Fit im Ramadan

Ich höre immer wieder von einigen Geschwistern, dass ihnen das Fasten während des Ramadan sehr schwer zu schaffen macht. Es gibt sogar Geschwister, die in diesem Monat an Gewicht zunehmen. Ein ausgewogenes Fasten ist aber das Wichtigste, gerade in dieser sehr warmen Sommerzeit.

Man sollte immer in der Nacht aufstehen und eine Kleinigkeit zu sich nehmen und natürlich viel trinken (sonst läuft man Gefahr zu dehydrieren). Am Abend nach dem Sonnenuntergang sollte man sich nicht mit Essen vollstopfen. Allah liebt nicht die Verschwender. Deshalb sollte man auch nur soviel Essen bis man satt ist und es nicht mit dem Essen übertreiben. Ich kenne Familien, in denen ein 8–Gänge Menü durchaus die Regel ist. Tut euch und euren Gästen das bitte nicht an. Esst und fastet ausgewogen und zwingt Niemanden dazu zu viel zu essen. Das Maß einhalten und die Mitte zwischen zu viel und zu wenig zu finden, ist das Ziel.

Ladet ein und folgt den Einladungen

Der Monat Ramadan ist auch eine Zeit der Familie und Freundschaft. Der Monat Ramadan möchte und soll die Zusammenarbeit und die Solidarität unter den Menschen stärken. Was liegt da näher als euren Iftar mit euren Familien und Freunden zu begehen? Grundsätzlich sollte man Einladungen zum gemeinsamen Iftar annehmen und, falls möglich, auch selbst einladen. In dieser schönen Zeit des Jahres kommt es auch darauf an zu teilen und vor allem die Bande zwischen Familien und Freunden zu stärken. Der Monat der Barmherzigkeit ist ideal dafür geeignet.

Lest den Qurʾān

Was gibt es schöneres als den Gnadenreichen Qurʾān zu rezitieren und sich mal die ungefähre Bedeutung der Worte anzuschauen? Gerade der Monat Ramadan bietet uns allen die Möglichkeit, von seinen zahlreichen Gaben zu profitieren. Deshalb lest den Qurʾān und versucht ihn komplett, mindestens einmal in diesem Monat durch zu lesen. Vergesst nicht, der Qurʾān wurde in diesem Monat das erste Mal offenbart. Es steckt so viel Barmherzigkeit in diesem Monat und wie könnte man den Monat des Qurʾān al Karim ohne das Lesen des Qurʾān verbringen? Wer kann, sollte mindestens einmal während des Monats Ramadan den Qurʾān al Karim vollständig gelesen haben.

Vor allem in Moscheen und auch in Jugend-Einrichtungen von Muslimen gibt es zudem die Tradition der Muqabala, des Vortragens und gemeinsamen Lesens des Qurʾān al Karim. Wer in der Lage dazu ist, sollte dieses Angebot nutzen. Oftmals wird der Qurʾān al Karim in den Moscheen kurz nach dem Morgengebet oder nach dem Mittagsgebet gemeinschaftlich gelesen. So wird der Qurʾān al Karim gemeinschaftlich innerhalb eines Monats komplett zu Ende gelesen. Der Lohn für diese Form der gottesdienstlichen Handlung ist gewaltig.

Betet regelmäßig und ohne Ausnahme

Das Gebet des Gläubigen ist sein Miradsch (Himmelfahrt). Mit jedem Gebet das ihr verrichtet, steht ihr quasi vor Allah. Was ist da naheliegender, als endlich ohne Ausnahme alle Gebete zu verrichten, anstatt nur Freitags oder ab und an in die Moschee zu gehen und zu beten? Lasst euch nicht von den Einflüsterungen des Schaitan beeinflussen. Fasst euch ein Herz und fangt an zu beten. Nutzt diesen Monat, um endlich voller Hingabe und voller Kraft eure religiöse Pflicht einen festen und vor allem stärkender Teil eures Lebens werden zu lassen.

Das Tarawih – Gebet (Das erquickende Gebet im Ramadan)

Das Tarawih–Gebet wird nur im Monat Ramadan verrichtet. Es ist Sunna Muakkada (das heißt der Prophet (saw) hat diese Handlung oft getan). Es gibt je nach Rechtsschule oder Richtung unterschiedliche Ansichten zum Tarawih–Gebet. Ich gebe hier die hanafitische Sicht wieder, die sich allerdings mit der Mehrheitsmeinung deckt. Für nähere Informationen ist schon die Lektüre eines großen Wälzers bzw. der Besuch beim hauseigenen Imam eine unumgängliche Pflicht.

Das Tarawih–Gebet hat zwanzig Rakat (Einheiten). Es ist auch Sunna für Diejenigen denen das Fasten nicht obliegt, weil sie krank sind und oder sich auf Reisen befinden, dieses Gebet zu verrichten. Es ist auch Sunna das Gebet in der Gemeinschaft in der Moschee zu verrichten. Der Lohn hierfür ist gewaltig.

Das Tarawih–Gebet kann sowohl Zuhause, als auch in der Gemeinschaft verrichtet werden.

Unser Prophet Muhammed (saw) sagte: “Wer aus reinem Glauben und den Lohn von Gott erwartend die Nächte im Ramadan in gottesdienstlichen Handlungen verbringt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben” [Riyad-us Salihin Band 2 S. 467 (im türkischen)]

Die Verrichtung des Tarawih-Gebets

Das Tarawih–Gebet wird nach dem Nachtgebet (Al Iescha’) verrichtet. Es darf nicht vor dem Nachtgebet verrichtet werden. Das Witr – Gebet wird im Ramadan erst im Anschluss an das Tarawih–Gebet verrichtet. Es kann aber auch vor dem Tarawih–Gebet verrichtet werden.

Das Gebet umfasst 20 Rakat (Einheiten). Man kann das Gebet in zweier Schritten, d.h. jeweils zwei Rakat, danach ein Salam, bis man schließlich insgesamt 20 Rakat hat, verrichten. Es ist aber auch möglich das Tarawih–Gebet in vierer Schritten zu verrichten, d.h. jeweils vier Rakat, danach ein Salam, bis man schließlich insgesamt 20 Rakat hat.

In türkischen Moscheen ist es üblich das Gebet schnell zu verrichten. In arabischen Moscheen eher langsam und mit ausgiebigen Pausen. Meiner Meinung nach ist die letztere Handhabung auch angenehmer und trifft den Sinn eines Nachtgebets (Qiyam al lail) deutlich besser.

Wer die Zeit hat, sollte unbedingt an den gemeinschaftlichen Tarawih-Gebeten in den Moscheen teilnehmen. Imame werden euch in den ersten Tagen zudem genauer auf die Verrichtung des Gebets vorbereiten. Meine Empfehlung tendiert übrigens zu arabischen Moscheen in dieser Angelegenheit, weil das Tarawih-Gebet eben nicht hektisch verrichtet wird, sondern vor allem ruhig und voller Hingabe.

In einigen Moscheen ist es auch üblich, dass der gesamte Qurʾān während der Tarawih-Gebete im Ramadan rezitiert wird. Diese Form wird auch in Mekka und Medina während des Ramadan durchgeführt. Wer die Möglichkeit, Zeit und auch die nötige Ausdauer hat, sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen.

Itikaf und Lailat ul Qadr

In diesem Monat gibt es die Möglichkeit Itikaf (das sich zurückziehen im Monat Ramadan) zu verrichten. Der Itikaf geschieht in den letzten 10 Tagen des gesegneten Monats Ramadan und ist vor allem für Muslime eine Möglichkeit, sich ihrem Glauben stärker zu widmen. Er ist allerdings auch zeitaufwändig und benötigt auch den Verbleib in der Moschee, so dass er gerade in Deutschland, wahrscheinlich nicht einfach so gemacht werden kann, wenn man denn nicht gerade Urlaub hat oder keine sonstigen Verpflichtungen.

Genauso fällt auch die Lailat ul Qadr (Nacht des Schicksals) auf die letzten zehn Tage von Ramadan. Diese besondere Nacht gilt als segensreich, da in ihr der Qurʾān al Karim offenbart wurde. Aus diesem Grund sollte man vor allem die letzten zehn Nächte des Ramadan noch einmal in sich gehen und noch intensiver diese zehn Tage und Nächte verbringen.

An andere Denken

Was wäre der Monat Ramadan, wenn man ihn nur für sich leben würde? Aber leider passiert genau das. Wir schaffen es nicht, diesen Monat in seiner vollen Verantwortung zu verbringen. Ramadan bedeutet eben nicht nur fasten, nicht nur religiöse Handlungen vorzunehmen, es ist eben auch der Monat der Gemeinschaft.

Was ich jedes Jahr im Ramadan vermisse ist folgendes. Wir denken nicht an die Menschen um uns herum. Ja sicher, jeder von uns zahlt seine Zakatul Fitr (Fitre – in diesem Jahr übrigens 10 €) oder seine Zakat. Einige von uns geben auch sicherlich mal hin und wieder eine Sadaqa.

Aber mal ehrlich, wer von euch besucht auch mal seinen Nachbarn? Wer von euch fragt seine Geschwister im Islam, ob sie sorgen haben? Wie viele von euch gehen an einer blinden Frau, die sich offensichtlich nicht über die Straße traut, einfach vorbei? Wie viele von euch helfen einer älteren Frau beim Tragen ihres Einkaufs? Wie viele von euch machen im Bus platz für ältere, die auf der Fahrt eigentlich nicht stehen können?

Wir geben jedes Jahr so viel Geld für die Hilfe in anderen Ländern aus. Die Zakat geht insbesondere hierfür mit drauf. Aber liebe Geschwister, was ist mit den Armen, die um uns herum sind? Müssten wir nicht zuerst an die Menschen hier denken? An die Menschen um uns herum? An die Obdachlosen, die auch ein Anrecht auf Beachtung durch uns verdienen?

Seid einfach nicht egoistisch und fragt und spricht mit eurem Umfeld. Ein jeder hat seine Sorgen, die er nicht einfach so mit euch teilt.

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