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Ramadan: Der Tod macht keine Pause

Der Ramadan hört nicht plötzlich auf, nur weil der Tod anklopft. Er macht keine Pause, keine Umwege, keine Ausnahmen. Eine Ermahnung für uns.

Heute rief ich in der Türkei an. Meine Tante, die Mutter meiner ältesten Cousins und geliebte Witwe meines während der Corona-Zeit verstorbenen Onkels, hat unsere Welt verlassen. Inna lillahi wa inna ilayhi radschiuun.

Ich habe meinen beiden Cousins mein Beileid ausgesprochen. Zwischen ihnen liegen drei Jahre, der eine ist 63 Jahre alt, der andere 60. Beide sind in Belgien, besser gesagt in der Nähe von Antwerpen, groß geworden. Der ältere hat geweint, wie ein kleines Kind. Der andere war gut gelaunt und gefasst. Er hat schon Scherze gemacht, als wir telefoniert haben, während seinem älteren Bruder die Stimme versagte.

Es tut enorm weh, aber es gehört zu den Ritualen der Verarbeitung. Man versucht sich an die guten Dinge zu erinnern. Es war mein Onkel, der unsere Familie weitestgehend nacheinander nach Europa gebracht hat. Er selbst zog nach Belgien, während sich alle anderen um Travemünde herum niederließen. Bloß meinen Vater zog es etwas “südlicher”, nachdem er seinen anfänglichen Job als Matrose aufgegeben hatte.

Meine Tante hat nicht viel gelitten, über 90 Jahre alt, an die Geräte angeschlossen, in einem Koma für knapp einen Monat. Dann gestern früh Herzstillstand. Wiederbelebungsmaßnahmen haben nicht geholfen. Der Tod wurde festgestellt.

“Wo habt ihr Hanım Yenge beerdigt?”, frage ich meinen Cousin. Er ist ihrem Willen nachgekommen und ihr Grab wurde direkt neben dem meines Onkels ausgehoben. Außerhalb des Dorfes, mitten in der großen Stadt. Es war ihr letzter Wille. Sie wollte neben dem Mann beerdigt werden, der sie in die große Welt entführt, ihr das Herz gebrochen und bis zum Schluss bei ihr geblieben ist.

Wir erinnern uns an die schönen Tage, an das wohlriechende Essen, an das entwaffnende Lächeln, an die Sandalen, die durch die Luft flogen, aber auch an das Trösten, wenn wir als Kinder auf unsere Hintern gefallen sind. Möge Allah (swt) ihrer Seele gnädig sein.

Auch dies gehört zu meinem Leben. Ich lebe in einer “gurbet-”Welt. Ich gehöre nicht wirklich hierher. Und “vuslat” bleibt uns nicht vergönnt. Ich habe schon mehrere Beerdigungen und die Möglichkeit des Abschieds verpasst, wenn es um Menschen aus meiner Familie ging. Bis heute tut es jedes Mal weh, an den Gräbern zu stehen und zu beten. Kein Abschied.

Der Tod gehört zu uns, wie das Leben. In letzter Zeit denke ich häufiger über den Tod nach. Ich denke vor allem darüber nach… ach lassen wir das… Eine angenehme Nacht…

Geschrieben von

Akif Şahin

SEO-Manager

Akif Şahin aus Hamburg ist auf SEO (Suchmaschinenoptimierung) und digitale Strategien spezialisiert. Vorher war er als Content-Manager, Journalist und Marketing-Manager an der Realisierung von großartigen Projekten beteiligt.