Islam

G20: Hamburger Jugendliche setzen Zeichen für Dialog

Akif Sahin hat eine Veranstaltung mit christlichen und muslimischen Jugendlichen besucht, die sich zum Thema G20 ausgetauscht haben. Über seine Eindrücke von der Veranstaltung schreibt er hier.

Veranstaltung G20: Hamburger Jugend macht’s vor! – Im Panoramaraum der Hamburger Katholischen Akademie haben sich am Freitag (30.06.2017) mehr als 100 Jugendliche katholischer, evangelischer und muslimischer Glaubensrichtungen zu einem bemerkenswerten Dialog eingefunden. Eingeladen hatte die christlichen und muslimischen Jugendlichen neben der Schura Hamburg, der Fachrat Islamische Studien, die katholische Akademie, das Zentrum für Mission und Ökumene, die Junge Islam Konferenz und das Jugendforum St. Georg/Borgfelde. Unter dem Motto „G20: Was tust Du für Deine Welt? – Hamburger Jugend macht’s vor!“ wurden Inputs gegeben, Diskussionen angeregt und ein Workshop für konkrete Ideen durchgeführt.

Wenn Abu Ahmed Yakobi zu einer Veranstaltung einlädt, dann sollte man diese nicht verpassen. Yakobi ist zuständig für den interreligiösen Dialog bei der Schura Hamburg. Ich kenne ihn schon seit meiner Jugend. Der Imam und Theologe ist bei Jugendlichen und in der muslimischen Community sehr beliebt. Er engagiert sich seit Jahrzehnten aktiv für die Community und genießt – auch aufgrund seiner stets freundlichen Art – ein hohes Ansehen. Also schaute ich genauer hin, was da eigentlich gemacht wird bei „G20: Was tust Du für Deine Welt? – Hamburger Jugend macht’s vor!“ und ich muss sagen, ich bin positiv überrascht. Hier hat etwas Besonderes, und in dieser Form Einzigartiges, seinen Anfang genommen.

Durch den Abend führte die eloquente und lässige Moderatorin Sally Riedel von der Jungen Islam Konferenz. Sie gab zunächst einen kleinen Input zum Thema G20, was das überhaupt ist und welchem Zweck die G20 eigentlich dient. Dabei wurden schon erste, leicht kritische, Untertöne vernommen, auch wenn die Moderatorin sich bemühte eher neutral zu bleiben. Sie stellte dann auch die ersten Redner des Abends, Kira Schall (Studiert evangelische Theologie in Münster) und Roberto Pera (Fachrat Islamische Studien) vor. Beide gaben religionsethische Impulse in Kurzvorträgen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor.

Roberto Pera und Kira Schall
Roberto Pera und Kira Schall

Bergpredigt und Koranverse – Aufforderung für mehr Aktion

Während Schall aus der Bergpredigt zitierte und diese gekonnt mit politischen Forderungen nach Sozialstaat, Umwelt- und Klimaschutz sowie dem Schutz der Schöpfung verknüpfte, bezog sich Roberto Pera auf Koranverse zur Rolle des Menschen als Statthalter auf Erden, der die Amana (Anvertrautes Gut) zu wahren und zu schützen habe. Beide verbanden ihre Impulsbeiträge mit Aufforderungen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Schall forderte sich am Beispiel von Jesus (as) zu orientieren, der ein Streitender aber auch ein Heilender war. Man müsse sich gerade in der jetzigen Zeit auch mal trauen Weltretter zu sein und zu werden, war die klare Botschaft und Aufforderung von Schall. Verknüpft aber auch mit der Frage, was Gott für einen selbst ist. „Ihr seid das Licht der Welt“, sagte Schall und forderte dazu auf, das Licht in alle Ecken der Welt zu tragen.

Pera machte hingegen auf das Thema Gerechtigkeit aufmerksam. „Verantwortungsvoll zu sein, bedeutet gerecht zu sein“, sagte Pera, der Gott als den absolut Gerechten beschrieb und ergänzte: „Unser Handeln kann Ausdruck dieser Gerechtigkeit sein.“ Die Welt gehöre nicht uns und sei nur eine Leihgabe. „Der Erhalt dieser Welt ist ein Dienst am Leben und damit auch an Gott“, schloss Pera ab.

Diskussionsrunde zwischen muslimischen und christlichen Jugendlichen
Diskussionsrunde zwischen muslimischen und christlichen Jugendlichen

Gute und kontroverse Diskussion zur G20

Im Anschluss diskutierten in einer kleinen Runde vier Jugendliche der unterschiedlichen Konfessionen. Dabei wurde auch die Rolle der G20 kritisch kommentiert. Einer der Jugendlichen, beklagte vor allem den Waffenexport vieler G20 Staaten. Insbesondere Deutschland dürfe den Teufelskreis von Kriegen nicht durch seinen Waffenexport weiter stärken. Eine andere Mitdiskutantin kritisierte die Menschenrechtsverletzungen in vielen G20 Staaten. „Da kommen Leute, die sperren in ihren Ländern Menschen ein, nur wegen ihrer Meinung.“

In der Diskussion wurde auch wieder das Thema Gerechtigkeit aufgegriffen. Dabei ging es auch um die Frage, wie sich die Jugendlichen fühlen, wenn sie selbst ein iPhone haben, aber wissen, dass andere Jugendliche (auch in anderen Ländern) sich so etwas nicht leisten können. Besonders interessant war, dass die Meinungen durchaus kontrovers und bunt waren, auch was die Bewertung der G20 angeht. So war auch zu hören, dass der Dialog ja schon ein Fortschritt sei, statt „sich gegenseitig zu bombardieren.“

Das Publikum schloss mit Fragen an die Diskussion an und bereitete so auch interessante Einblicke in die Gedankenwelt der Jugend von heute. So wurde unter anderem kritisiert, dass alle Welt zwar bestimmte Länder für bestimmte Handlungen verantwortlich macht, aber im Grunde alle Staaten der G20 diese Handlungen auch dulden würden. Gelächter löste eine Frage auf, bei der ein bekennender G20 Gegner von den Diskutanten wissen wollte, ob sie etwas Positives über die G20 sagen könnten.

Workshops mit klaren Handlungsempfehlungen und Fazit

Im Anschluss an die Diskussion wurden die Jugendlichen auf Tische verteilt und arbeiteten in einem Workshop mit zwei Phasen an Ideen für Lösungen zu bestimmten Leitfragen. Die über 100 Jugendlichen erarbeiteten dabei Ideen zu Fragen wie: Welche Forderungen würdet ihr an die G20 stellen? Wie sieht die Rolle der Religion bei der G20 aus? Was würdest du verändern, wenn du könntest? Was wünscht du dir für die Welt und für Hamburg? Geklärt wurde auch, wie eine künftige weitere Zusammenarbeit der Jugendlichen untereinander bei Projekten aussehen könnte.

Insgesamt war die Veranstaltung ein gelungener und spannender Auftakt für eine mögliche neue Runde eines interreligiösen Dialogs von Jugendlichen in Hamburg. Dieser Dialog, geführt von Jugendlichen, ist frei von Denkverboten, richtet sich als Angebot aus und bringt Jugendliche verschiedenster Couleur zusammen. Da er auch frei von einer Bevormundung durch „Erwachsene“ funktioniert sind die Ergebnisse durchaus interessant, geben sie doch auch einen Blick auf eine mögliche neue Zukunft, in der Diskriminierungen abgeschafft und das gegenseitige Verständnis füreinander verbessert werden können.

Man kann die Initiatoren zu diesem Dialog nur beglückwünschen. Wenn Sally Riedel von der Jungen Islam Konferenz Wort hält, dann werden die ausgearbeiteten Forderungen der Jugendlichen auch bald an die Politik herangetragen werden können und wir werden mehr von solchen Runden haben und mehr von ihnen hören. Wünschenswert ist das auf jeden Fall – auch weil es keine Alternativen zum Dialog gibt und dieser öffentlich und frei stattgefunden hat.

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