Als ich ein junger Mann war, war ich immer irritiert, wieso mein Vater nachts um 2 oder 3 Uhr noch wach war und auf mich wartete. Warum legte sich dieser Mann nicht einfach hin und schlief, wenn sein Sohn halt so spät noch draußen war? Ich war dabei nie irgendwie der Typ, der Mist gebaut oder sich mit falschen Menschen getroffen hat. Das Vertrauen war da, aber jedes Mal war er wach, wenn ich kam, und das machte mich jedes Mal auch nervös und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Ich hatte sogar meist Bescheid gegeben, dass es spät wird. Warum bleibt man da wach?
Ich musste an meine “Unwissenheit” und auch Naivität denken, als ich gestern Nacht aufstand, um das Nachtgebet (ʿIschāʾ) zu verrichten. Ich war so müde, dass ich das Gebet auf eine spätere Zeit schob und mich erst mal hinlegte. Das Tahajjud-Gebet, also das Gebet, nachdem man geschlafen hat und extra aufwacht, um es im letzten Drittel der Nacht zu beten, ist etwas Besonderes. Es wird als zusätzliches Gebet verrichtet. Mein Vater wartete also damals nicht auf mich, er hatte ein Meeting mit dem Schöpfer. Und sein Sohn kam meistens störend zu diesem Meeting nach Hause.
Arbeit und Stress
Naiv — das ist so das, was mich am besten beschreibt. Ich glaube häufig im sozialen Austausch alles und ich merke nicht mal im ersten Moment, dass man mich auf den Arm nimmt. Das führt mitunter auch zu absurden Situationen — ganz besonders im beruflichen Kontext. Heute war es wieder so weit. Ich habe also eine Kollegin gefragt, ob ich das, was in einem Ticket stand, falsch sehe oder ob ich es richtig aufgefasst habe. Sie hat mir gesagt, dass ich es falsch aufgenommen habe.
Damit war der Tag bereits erledigt. Ich versuchte, das Thema zu ignorieren. Meetings, Telefonate, Textarbeit, der Abschluss eines Projektes und viele Analysen lagen an der Tagesordnung. Zwischendurch Anruf von meinem Baba, der einen Arzttermin hat, wo er mich braucht, und fragt, ob ich da sein kann. Ich habe nachgeschaut, kein Problem. Im Hintergrund höre ich meine Mutter: “Was soll ich morgen kochen?“ – Wir einigen uns auf einen Standard der türkisch-anatolischen Küche. Ich empfehle auch erneut, wieder meinen Bruder einzuladen.
Wünsche und Gebete
Am späten Nachmittag bin ich auf einmal hundemüde. Ich habe eigentlich erholsam geschlafen und doch – ich bin platt. Ich lege mich also hin und schiebe den Rest der Arbeit auf den Abend. Als ich aufwache, ist die Sonne bereits untergegangen. Ich habe die Zeit für den Iftar verschlafen. Ich gehe zum Kühlschrank, hole mir ein paar kalte Sachen raus, nehme meine Dattel und Medizin und starte in den Abend.
Ich bekomme einen Rückruf von einem Schützling. Er verschweigt mir viel, also dränge ich ihn mal, mit der Sprache herauszurücken. Er erzählt alles. Und ich muss ihn ermahnen, sowohl im Umgang mit seiner Familie als auch in seinem Umgang mit seinen religiösen Pflichten. Ich neige wirklich nicht mehr dazu, Frauen zuzustimmen, wenn es um Kritik an ihren Ehemännern geht, aber in diesem Fall habe ich seiner Frau recht gegeben, und das war wirklich ein Novum.
Das Wichtigste aber an diesem Gespräch war: Er hofft, dass er einen ganz bestimmten Job bekommt, für den er sich beworben hat. Aber er tut dafür nichts. Und ich habe ihn ermahnt: Wenn man sich etwas wünscht, dann wünscht man es sich von Allah (swt) und wenn man nicht betet, kann man nicht erwarten, dass Allah (swt) das Gebet erhört. Und die Gebete werden besonders im letzten Drittel der Nacht erhört, weshalb viele Muslime zum Tahajjud aufstehen und ihre Bittgebete an den Schöpfer richten.
Etwas Ablenkung
Ich bin ausgelaugt, ich habe heute keinen Nerv mehr. Ich brauche etwas Abwechslung von meinem konzentrierten Asketismus. Irgendwann lese ich, dass Let’s Dance heute Abend wieder startet. Ich habe lange nicht mehr eingeschaltet, aber ein Abendprogramm habe ich mir definitiv für diese Zeit vorgenommen. Ständiges Daddeln am PC ist auch ungesund. Also mache ich meine Sachen fertig und pünktlich um 20 Uhr schaue ich die Tagesschau, um im Anschluss RTL zu schauen.
Was mir heute bisher aufgefallen ist, neben der Frisur von Jorge González, ist, wie Joachim Llambi tatsächlich heute im Lob für einen neuen Tänzer abgegangen ist. Das ist echt ungewöhnlich gewesen. Wir dürfen viel von diesem Tänzer erwarten. Ob aber Llambi wohl auf seine alten Tage altersmilde wird? Keine Ahnung, aber Motsi Mabuse hat heute etwas sehr Schönes gesagt: “Alles wird gut.” Ich denke auch.