Heute habe ich wirklich versucht, nichts zu machen. Ich bin wieder etwas angeschlagen und fühle mich insgesamt nicht besonders gut. Die Augen brennen immer wieder — ein klares Zeichen dafür, dass mein Zuckerspiegel erneut Achterbahn fährt. Also habe ich mich bewusst zurückgezogen und mich nur minimal betätigt.
Zum Iftar gab es das Essen, das mir meine Mutter gestern mitgegeben hat. Allein dafür bin ich sehr dankbar.
Mentoring am Abend: Bewerbung mit Unterstützung durch KI
Am späten Abend sitze ich vor dem Rechner und habe gleichzeitig einen meiner Schützlinge am Telefon. Wir sprechen rund 90 Minuten. Thema ist seine Bewerbung auf eine interne Position bei seinem Arbeitgeber. Gemeinsam erarbeiten wir anhand gezielter Fragen ein Motivationsschreiben.
Die Idee, dabei KI einzubinden, kam mir erst vor wenigen Tagen. Rückblickend war es vermutlich eine der besten Entscheidungen. Gerade als jemand, der im beruflichen Kontext nur noch mit KI arbeitet und viele Analysen und Tätigkeiten damit deutlich schneller erledigt als früher, bin ich der Vorteile von solchen Systemen nicht nur bewusst, ich nutze diese für mehr Effizienz.
Vom klassischen Bewerbungsprozess zur effizienten Lösung
Normalerweise arbeite ich mit einer festen Fragenliste, um die eigentliche Motivation hinter einer Bewerbung herauszufiltern. Auf Basis der Antworten entsteht dann Schritt für Schritt eine erste Textfassung.
Dieses Mal lief es anders: Statt eines nächtelangen Gesprächs haben wir seine komplette Bewerbung — inklusive Anschreiben und Motivationsschreiben — innerhalb von 90 Minuten erstellt. Unterstützt durch KI, aber sorgfältig geprüft und mehrfach auf seine eigenen Worte und seinen eigenen Stil angepasst. Vor allem aber sehr kurz gehalten.
Anschreiben vs. Motivationsschreiben: Klarheit statt Floskeln
Er war zunächst irritiert, warum das Anschreiben so kurz und das Motivationsschreiben deutlich ausführlicher geraten ist. Doch genau darin liegt der Sinn:
Das Anschreiben ist der kompakte Einstieg mit den wichtigsten Punkten. Das Motivationsschreiben hingegen geht in die Tiefe — von der persönlichen Entwicklung hin zu einem klaren Ausblick auf die berufliche Zukunft im Unternehmen.
Wir sind jeden Abschnitt gemeinsam durchgegangen, haben Formulierungen geschärft und alles so angepasst, dass es wirklich seine Worte sind — keine Standardsätze, keine leeren Phrasen.
Authentizität schlägt Perfektion
Die eigentliche Arbeit begann nach der Fertigstellung der Unterlagen. Wir haben mögliche Rückfragen durchgesprochen, Fallstricke analysiert, und ich habe ihm eines besonders mitgegeben: Authentizität gewinnt.
Wenn jemand fragt, ob er den Text allein geschrieben hat, soll er ehrlich antworten: Nein. Ein guter Freund der Familie und KI haben geholfen.
Heute geht es nicht mehr darum, alles allein zu können — vor allem nicht außerhalb des eigenen Fachgebiets oder des Jobs. Bewerbungen waren dabei früher echte Gatekeeper. Man rätselte über Formalien, richtige Ansprache und geheime Kriterien in Personalabteilungen.
Warum Bewerbungen heute seltener das Problem sind
Inzwischen scheitert eine Einstellung selten an der Bewerbung selbst. Viel häufiger sind es strukturelle oder strategische Gründe. Entscheidend ist, zu verstehen, wie Prozesse funktionieren — und sich helfen zu lassen, wenn man allein nicht weiterkommt.
Warum Helfen erfüllt — und warum ich es bewusster tue
Am Ende hat er sich herzlich bedankt. Und ich habe ihm gesagt, was ich selbst gern früher gehört hätte: “Wenn es nicht klappt, ist das kein Weltuntergang und kein Zeichen mangelnder Wertschätzung. Vielleicht bist du genau dort richtig, wo du gerade bist. Und vielleicht ändert sich das im nächsten Jahr. Also weitermachen, keine Angst zeigen und nicht nachlassen.”
Es erfüllt mich, Menschen helfen zu können. Es gibt mir Wärme und Sinn. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich heute nicht mehr jedem helfe. Zu oft wurde diese Hilfsbereitschaft ausgenutzt. Auch das gehört zum Leben und zum Lernen dazu.
So, mein Netflix-Abo ist wieder gebucht. Ein guter Film zur Abwechslung tut jetzt schwer Not.