Islam

Schura Niedersachsen: Acht Seelsorgerinnen und Seelsorger haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen

In Braunschweig ist der einjährige Kurs „Seelischer Beistand für muslimische Patienten“ erfolgreich mit seinen ersten Absolventen zu Ende gegangen. Ein Rückblick auf die Übergabe der Zertifikate an die Seelsorgerinnen und Seelsorger, die künftig in Krankenhäusern in und um Braunschweig eingesetzt werden sollen.

Schura Niedersachen – Vier Frauen und vier Männer haben ihre einjährige Ausbildung zu Seelsorgerinnen und Seelsorgern für Krankenhäuser in Braunschweig und Umgebung erfolgreich abgeschlossen. Der Ausbildungskurs „Seelischer Beistand für muslimische Patienten“ wurde gemeinsam von der Schura Niedersachsen und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig angeboten. Den Absolventen wurden am 11. August 2017, in einer Abschlussveranstaltung in Braunschweig, ihre Zertifikate überreicht. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger sollen künftig in Krankenhäusern in Braunschweig und Umgebung muslimischen Patienten und Angehörigen seelischen Beistand leisten können.

Zu Beginn der Veranstaltung betonte Dr. Abdul Nasser Al-Masri (Referatsleiter für Seelsorge bei der Schura Niedersachsen) den Stellenwert der Seelsorge aus religiöser Sicht. Al-Masri sagte, die Seelsorge sei eine religiöse Pflicht der Gemeinschaft. Er gratulierte den Absolventinnen und Absolventen und erklärte, er wünsche sich für die Zukunft auch etwas mehr Mehrsprachigkeit bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Voraussetzung für eine Teilnahme am Ausbildungsprogramm bleibe aber weiterhin die Beherrschung der deutschen Sprache.

Bilgen: Seelsorge muss von Ehrenamt zum Hauptamt werden

In einer weiteren Ansprache bedankte sich der Vorsitzende der Schura Niedersachsen, Recep Bilgen, bei allen Personen, die zum erfolgreichen Gelingen des Kurses beigetragen hätten. Bilgen machte auf ein Pilotprojekt zur Seelsorge in Hannover aus dem Jahr 2012 aufmerksam und betonte, dass sich der Bedarf an muslimischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern stetig erhöht habe. Entsprechend habe die Schura Niedersachsen sich zum Ziel gesetzt mehr Ausbildungskurse für Seelsorgerinnen und Seelsorger anzubieten. Der Kurs in Braunschweig gehöre zu diesen Angeboten, die man als Schura auch weiterhin anbieten und fördern wolle.

Dieser Kurs steche durch die hervorragende Arbeit der Projektleitung und dem Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer positiv hervor. Gleichzeitig forderte Bilgen ein Umdenken bei der Finanzierung von Seelsorgerinnen und Seelsorgern. Menschen die sich ehrenamtlich engagierten, verdienten großen Respekt, Dank und Anerkennung. „Der Bereich islamische Seelsorge ist jedoch immens vielschichtig und überschreitet die Machtbarkeit durch das Ehrenamt. Um die Islamische Seelsorge in öffentlichen Anstalten effektiv realisieren zu können muss aus dem Ehrenamt ein Hauptamt werden“, sagte Bilgen.

Viele Diskussionen und viel voneinander gelernt

Pfarrerin Ulrike Bähr-Zielke und Pfarrer Volkmar Schmuck von der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP) blickten als Supervisoren und Kursleiter erleichtert auf das abgeschlossene Ausbildungsjahr zurück. Es sei nicht selbstverständlich, dass so ein Projekt umgesetzt werde. „Es hat viele Diskussionen gegeben“, sagte Pfarrerin Bähr-Zielke. Sie bedankte sich insbesondere bei Landesbischof Dr. Christoph Meyns, der das Projekt und die Umsetzung unterstützt habe. Man sei auch zuversichtlich, was die Zukunft des Projektes betreffe.

Im Rahmen der Ausbildung habe man gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern religiöse und kulturelle Landschaften aus der Nähe kennengelernt, die vorher fremd gewesen seien. Man habe voneinander gelernt, Vertrauen gespürt und den gemeinsamen Horizont erweitert. „Wir möchten, dass jeder Mensch seelischen Beistand erhält, unabhängig von Kultur und Religion“, betonte Pfarrer Schmuck. Dass die Verantwortung des Kurses in kirchliche Hände gegeben wurde, verdiene großen Respekt.

Landesbischof: Wir haben etwas Neues gewagt

Zum Schluss bedankten sie sich außerdem bei den Krankenhäusern aus Braunschweig und Umgebung: Die Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer hätten bereits Angebote erhalten bzw. Verträge unterschrieben, um als ehrenamtliche Seelsorgerin oder Seelsorger in den Krankenhäusern in Braunschweig, Wolfenbüttel, Salzgitter oder Wolfsburg zu arbeiten. Entsprechend sagte Landesbischof Dr. Christoph Meyns: „Es gibt Grund zu feiern.“

„Wir haben etwas Neues gewagt“, sagte Meyns weiter und erklärte, es sei das erste Mal gewesen, dass eine solche Ausbildung für Menschen außerhalb der Kirche durch kirchliche Seelsorger geleitet und umgesetzt worden sei. Meyns betonte es gehe hierbei um Vertrauen. Man habe vor zwei Jahren überlegt, ob man die Schura Niedersachsen als Partner betrachten könne oder nicht. „Die Ausbildung hat Vertrauen und viel Mut von allen Seiten erfordert. Dieser Mut wurde belohnt“, betonte Meyns.

Die Veranstaltung wurde mit einem Beisammensein von 60 Personen am Buffet beendet. Die Gäste haben sich dabei auch über Ideen für die Zukunft der Seelsorge ausgetauscht.

Hintergrund zum Ausbildungskurs für Seelsorgerinnen und Seelsorger

Die Schura Niedersachsen bietet mehrere Kurse für muslimische Krankenhaus-Seelsorge an. Die etwa einjährige Ausbildung im Projekt „Seelischer Beistand für muslimische Patienten“ umfasst 20 Stunden pro Monat und beinhaltet Themen wie islamische Glaubensfragen und Bittgebete sowie islamischer Umgang mit Krankheit. Genauso gehört die Reflexion der persönlichen Haltung dazu und der korrekte Umgang mit Konflikten und Zweifel.

Der Kurs richtet sich vornehmlich an Mitglieder der Gemeinden, die nach dem Kurs ehrenamtlich etwa drei bis fünf Stunden pro Woche in Krankenhäusern oder Hospizen in Niedersachsen arbeiten möchten. Interessierte können sich an die Schura Niedersachsen wenden: Kontakt-Details

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