Neuer Verhaltenskodex der Universität Hamburg ist gut!

Die Universität Hamburg hat einen neuen „Verhaltenskodex zur Religionsausübung an der Universität“ für Studierende herausgebracht. Dieser war, nach Darstellung der Universitätsleitung, aufgrund von verschiedenen Einzelfällen nötig geworden. Der Verhaltenskodex soll grundlegende Dinge im Umgang miteinander klären und fasst insgesamt sieben Punkte zusammen. Außerdem werden zehn Ausführungspunkte für den Verhaltenskodex benannt.

Es ist aus meiner Sicht traurig, dass es überhaupt soweit kommen musste. Eigentlich ist die Universität Hamburg in allen Bereichen von Pluralität, gegenseitigem Verständnis und Respekt geprägt. Der nun veröffentlichte Verhaltenskodex ist aber eine Antwort auf Aktionen von einzelnen Personen, die diese Freiheiten und dieses Zusammenleben anscheinend für religiöse Propaganda bis hin zur Ruhestörung genutzt haben sollen. Wie viele Vorfälle es gab, was genau geschehen ist, lässt sich von Außen nicht eindeutig nachvollziehen und auch nicht zuordnen.

Es bleibt daher die Sorge, dass die Universitätsleitung mit ihrem Vorpreschen in der Angelegenheit sich womöglich angreifbar gemacht hat, weil sie überhaupt in dieser Form reagiert hat. Denn diese Reaktion zeigt auch, dass es keine Gelassenheit im Umgang mit einzelnen Provokationen geben konnte. Ob es wirklich Not tat, aufgrund einzelner Aktionen gleich einen Verhaltenskodex zu verabschieden, darf daher auch durchaus kritisch hinterfragt werden. Nun hat sich die Universitätsleitung zu diesem Schritt entschlossen und man muss jetzt damit erst einmal leben.

Der Verhaltenskodex ist gut – Wie wird die Universität auf Provokationen reagieren?

Man darf nach der Lektüre des Textes, der an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität und an alle Studierenden verschickt wurde, durchaus lobend anerkennen: Der Verhaltenskodex ist gut ausgestaltet. Alle Punkte sind wichtig und verdeutlichen vor allem das Religion an der Universität nicht per se unerwünscht ist. Der Verhaltenskodex erfüllt hochgradig einen Anspruch, der – salopp gesagt – hanseatisch ist. Damit ist es den Experten aus den verschiedenen Disziplinen, die am Verhaltenskodex mitgearbeitet haben, gelungen einen Konsens der Mitte zu finden. Dieser grenzt weder aus, noch wirkt er wirklich lasch und scheint, zumindest in der Theorie, alltagswirksam zu sein.

Ich habe daher schon das Gefühl, dass sich der Kodex im Alltag bewähren kann – er wird im Grunde zunächst den normalen Alltag der Studierenden jedoch nicht weiter berühren. Andererseits darf man gespannt sein, was passiert, wenn beispielsweise provokative Aktionen nun gezielt gegen den Verhaltenskodex gerichtet getätigt werden. Wie wird die Universität hier vorgehen? Sein Hausrecht durchsetzen? Leute Exmatrikulieren? Oder – wie es in der Vergangenheit in anderen Bereichen geschehen ist – einfach einknicken? Nimmt man als Maßstab, wie der Umgang der Universität mit anderen Problemen umgegangen ist, darf man nicht all zu viel erwarten.

Selbst wenn es keine Provokationen gibt, wird es dennoch Ärger geben

Das es auf jeden Fall Ärger geben wird, und dieser nicht mal von der salafistischen Ecke kommen muss, zeigt die Aussage von Bilal Gülbas, der zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) gehört, gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Als Vorsitzender der Islamischen Hochschulgemeinde beklagte Gülbas, dass man nicht mit ihm in der Sache gesprochen habe. Er gab mit Blick auf Verbote von religiösen Festen auf dem Unigelände zu Protokoll: „Wenn zum Beispiel das Fastenbrechen betroffen ist, dann dürfen wohl auch keine Weihnachtsfeiern mehr an der Uni Hamburg stattfinden.“

Das klingt schon so, als wollte man Weihnachten an der Universität – mit Verweis auf den neuen Verhaltenskodex – verbieten, weil man als Muslim nicht Ramadan an der Universität feiern darf. Und es klingt durchaus beleidigt und auch enttäuscht. Wir dürfen gespannt sein, ob die Universitätsleitung, angesichts solcher Kommentare gegenüber Medien, den Dialog mit solchen Hochschulgruppen überhaupt wieder aufnimmt. Der Verhaltenskodex wurde jedenfalls ohne diese Gruppen erstellt, und vermutlich war das – angesichts solcher Reaktionen – auch besser so.

Weiterführender Link: https://www.uni-hamburg.de/uhh/profil/leitbild/verhaltenskodex-religionsausuebung.html

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