Wahlen bei der DITIB – ein klarer Rückschritt

Die DITIB hat am 24. Dezember 2017 einen neuen Vorstand gewählt. Meine persönliche Einschätzung und Meinung hierzu habe ich mal zusammengetragen.

Alle reden von einer „verpassten Chance“ oder „verpassten Gelegenheit“. Hatten doch viele erwartet, dass die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) sich der jüngeren Kritik stellen und entsprechend einen neuen Vorstand aufstellen würde. Die Erwartungen an eine verkrustete und längst nicht mehr richtig funktionsfähige Religionsgemeinschaft wurden wieder einmal bitter enttäuscht. Für Kenner dieses Verbands keine Überraschung. Die geheimen und nicht-öffentlich abgehaltenen Vorstandswahlen waren eine Farce und ein klares Zeichen dafür, wie unterwürfig der gesamte DITIB-Verein gegenüber der türkischen Regierung ist.

Statt einer klaren Ausrichtung zum Hier und Jetzt, zu einer Religionsgemeinschaft, die sich in Deutschland verortet sieht und hier ihre Heimat hat, wurden neue Türkei-Vertreter in die Lenkung des Vereins gewählt. Es versteht sich von selbst, dass keine der „gewählten“ Personen gut deutsch spricht. Wir haben es im neuen Vorstand unter anderem mit einem Attaché, einem Botschaftsrat und einem Imam zu tun. Dass Nationalisten ihre Position übrigens behalten durften, spricht weitere Bände über die Entscheidungen, die hinter verschlossenen Türen vorgenommen wurden.

DITIB: Abhängig von der Türkei und keine Brücken zur IGMG mehr

Von den sprachlichen Barrieren mal abgesehen: der neue Vorstand sticht durch zwei Dinge stark hervor. Erstens: Im Vorstand sind starke Vertreter des türkischen Staates mit an Bord. Das lässt nicht nur an der Unabhängigkeit zweifeln, es ist auch ein klarer Affront gegenüber politischen Partnern in Bund und Ländern, die eine stärkere Unabhängigkeit der DITIB angemahnt hatten. Weitere Streichungen von Fördergeldern, Projekten und der Zusammenarbeitet sind so eigentlich unausweichlich. Doch die Politik in Bund und Ländern wird dieses Verhalten vermutlich weiter tolerieren. So, wie bisher auch.

Zweitens: Auch die Brücken zu anderen Verbänden wurden eingerissen. So ist beispielsweise Niemand mehr im Vorstand der DITIB, der eine Vergangenheit bei der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) hat. Dabei waren sich beide Verbände in den letzten Jahren durch eine solche Vertretung im Vorstand eher nähergekommen. Das es einen Wunsch nach einer solchen Zusammenarbeit gab, ist Insidern ziemlich bekannt. Diese Bitte wurde nach meinen Informationen dem Chef der türkischen Religionsbehörde DIYANET vor der Wahl des neuen DITIB-Vorstands in einem Treffen mit hochrangigen IGMG-Vertretern in Köln erneut mitgeteilt. Und sie entsprach wohl auch dem Willen aus Ankara. So hört man es jedenfalls hinter den Kulissen.

DITIB: Kein Saftladen mehr, ein totes Projekt

Die DITIB bleibt nach dieser Vorstandswahl ein Projekt, dass man nicht mal mehr als Saftladen bezeichnen kann. Es ist ein verlorenes Projekt. Ohne wirkliche Zukunft, weil die Ausrichtung nicht im Hier und Jetzt geschieht, sondern sich am Ausland orientiert. So wird die Entfremdung zwischen Basis, Gemeindemitgliedern und Vorständen weiter zunehmen. Wie sonst soll die Integration gelingen, wenn sich Niemand darauf berufen kann, Erfahrung über die Lebensrealitäten der hiesigen Muslime vorzuweisen. Eine funktionierende Hauptamtlichenschaft, die diesen Fehler wenigstens auffangen könnte, existiert ebenfalls so nicht.

Langfristig tun mir nach dieser Entscheidung vor allem die Ehrenamtlichen in den Gemeinden leid, die sich weiterhin den Hintern aufreißen werden. Am Ende werden alle bitter enttäuscht sein. Vor allem dann, wenn die DITIB den Ausverkauf beginnen wird. Strukturelle Änderungen nennt man das dann im Fachjargon. Im Endeffekt bedeutet es die Entmachtung der Länder-, Jugend- und Frauenvertretungen. Alles, was ein bisschen nach Demokratie ausgesehen hat, alles was nach ein bisschen Flexibilität oder auch nur etwas Modernität gerochen hat, wird langfristig über Bord gekippt.

Wir dürfen den 24. Dezember 2017 und die Wahl des neuen DITIB-Vorstandes daher gut in Erinnerung behalten. Es ist der Beginn einer neuen Zeit, die keinen Umbruch markiert sondern eine Degeneration. Die DITIB ist tot. Lang lebe die DITIB.

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  1. Irgendwie ist der Artikel widersprüchlich in sich selbst:
    Zunächst steht, dass die ditib von der Türkei gelenkt wird. Im Nachhinein sei eine Zusammenarbeit und die weitere Vertretung von igmg Mitgliedern im Vorstand von der Türkei auch gewollt, aber sie wurde von den Mitgliedern nicht gewählt.
    Also, gibt es dann doch eine Kluft zwischen dem Wunsch der Türkei und den Mitgliedern der ditib? Wird sie dann doch nicht gelenkt, oder wollte es die Türkei dann doch nicht, dass igmg-Vertreter im Vorstand sind?

    1. Danke für die Nachfrage. Nein, das ließe sich zwar so lesen, deutet aber auf einen anderen Konflikt hin. Wäre es dem DIYANET-Chef wichtig gewesen, dann hätte man diesen Wunsch auch erfüllt. Das Resultat zeigt eher, dass man mit der IGMG bzw. Anweisungen aus Ankara in diese Richtung, ein Problem in der DIYANET-Führung hat. Das Resultat hätte sonst auch anders ausgesehen. Der Einfluss Ankaras auf die DITIB bleibt aber nach dem Wahlergebnis weiterhin bestehen.

      Die Option auf ehemalige IGMG-Vertreter in den eigenen Reihen ist eine Option. Sie ist keine Voraussetzung für eine Zusammenarbeit.

  2. Fatih bey,
    çok talihsiz ve tenakuz dolu bir değerlendirme kaleme almışsınız. Bu başarısızlığınızdan, hassas bir araştırma yapmadan kalemi elinize alıp tüm önyargıları pekiştirecek bir şeyler karalamış olmanız bir başarı ise bundsn dolayı sizi kutluyorum.
    Artık insanlar bir gün Hakk’ın huzurunda duracaklarını unutuyorlar. Halbuki biz inanan insanlarız.
    Hayırlı günler

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