine Texte entwickeln — inhaltlich wie formal.

Der tägliche Fortschritt zeigt Wirkung: Die Beiträge werden gelesen. Es bleibt ein Nischenblog. Aber es ist mein Nischenblog. Niemand schreibt mir vor, worüber ich schreiben soll. Die Texte kommen aktuell direkt aus dem Herzen — und genau das kostet Kraft.

Wenn der eigene Anspruch zum größten Gegner wird

Es ist keine Erschöpfung im klassischen Sinne. Es ist mein eigener Anspruch, der mir im Weg steht. Ich bin mein größter Kritiker.

Heute habe ich bestimmt fünfmal angefangen zu schreiben — und fünfmal alles verworfen. Zu technisch. Zu oberflächlich. Zu selbstmitleidig. Texte ohne Tiefe, ohne Details, ohne Seele.

Und genau so fühlt sich mein Leben gerade auch an.

Ramadan und das Gefühl des Alleinseins

Ich bin diesen Ramadan allein. Da ist niemand, mit dem ich das Fastenbrechen teile, niemand, mit dem ich den Abend verbringe. Gleichzeitig ist es der erste Ramadan seit langer Zeit ohne große Sorgen, ohne Stress — mit einer Leichtigkeit, die ich so nicht kannte.

Ein Freund hat mir gesagt, dass mich genau das dieses Jahr härter treffen wird. Er hatte recht.

Denn auch in den Jahren, in denen ich nicht allein war, fühlte sich Ramadan selten leicht an. Es war oft eine Zeit voller Stress, Sorgen und zusätzlicher Belastungen — nie die Ruhe und Spiritualität, die ich mir gewünscht habe.

Und jetzt, wo all das möglich wäre, merke ich: Allein ist es auch nicht schön.

Dankbarkeit, Undankbarkeit und das eigentliche Ziel

Der Mensch ist undankbar. Ich bin undankbar.

Ich komme mit diesem Geschenk der Ruhe nicht richtig zurecht. Meine innere Haltung ist noch nicht da. Und ich verliere dabei leicht das eigentliche Ziel aus den Augen: glücklich zu sein.

Und während ich das schreibe, fällt mir wieder ein, was Thomas Mann in Tonio Kröger geschrieben hat und mich schon seit meiner Jugend als Hinweis begleitet:

“Denn das Glück, sagte er sich, ist nicht, geliebt zu werden; das ist mit Ekel gemischte Genugtuung für die Eitelkeit. Das Glück ist, zu lieben und vielleicht kleine, trügerische Annäherungen an den geliebten Gegenstand zu erhaschen.”

Geschrieben von

Akif Şahin

SEO-Manager

Akif Şahin aus Hamburg ist auf SEO (Suchmaschinenoptimierung) und digitale Strategien spezialisiert. Vorher war er als Content-Manager, Journalist und Marketing-Manager an der Realisierung von großartigen Projekten beteiligt.