DITIB und die Spenden für die Zentralmoschee in Köln

Spenden sind ein unverzichtbarer Teil der Finanzierung von muslimischen Vereinen, Moscheen und Organisationen. Allerdings fehlt in fast allen Fällen die Transparenz. Vielen Spendern bleibt unklar, wofür sie genau spenden und welcher Teil des Geldes wofür genau ankommt. Ein aktuelles Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, liefert der Dachverband DITIB. Ein persönlicher Kommentar mit vielen Fragen und Anregungen.

DITIB-Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld
DITIB-Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld © Akif Sahin

Am Karfreitag (30. März 2018) saß ich in einer kleinen Moschee, die zum Dachverband der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) gehört. Der Imam hielt seinen Vortrag und die Moschee füllte sich, nach anfänglicher Leere, kurz vor dem Gebet gänzlich. Nachdem die meisten Betenden ihren Platz in den Räumlichkeiten gefunden haben, hat der Imam schließlich sehr einfach und offen erklärt, dass man Geld für die DITIB-Zentrale und Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld sammle. Er erinnerte daran, dass der Bau ziemlich gelungen und die Architektur besonders schön sei.

Dann sagte der Imam, man habe die „Erlaubnis des Attachés“ und bitte nun zum zweiten Mal, nach September 2017 um Spenden für die Moschee in Köln. Der Bau der Zentralmoschee sei noch immer nicht komplett fertiggestellt und die Spenden seien daher unabdingbar. Die Menschen in der Moschee griffen zum Portemonnaies und warfen meist Münzen in eine kleine Tüte. Es ist ein offensichtlicher Ritus, der eigentlich an fast allen Freitagen, in allen Moscheen in Deutschland stattfindet. Doch, es bleiben immer Fragen offen, die sich im Fall DITIB gerade zu aufdrängen.

Beim Bau der DITIB-Zentralmoschee stellen sich mehrere Fragen, auf die man, selbst bei Nachfragen, keine offiziellen Antworten mehr bekommt. Anfragen bei der Pressestelle verlaufen oft im Sande. Ich stelle die Fragen, die ich hab und die wirklich nicht böse gemeint sind, aber das Problem sehr offenbar machen, jetzt öffentlich. Die Fragen sind wichtig und ich finde, eine Religionsgemeinschaft, die Spenden von seinen Moscheebesuchern einnimmt, muss diese beantworten können.

1. Wie viel kostet der Bau der DITIB Zentralmoschee jetzt eigentlich?

Hintergrund: Ursprünglich hatte der Architekt Paul Böhm laut Medienberichten 17 Millionen Euro für den Bau der Moschee veranschlagt und geplant. Diese Summe wurde später von der DITIB – auch wegen Baumängeln und Problemen mit den Baufirmen und dem Architekten – auf 30 Millionen Euro neu veranschlagt. In diversen Berichten (Zeitraum 2011) war zuletzt eine Rede von rund 34 Millionen Euro und einer Kostenexplosion. Auf der Website wird weiterhin angegeben, der Bau koste mehr als 30 Millionen Euro und werde komplett aus „Eigenmitteln und Spenden“, ohne staatliche Fördergelder, finanziert.

2. Warum ist der Spendenzähler nicht mehr online?

Früher konnte man auf der Website der DITIB genau nachsehen, wie viel die Menschen gespendet haben und bei welcher Summe man aktuell angelangt war. Das war transparent. Doch der Zähler verschwand vor einigen Jahren klammheimlich. Wieso, ist weiterhin nicht bekannt. Tatsächlich wird auf der Seite für den Bau der Zentralmoschee weiterhin auf den Zähler verwiesen, der angeblich auf www.ditib.de zu finden sein soll.

3. Wie viele Spenden werden eigentlich an einem Freitag eingenommen?

Auch diese Information bleibt die DITIB tatsächlich schuldig. Zwar verweisen die Verantwortlichen immer wieder darauf, dass man eine stimmige Buchhaltung habe, diese ist und bleibt aber nicht transparent. Die DITIB legt ihre Jahresabschlüsse nicht öffentlich vor. Sie gibt zwar in einzelnen Moscheen an, wie viel Geld gesammelt wurde, aber eine Gesamtsumme, die dann z.B. dem Bau für die Zentralmoschee zugutekommt, wird nicht aufgeführt. Dabei können die Einnahmen sehr groß sein. Gehen wir beispielsweise von rund 1.000 Moscheen aus, die zur DITIB gehören, bedeuten 100 Euro je Moschee bereits 100.000 Euro Spendeneinnahmen. Bekommt jede Moschee z.B. 1.000 Euro hin, dann haben wir bereits eine Gesamtsumme von einer Million Euro. Die Spender können sich über die tatsächliche Dimension kein Bild machen.

4. Was genau passiert mit dem Geld?

Auch das ist nicht nachvollziehbar. Welcher Teil des Moscheebaus wird jetzt eigentlich noch fertiggestellt? Wie viel kostet das und wohin wandern die Spenden der Menschen genau? Was ist der große Kostenfaktor? Wird damit auch Personal bezahlt? Geht es um neue Fassaden? Es bleibt letztlich unklar.

5. Kann die DITIB mit ihren eigenen Einnahmen aus dem Baukomplex ihre Rechnungen nicht begleichen? Wirtschaftlichkeit der DITIB-Passage?

Auch diese Frage stellt sich, weil beispielsweise Büroräume und Gewerberäume längst bezogen wurden und sich hieraus, zumindest monatlich, klar definierbare Mieteinnahmen ergeben müssten. Dabei sind auch große Kunden mit an Bord, wie beispielsweise die KT-Bank AG, die eine ihrer Filialen in der DITIB-Passage eingerichtet und eröffnet haben. Es gab seinerzeit Schätzungen, wie viel die Mieteinnahmen einbringen und zur Deckung von laufenden Kosten aber auch für die Gewährleistung der Zukunftsfähigkeit der DITIB beitragen sollten. Diese sind aber nicht öffentlich gewesen. Unklar bleibt, wieso jetzt solche Einnahmen alleine nicht ausreichen, den weiteren Bau der DITIB-Moschee zu finanzieren.

6. Wer ist eigentlich für die finanzielle Situation genau verantwortlich?

Denn bisher ist niemand wegen der explodierenden Kosten zurückgetreten. Auch der Ausgang diverser Gerichtsverfahren ist nicht öffentlich bekannt geworden. Zahlen eigentlich die Mitglieder und Gemeindemenschen jetzt drauf, weil z.B. Jemand das Verfahren gegen die DITIB gewonnen hat? Oder, weil man einen Vergleich mit den Streitparteien geschlossen hat? Wer trägt die Verantwortung für die finanziellen Entscheidungen bei der DITIB? Inwieweit haftet eigentlich der Vorstand für finanzielle Fehler?

Zum Schluss:

Es ist nicht einfach für eine Organisation, ihre Mittel und ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Ich sehe es bei der DITIB aber kritisch. Sie behauptet immer, alles richtig zu machen, aber versteckt sich bei klaren Fragen nach finanziellen Entscheidungen. Es kann natürlich immer wieder Probleme geben, aber wenn man nicht mit diesen Problemen an die Öffentlichkeit geht, dann hat man die Glaubwürdigkeit verloren.

Es spricht für sich, wenn die DITIB weder transparent in der Sache agiert, noch klar offenlegt, wie der Geldfluss war, ist und in Zukunft erwartet wird. Der Kölner Bau ist prächtig geworden, wenn er jetzt jedoch, nachdem seit Spatenstich fast 10 Jahre vergangen sind, immer noch nicht in der Lage ist, sich selbst zu tragen, dann sehe ich für die Zukunft der DITIB schwarz. Es erinnert ein bisschen an das Osmanische Reich, dass kurz vor seinem Niedergang, seine finanziell größte Ausgabenphase mit prächtigen Bauten und faszinierenden Gebäuden erlebte.

Abhilfe kann für diese Organisation eigentlich nur noch bedeuten, sich z.B. der Initiative Transparente Zivilgesellschaft anzuschließen, sich auch einer strikten Wirtschaftsprüfung unterzuordnen und endlich mit offenen Karten zu spielen. Hier geht es schließlich um einen Bau, der mindestens 30 Millionen Euro gekostet hat. Anderenfalls wird nicht nur das Vertrauen in die Verantwortlichen in der Zentrale schwinden, sondern auch in jede kleine Moscheeorganisation und jeden Ehrenamtlichen, die sich nicht zu schade waren, für die Moschee um Spenden zu bitten. Politische Implikationen sind dann unwichtig. Es geht am Ende um die Menschen, die wohlwollend für einen Bau gespendet haben, der mit heutigem Stand und objektiver Beobachtung nicht tragfähig zu sein scheint.

Gleichzeitig fehlt es weiterhin an einer funktionierenden Gemeinschaft. Denn die Menschen, die ihre Spenden bereitwillig hergeben, sollten auch genauso wissen wollen und persönlich nachfragen müssen, wo und wofür genau das gespendete Geld eigentlich ausgegeben wird. Stattdessen übt man sich leider in Schweigsamkeit. Damit lässt man zu, dass Missstände und Fehlentwicklungen weder benannt noch korrigiert werden. Stattdessen stützt man ein System der Intransparenz, dass sich darauf verlässt, dass es keine Rückfragen gibt.

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