Nichts in diesem Leben geschieht zufällig…

Über Begegnungen und Freundschaften, die uns ein Lächeln auf unser Gesicht zaubern.

Da sitzen wir nun. 15 Jahre ist es her, dass wir uns alle kennengelernt haben. Freunde sind wir geworden und heute allesamt verheiratet sitzen wir in diesem Café und sprechen über alte Zeiten. Die Frauen lauschen unseren Geschichten und den Begegnungen, die uns alle geprägt und inspiriert haben. Die Rede kommt schließlich auf unseren Bruder im Islam, Salman. Ein besonderer Bruder, der heute in Istanbul lebt.

Vor 15 Jahren schon war Salman anders als die restlichen Freunde in der Gruppe. Sein Vater war damals schon ein angesehener Theologe. Salman hatte sich dem Weg seines Vaters gewidmet und studierte intensiv den Islam. Dies zeigte sich auch an seinen Handlungen. Er vermied es wie die Pest Frauen die Hand zu geben. Anders als seine Altersgenossen rauchte er nicht. Er sagte stets die Wahrheit – auch wenn ihm diese bei seinen Lehrern einen schlechten Stand bescherte.

Im damaligen Çorum gehörte es sich für die Jugend nicht zum Gebet zu gehen. Salman verpasste aber kein Gebet. Wenn wir auf der Straße gemeinsam gingen und der Gebetsruf erklang, verabschiedete er sich kurz und verrichtete das Gebet in der nächstgelegenen Moschee. Es war ein Segen einen solchen Freund in dieser noch heißblütigen Gruppe zu haben, der auch mich immer zum Gebet verleitete und das um uns Geschehende vergessen ließ.

Ein tiefer Verlust für die muslimische Gemeinschaft

Vor mehreren Jahren dann war Salman mit der Universität fertig geworden. Er studierte ebenfalls islamische Theologie und trat in die Fußstapfen seines Vaters. Sein Vater – mittlerweile ein sehr angesehener Gelehrter und Prediger – hielt auch in unseren Kreisen in Deutschland Vorträge. Ihm war die Dawa (Einladung zum Islam) stets ein persönliches Bedürfnis. Er regte uns und die Jugendlichen immer dazu an, sich mehr zu engagieren und etwas aus unserem Leben zu machen. Salman begleitete ihn auf seinen Reisen und studierte auch in Deutschland weiter im Bereich der Koran- und Hadithwissenschaften. Er lernte Deutsch und analysierte die muslimische Community.

Salmans Vater starb vor einigen Jahren während einer live übertragenen Predigt an akutem Herzversagen. Die Nachricht über den Tod ereilte auch unsere Gemeinschaft in Deutschland und versetzte viele in tiefe Trauer. In der Heimatstadt wurde er – auch nach seinem Tod – mit vielen Gedenkveranstaltungen bedacht. Sein Werk lebt in den Aufnahmen seiner Predigten – von denen übrigens einer am Tisch alle besaß – und in seinen Söhnen weiter. Salman selbst war kurz vor dem Tod seines Vaters nach Istanbul gezogen und arbeitet heute als Dozent an einer angesehenen Universität.

Ich erzählte, dass der Nachbar von Salman ebenfalls ein angesehener Islam-Theologe ist. Ich lese immer wieder seine Bücher und seine wöchentlich erscheinende Kolumne in einer türkischen Tageszeitung. Eines Tages, so sage ich am Tisch, will ich den Salman auch mal wiedersehen und besuchen. Vielleicht treffe ich ja auch seinen Nachbarn.

Am darauffolgenden Tag sitze ich am späten Abend in meinem Arbeitszimmer und versuche weiter an einem Projekt für eine Bank zu arbeiten, dass mir durch eine gute Freundin vermittelt wurde. Die Internetleitung hakt wie immer, weshalb ich weiter der Verzweiflung nahe bin. Der Upload von wichtigen Dateien schlägt immer wieder fehl. Auch heute werde ich diesen Auftrag vermutlich nicht abschließen können. Auf einmal klingelt mein Telefon. Es leuchtet der Name Ihsan auf. Ein guter Freund, der gestern auch am Tisch saß und mit Salman die Schulbank gedrückt hat. Ich gehe ran und grüße ihn.

„Salam Ihsan. Was ist los mein Bruder?!“, frage ich besorgt, weil es schon später in der Nacht ist. „Akif, hier ist nicht Ihsan. Hier ist Salman. Ein gesegnetes Fest mein Bruder.“ Ich erstarre. Ist das ein Scherz? Aber die Stimme klingt wirklich nach Salman. „Salman? Eid Mubarak. Was machst du hier?“, frage ich. Der Bruder antwortet voller Freude in seiner Stimme: „Wir sitzen als alte Truppe hier gemeinsam im Café. Ihsan hat mir gerade erzählt, dass ihr euch gestern getroffen habt.“ In mir kribbelt es und Salman setzt noch einen drauf: „Bruder, ich wollte dir nur sagen, dass ich nächste Woche inschaallah nach Hamburg komme. Es wäre schön, dich zu treffen.“

Manchmal schreibt das Leben die schönsten Geschichten.

Eid Mubarak, wa kul am wa antum bi khair! Wo immer ihr auch alle seid!

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