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KI und die Zukunft

Seit dem Durchbruch von ChatGPT und dem weltweiten KI-Boom überschlagen sich die Prognosen zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz (KI). Doch wohin entwickelt sich KI wirklich? Stehen wir am Beginn eines neuen digitalen Zeitalters oder erleben wir gerade den Höhepunkt eines Hypes, dessen Grenzen langsam sichtbar werden? Ich beschäftige mich seit den ersten Tagen des aktuellen KI-Booms mit dieser Frage und komme zu einer Einschätzung, die deutlich von den üblichen Zukunftsvisionen abweicht.

Ich habe mich damals beim Hype um das Metaversum bereits nach wenigen Wochen sehr kritisch geäußert und dessen Scheitern vorausgesagt – auch mit Blick auf die Erfahrungen aus der Anfangszeit von Second Life. Dafür wurde ich stark belächelt. Ich weiß, dass ich grundsätzlich eine sehr skeptische Haltung gegenüber Hypes habe und ebenso gegenüber vermeintlichen Verbesserungen unserer digitalen Welt.

Beim Thema generative „KI“ war das von Anfang an anders. Ich ging zunächst nicht davon aus, dass sie scheitern würde. Ich war ein Early Adopter, wie man so schön sagt, und belegte direkt zu Beginn Kurse, um mich im Bereich KI und Prompting richtig aufzustellen. Nach einer Weile sagte ich jedoch eine Zukunft voraus, in der wir uns in einer Art Mediokratie befinden würden. Inzwischen sind wir längst über diesen Zustand hinausgegangen. AI-Slop ist real und wird heute deutlich stärker wahrgenommen, als viele es am Anfang gesehen oder wahrhaben wollten.

Don’t You Believe the Hype? – Finanzblase incoming!

Nun, ich habe Sozialökonomie studiert und beobachte aktuell die Milliardenwetten auf KI-Anwendungen sowie die Disruption der Suche – allen voran bei Google und Alphabet. Aber auch bei den großen Tech-Unternehmen an den Börsen ist dieser Trend sichtbar. Es ist eine Wette auf die Zukunft, bei der gewaltige Geldsummen von einer Hand in die andere wechseln.

Dabei bildet sich eine große Finanzblase, weil Investitionen teilweise und wiederholt zwischen Unternehmen hin- und herfließen. Beispielsweise investiert Firma A, die auf generative KI setzt, Milliarden in die Chipherstellung bei Firma B. Das Geld dafür erhielt Firma A zuvor von Firma B oder deren Investoren bei einem neuerlichen Pitch. So werden Bilanzen künstlich aufgebläht und die Grundlage für eine Blase geschaffen.

Wo liegt unsere Zukunft beim Thema KI?

Ich glaube nicht, dass unsere Zukunft in generativer KI liegt. Sie wird irgendwann zu teuer – jede Anfrage kostet Rechenleistung und damit Geld – und gleichzeitig zu unzuverlässig werden. Stichwort: Mediokratie. Generative KI wird aus meiner Sicht ein Werkzeug oder Spielzeug bleiben.

KI selbst wird jedoch dazu beitragen, dass Unternehmen, die nicht primär auf Chatbots setzen, sondern auf konkrete Optimierungen ihrer Prozesse – etwa Salesforce oder SAP -, erhebliche Vorteile erzielen können. Erste Auswertungen und Bilanzierungen deuten bereits darauf hin, dass hier großes Potenzial vorhanden ist.

Genauso wird auch die Sicherheitsarchitektur langfristig angepasst werden müssen. Wenn ein Modell in der Lage ist, Sicherheitslücken innerhalb kürzester Zeit zu identifizieren, kann dies langfristig zu mehr Sicherheit führen. Gleichzeitig müssen Sicherheitskonzepte grundlegend überprüft, neu gedacht und entsprechend gestaltet werden.

KI, wie wir sie kennen, wird an Bedeutung verlieren

Langfristig wird der normale Anwender als Zielgruppe zunehmend an Bedeutung verlieren, während spezialisierte KI-Anwendungen und deren Nutzer eine neue Daseinsberechtigung erhalten. Man möge mich nicht falsch verstehen: Ich glaube nicht, dass generative KI vollständig verschwinden wird.

Allerdings halte ich es für wahrscheinlich, dass sie ihren aktuellen Stellenwert und den gegenwärtigen Hype langfristig nicht halten kann. Viele der heutigen Anwendungen werden entweder wirtschaftlich nicht tragfähig sein oder sich als weniger revolutionär erweisen, als derzeit angenommen wird.

Am Ende wird es jedoch KI-Anwendungen geben – vielleicht sogar eine Super-KI -, die weit von dem entfernt sind, was wir heute kennen. Die eigentlichen Gewinner werden vermutlich nicht die Chatbots sein, über die wir heute diskutieren, sondern die Technologien und Lösungen, die aus ihnen hervorgehen und die wir uns derzeit noch kaum vorstellen können. Auf diese Entwicklung sollten wir uns schon heute vorbereiten.

Wir sind mitten im Change

Jobs fallen weg, die Suche bei Google verändert sich, Sichtbarkeit wird relativ, Informationen werden austauschbar. Am Ende stellt sich jeder dieselbe Frage: Welchen Vorteil habe ich – oder welchen kann ich mir erarbeiten?

Wer in dieser Zeit nicht untergehen will, sollte sich auf die Stärke seiner Argumente, die Qualität seiner Arbeit und den Nutzen seines Produkts konzentrieren.

Anderenfalls wird man beliebig und austauschbar. Vielleicht ist genau das die größte Herausforderung des neuen digitalen Zeitalters: eine Technologie anzunehmen und sich gleichzeitig nicht in ihr zu verlieren.

Geschrieben von

Akif Şahin

SEO-Manager

Akif Şahin aus Hamburg ist auf SEO (Suchmaschinenoptimierung) und digitale Strategien spezialisiert. Vorher war er als Content-Manager, Journalist und Marketing-Manager an der Realisierung von großartigen Projekten beteiligt.