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Fake News: Facebook greift weiter durch

Facebook will stärker gegen Fake News vorgehen und kündigt an, Seiten, die Fake News verbreiten, keine Werbung mehr machen zu lassen.

Das soziale Netzwerk Facebook will die Verbreitung von Fake News auf seinen eigenen Seiten stärker bekämpfen als bisher. Das kündigte das Unternehmen in einer Meldung am Montag (28. August 2017) im Newsroom an. Wer künftig Falschmeldungen (Fake News) auf dem sozialen Netzwerk verbreitet, soll keine Werbung mehr für die eigene Seite auf Facebook schalten können.

Schon im vergangenen Jahr habe man als soziales Netzwerk verschiedene Schritte getan, um Fake News und Hoaxes auf Facebook zu reduzieren. Nun gehe man einen Schritt weiter, kündigte der Konzern an. Man werde künftig die Werbung von Konten nicht mehr erlauben, die zuvor durch die Verbreitung von Fake News aufgefallen sind. Facebook überlässt die Zuordnung, nach eigenen Angaben, einer dritten und unabhängigen Partei. Betroffen wären vor allem Seiten, die nachweislich falsche Nachrichten in Umlauf gebracht und somit die Community gezielter Desinformation ausgesetzt hätten.

Einschränkung für die Meinungsfreiheit – Facebook wird zum Richter

Facebook vertritt die Meinung, dass dieser Schritt insbesondere die Seitenbetreiber auf dem sozialen Netzwerk dazu anhalten wird, genauer hinzuschauen, was sie verbreiten. Tatsächlich ist der Schritt – gerade in den USA – ein gewaltiger Bruch mit dem Thema „Meinungsfreiheit“. Denn bei einer Vielzahl von Fake News in den USA mag zwar faktisch eine falsche Meldung vorhanden sein, sie deckt sich aber auch genauso oft mit der Meinungsfreiheit, die in der Verfassung verankert ist. Das Unternehmen muss eventuell sogar mit Klagen Betroffener Seitenbetreiber rechnen, die sich zu Unrecht vom Werbemarkt auf dem sozialen Netzwerk, nach einer solchen Zuordnung, ausgesperrt sehen.

Facebook selbst gibt an, man habe bei Analysen festgestellt, dass eine Vielzahl von Seiten, die Fake News verbreiteten, ihre Audience erst durch Werbeeinblendungen im Netzwerk weiter vergrößerten. Diese Seiten wären von der neuen Maßnahme jedoch direkt betroffen. So könnten Werbungen für die eigenen Seiten gar nicht geschaltet werden, weil die Seiten eben nicht als zuverlässig gelten. Die Rechnung könnte so funktionieren. Es würde zumindest, sollte Facebook wirklich hart durchgreifen, verhindern, dass neue Hass-Seiten auf dem sozialen Netzwerk entstehen, die von der Lüge leben.

Wie kann man als Betroffener dagegen vorgehen? Wer kontrolliert das Netzwerk?

Unklar bleibt jedoch, welche Möglichkeiten Betroffene überhaupt haben zu reagieren. Was ist, wenn Jemand zu Unrecht als Verbreiter von Fake News markiert wird? Wer entscheidet über Recht und Unrecht? In diesem Fall übernimmt Facebook das Amt des Richters und des Henkers. Geltende Gesetze, die auch die Meinungsfreiheit schützen, scheinen nicht mehr wichtig zu sein, im Gegensatz zu Community Standards, die ein Unternehmen seinen Nutzern vorsetzt und dessen Durchsetzung es forcieren will.

Facebook will die Sperre nach eigenen Angaben nicht ewig aufrecht erhalten. Es wird angekündigt, dass Seiten, die aufhören Fake News zu verbreiten, eventuell wieder Werbung schalten könnten. Facebook sieht Fake News auf jeden Fall als Gefahr für seine Community an. Auch deshalb, weil ein Großteil der jungen Nutzer auf den sozialen Netzwerken ihre Informationen zum Alltag holen, statt auf Medien-Seiten oder in gedruckten Zeitungen. Das mag den Schritt des Unternehmens erklären, es bleibt aber undurchsichtig, wie bestimmte Urteile und Erkenntnisse gewonnen werden.

Man darf gespannt sein, ob die Verbreitung von Fake News – auch im deutschsprachigen Raum – mit diesem Schritt eingedämmt werden kann. Die Ankündigung von Facebook, kurz vor den Bundestagswahlen in Deutschland, ist jedenfalls sehr interessant und könnte auch einen weniger aufgeheizten Wahlkampf bedeuten. Vor allem dann, wenn Fake News wirklich weniger verbreitet werden können.

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