Islam

PR-Desaster: Zentralrat nutzt Stockbilder für Kampagne zur Bundestagswahl

Zentralrat der Muslime macht eine Kampagne zur Bundestagswahl und setzt auf ausländische Models, statt auf heimische Muslime. Weiteres Problem: Ohne richtige Lizenz drohen Verbreitern eventuell Abmahnungen.

Eine hübsche und ästhetisch wirkende Frau mit Kopftuch lächelt im Web-Plakat des Zentralrats der Muslime (ZDM) auf die Zusehenden. Darunter der Aufruf: Meine Stimme zählt! Ein weiteres Bild mit zwei Wissenschaftlern. Darunter der Aufruf: Meine Stimme für Chancengleichheit. Zuletzt noch eins mutmaßlich von einem Kind gezeichnet. Darunter der Aufruf: Meine Stimme für Vielfalt! Aiman Mazyek zeichnet als Vorsitzender und Chef des kleinen Muslim-Verbands für die neueste Kampagne verantwortlich und stellte diese am Mittwoch (23. August 2017) der Öffentlichkeit voller Stolz vor. Das Problem: Die Bilder sind nicht echt und entstammen einem Stock-Angebot. Kritischer: Wenn nicht richtig lizenziert, droht allen, die die Kampagnen-Bilder teilen, womöglich eine Abmahnung.

PR-Manager wissen: Gute Bilder sind sehr schwer zu bekommen. Deshalb achtet man immer darauf, dass man nach Möglichkeit Bilder für Kampagnen nutzt, die frei von Rechten Dritter sind oder die direkt im eigenen Laden produziert wurden. Stock-Bilder werden nur in Ausnahmefällen, und nur dann, wenn die Lizenzen richtig geklärt sind, verwendet. Außerdem wirken Stock-Bilder immer problematisch. Um Authentizität zu wahren, beispielsweise auch die eigene Message nicht zu diskreditieren, braucht man eigene Bilder, die authentisch wirken und die Message transportieren können. Gerade als muslimischer Verband sollte man solche grundlegenden Dinge wissen.

ZMD setzt auf Models aus dem Ausland statt auf Muslime aus Deutschland!

Dennoch hat der Zentralrat der Muslime für seine Kampagne zur Bundestagswahl auf Stock-Bilder zurückgegriffen. Alle drei Bilder auf der Seite zu „Meine Stimme zählt“ entstammen einem klassischen Stock-Angebot – ursprünglich teilweise aus dem Hause Getty Images – und lassen kritische Fragen zu: Warum war es dem ZMD nicht möglich authentische Personen in einem Shooting für die Kampagne abzulichten? Gerade die Authentizität einer Kampagne, die Muslime in Deutschland zur Wahl bewegen soll, leidet, wenn die Models gar nicht deutsch bzw. aus Deutschland sind.

Tatsächlich warf der ZMD-Vorsitzende erst kürzlich der AfD vor, nicht authentisch mit ihren Plakaten zu sein. Warum man selbst diesen Fehler jetzt bewusst begeht erschließt sich zunächst nicht. Auch der Punkt Kosten zu sparen wäre nicht gültig. Schließlich sind Shootings heutzutage schnell und einfach machbar. Gerade eine solche Kampagne hätte von authentischen Stimmen leben können. Stattdessen lässt man Bilder von ausländischen Models sprechen. Und der Unfug fällt vielen Muslimen erst einmal nicht auf. Und das kann gefährlich und teuer werden!

Weiteres Problem: Ohne Lizenz drohen allen, die die Bilder verbreiten, Abmahnungen!

Ein ganz anderes Problem ergibt sich durch die Lizenzbestimmungen der Stock-Bilder-Anbieter. Wenn die Standard-Lizenz gewählt wurde, dann gibt es ein erhebliches Problem, was gerade nichts-ahnende User der Kampagnen-Plakate in großen Ärger bringen könnte. Denn die Standard-Lizenzen solcher Angebote, gerade bei Getty, decken zwar in aller Regel Nachdrucke in Publikationen ab, aber nicht die Verbreitung über das Web außerhalb des eigenen Angebots. Auch das Teilen in Sozialen Netzwerken muss oft nachlizenziert bzw. zusätzlich lizenziert werden. Das kostet zusätzlich und richtet sich auch nach der Reichweite der Publikation.

Unter Umständen kann das bedeuten, sollte der Zentralrat der Muslime die falsche Lizenz gekauft haben, dass die Verbreitung der Bilder eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Und das ist abmahnfähig. Unabhängig davon, dass das Bild zuerst vom Zentralrat verbreitet wurde, haften ohne die richtige Lizenzierung diejenigen für die weitere Verbreitung, die das Bild geteilt haben. Ob das in diesem Fall auch wirklich zutrifft, ist unklar. Bisher hat sich der Vorsitzende Aiman Mazyek auf Anfrage über Twitter, nicht zum Thema geäußert. Es ist daher aus meiner Sicht zunächst und aktuell ratsam, die Kampagnen-Bilder zumindest nicht öffentlich und auch nicht auf sozialen Netzwerken zu teilen, bis dieser Umstand öffentlich und ganz klar geklärt ist.

https://twitter.com/akifsahinde/status/900455382224707587

Nachtrag:

Aiman Mazyek hat sich auf Twitter doch noch zu einem Statement bewegen lassen. Er sagte zunächst:

auf Nachfrage, ob es nun Probleme geben würde, wenn man die Plakate teilt, sagte Mazyek:

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