Großscheich der Al-Azhar: Lupenreiner Antisemit zu Besuch in Berlin und am ZIT

Na da hat sich Politik und die Universität Münster ja jemand Großartigen ins Haus eingeladen. Wie nun bekannt wurde, soll der ägyptische Großimam und Scheich der Al-Azhar Universität, Ahmad Mohammad al-Tayyeb, erstmals in dieser Position im März eine Europa-Reise machen. Die Reise beginnt in Berlin und beinhaltet auch einen Besuch am Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Es wird erwartet, dass der Groß-Scheich auf einer Religionskonferenz eine „Friedensbotschaft“ verkündet. Die Universitätsleitung freute sich entsprechend groß über diesen Besuch.

„Wir sind stolz darauf, dass nach Bundespräsident Joachim Gauck auch der Großscheich der Al-Azhar-Universität mit seinem Besuch die Arbeit des Zentrums für Islamische Theologie würdigt und Münster als den Ort gewählt hat, um mit Repräsentanten der christlichen Kirchen ein Signal der Versöhnung zu senden“, betonte WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles in einer verbreiteten Erklärung am Dienstag (23.02.2016). „Das ist für alle Muslime, aber auch für die Studierenden ein eindrucksvoller Beleg für die Qualität der Leistungen in Forschung und Lehre von Prof. Khorchide und seinem Team, die offenkundig weltweit Beachtung finden.“ Mouhanad Khorchide pflegt seit mehreren Jahren intensive Kontakte zur Al-Azhar-Universität und zum Großscheich, wurde mitgeteilt.

Verräter der Revolution und Antisemit

Während unter vielen Muslimen und insbesondere Ägyptern in Deutschland al-Tayyeb bereits seit Jahren diskrediert ist, weil er als Schoßhund des ägyptischen Militärs gilt, dass den Putsch am gewählten Präsidenten und Muslimbruder Mohamed Morsi unterstützte, wissen nur wenige über die antisemitischen Tiraden des Groß-Muftis in Deutschland bescheid.

Es war im Jahr 2011 als der „Großscheich“ gemeinsam noch mit den Muslimbrüdern bei einer Demonstration vor der Al-Azhar Universität auftrat. Die Demonstration richtete sich gegen die Besatzung der Al Quds Moschee in Jerusalem. Al-Tayyeb unterstützte aktiv die Demonstration, die sich offiziell gegen „eine Judaisierung Jerusalems“ richtete. Bei dieser Demonstration sprach auch Al-Tayyeb, der offen erklärte, die Al-Aqsa Moschee leide momentan „unter einem Angriff der Juden“. Man dürfe den „Zionisten nicht erlauben Al-Quds (Jerusalem) zu jüdisieren.“ Außerdem würden Juden überall auf der Welt versuchen die islamische und ägyptische Einheit zu zerstören. (Quellen: YnetNews; The Jerusalem Post; New York Daily News) Al-Tayyeb hat sich nie öffentlich von diesen Kommentaren distanziert. Im Gegenteil – er legte nach.

Kein Einzelfall: Antisemitische Ausfälle des „Großscheichs“ der Al-Azhar

In einem Interview, dass im Jahr 2013 auf Channel 1 in Ägypten ausgestrahlt wurde, sagte Al-Tayyeb nach Angaben der kritisch zu betrachtenden Website MEMRI, dass „Seit dem Beginn des Islam, vor über 1.400 Jahren, leiden wir an jüdischen und zionistischen Störungen in muslimischen Angelegenheiten. Dies ist der Grund für die große Not der Muslime.“ Gleichzeitig argumentierte Al-Tayyeb für einen Antisemitismus auf Grundlage des Koran. Der Koran sage es und die Geschichte habe es gezeigt: „Du wirst die stärksten unter den Männern in Feindschaft gegenüber den Gläubigen finden, die zu den Juden und Polytheisten gehören.“ Gleichzeitig behauptete Al-Tayyeb Juden würden nicht-Juden als „extrem minderwertig“ betrachten. Die Juden würden außerdem eine „furchtbare Hierarchie praktizieren, und sie seien nicht beschämt diese zuzugeben, weil es so in der Torah stehe – selbst mit Blick auf Mord, Sklaverei und so weiter.“

Al-Tayyeb soll auf seinem Besuch auch von Vertretern der Politik und des Staates, wie Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), empfangen werden. Das man sich unter der Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Israel volle Unterstützung zusichert, einen lupenreinen Antisemiten ins Haus einlädt, dürfte aber auch im politischen Berlin und im theologischen Diskurs für Aufruhr sorgen. Es bleibt auch hinfällig, ob man Jemandem glauben schenken darf, der in der Vergangenheit solchen Unsinn und Verschwörungstheorien von sich gegeben hat. Eine „Friedensbotschaft“ von einem Antisemiten zu verbreiten, wäre jedenfalls ein No-Go.

Zur Rede gestellt wurde Al-Tayyeb zu diesen Punkten bisher jedoch nicht. Dabei sind diese „Vorwürfe“ längst bekannt und mit verschiedenen Quellen belegt. Es reicht eben nicht aus ein Amt zu bekleiden, man muss es auch würdevoll führen. Al-Tayyeb kann daher auch kein Role-Model für die deutschsprachigen Muslime sein. Paktieren mit Militärs und antisemitische Haltungen dürfen in Deutschland jedenfalls nicht salonfähig werden. Genau das aber droht mit dem Besuch von Al-Tayyeb in Berlin und Münster zu passieren.

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