Koranforscherin: Neuwirth mit Preis der „Salzburger Hochschulwochen“ ausgezeichnet

Der bekannten deutschen Koranforscherin, Angelika Neuwirth, wurde am Mittwochabend (29.07.2015) in Salzburg der „Theologische Preis“ der „Salzburger Hochschulwochen“ überreicht. Die mittlerweile zum zehnten Mal verliehene Auszeichnung würdigt insbesondere das theologische Lebenswerk der Wissenschaftlerin. Durch ihre Arbeit, gerade zur Wechselwirkung von Koran und christlicher Spätantike, gewinne „die Identität des Christlichen deutlich an Profil“, hieß es in der Begründung der Jury.

In ihrer Dankesrede plädierte Neuwirth für eine „zeitgemäße, auch politikbewusste kritische Koranforschung.“ Eine solche Forschung, die sich historischer Methoden ebenso bediene wie literatur- und kulturwissenschaftlicher Methoden, könne ein „ideologisches Korrektiv“ gegen jede theologisch verengende Koran-Lektüre sein, so Neuwirth.

Neuwirth: Koran integraler Teil unserer Spätantike

Zugleich lasse eine solche historisch-kritische Lesart auch die „hermeneutische Verwandtschaft“ zwischen Islam, Judentum und Christentum in einem neuen Licht erscheinen: „Der Koran ist kein nur-islamischer, und daher erst durch den islamischen Kanon zu filternder Text, sondern ebenso ein integraler Teil unserer – eben nicht nur – jüdisch-christlichen Spätantike.“

Die „Salzburger Hochschulwoche“, die noch bis zum 2. August dauert, steht in diesem Jahr unter dem Titel „Prekäre Humanität“. Die traditionsreiche, bis ins Jahr 1931 zurückreichende Veranstaltungsreihe an der Universität Salzburg lockt jährlich rund 800 Interessierte und Studierende zu Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden. Die Verleihung des Theologischen Preises stellt jedes Jahr einen Höhepunkt der Hochschulwoche dar. Der Preis ist mit 5000 € dotiert.

Zur Person

Die 1943 in Nienburg/Weser geborene Wissenschaftlerin studierte Arabistik, Semitistik und Klassische Philologie in Berlin, Teheran, Göttingen, München und Jerusalem. Von 1977 bis 1983 hatte sie eine Gastprofessur an der University of Jordan in Amman inne. Seit 1991 ist sie Inhaberin des Lehrstuhls für Arabistik an der Freien Universität Berlin. Von 1994 bis 1999 leitete sie außerdem das Orient-Institut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Beirut und Istanbul als Direktorin. Seit 2007 ist sie Leiterin des Projektes „Corpus Coranicum“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Neuwirth ist bereits Trägerin zahlreicher Auszeichnungen – u.a. des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, des Sigmund-Freud-Preises für wissenschaftliche Prosa und des Dr. Leopold-Lucas-Preises. Außerdem ist sie seit 2013 Ehrendoktor der Universität Salzburg.

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