Die Gebetswaschung (Wudū’, Abdest) im Islam – Zusammenfassung

In dem folgenden Artikel geht es um die Gebetswaschung (Wudū’, arabisch: وضوء ; türkisch: abdest). Um diesen Artikel zu verstehen, raten wir an dieser Stelle zur Lektüre des vorherigen Textes über „Die Vorzüge der Gebetswaschung“ und dem Text „Islamisches Recht: Grundtermini zur Unterscheidung von Sachverhalten“. Beide Texte werden in diesem Beitrag vorausgesetzt, da es sich bei den behandelten Dingen mehr um Fragen des Fiqh (islamisches Recht), als um Fragen des Glaubens, der Intention und der Hintergründe handelt.

Die hier getroffenen Ausführungen lehnen sich strikt an die hanafitische Rechtsschule an und werden nicht weiter erläutert. Andere Rechtsschulen haben ähnliche, in manchen wenigen Dingen sehr verschiedene Ansichten zu den geäußerten Sachverhalten. Dem geneigten Leser wird der „ilmihal“ von Ömer Nasuhi Bilmen empfohlen, der diese Unterschiede auch besser benennt und auch tiefer in die Materie eingeht. Der „ilmihal“ ist auch in deutscher Sprache erhältlich. Die hier getätigten Aussagen sind eine Zusammenfassung und richten den Schwerpunkt ausschließlich auf das Wesentliche des Themas.

Was sind die Pflichten (fardh), die erfüllt werden müssen, damit eine Gebetswaschung als gültig erachtet wird?

Es gibt insgesamt vier Punkte, die erfüllt sein müssen, damit zumindest die Grundbedingungen und Pflichtbedingungen für eine Gebetswaschung erfüllt sind. Diese sind der Reihe nach:

  • Das Gesicht einmal waschen.
  • Die Hände, zusammen mit den Ellbogen, einmal zu waschen.
  • Ein viertel des Kopfes zu salben.
  • Die Füße mit den Hacken zusammen zu waschen.

Wenn eine oder mehrere dieser vier Bedingungen nicht erfüllt sind, ist die Gebetswaschung nicht gültig.

Neben diesen Pflichten gibt es auch die Sunna, die vom Propheten Muhammad (saw) übernommen worden ist. Auch diese Dinge sollte man, damit eine Gebetswaschung gültig ist, vornehmen. Der Reihe nach sind dies:

  • Die Niyya fassen die Gebetswaschung vorzunehmen.
  • Die Gebetswaschung mit der Basmala beginnen.
  • Zuerst die Hände bis zum Handgelenk zu waschen.
  • Den Mund mit einem Miswak oder einer Bürste zu putzen oder mit den Figern zu reiben.
  • Die Organe für die Gebetswaschung ohne Unterbrechung zu waschen, also so, dass ein Organ nicht trocken ist, während man die anderen wäscht.
  • Alle gewaschenen Bereiche richtig zu reiben und zu säubern.
  • Drei mal Wasser in den Mund zu nehmen und jedes Mal wieder auszuspucken.
  • Sofern man nicht fastet, mit dem Wasser im Mund richtig zu spülen.
  • Drei Mal Wasser in die Nase aufzunehmen und jedes Mal mit der Linken Hand den Schmutz auszuspülen. Wenn man nicht fastet, darf man das Wasser auch richtig reinsaugen.
  • Auf die Reihenfolge bei der Waschung und Salbung zu achten.
  • Jedes Organ drei mal waschen.
  • Immer mit dem Waschen beim rechten Organ beginnen.
  • Bei der Gebetswaschung bei den Händen und Füßen immer mit den Fingern und Zehen beginnen.
  • Wer einen festen Bartwuchs hat, der schafft mit seinen Fingern Zwischenräume dazwischen.
  • Sollte man einen Ring tragen, so muss dieser am Finger bei der Gebetswaschung gelockert werden.
  • Die Ohren zu salben.
  • Den Hals zu salben.
  • Den gesamten Kopf zu salben.
  • Die Zwischenräume bei Fingern und Zehen zu säubern.

Nun haben wir die Pflicht und Sunna-Einheiten bei der Gebetswaschung aufgezählt. Daneben gibt es aber auch noch die Moral bzw. Verhaltensnormen bei der Gebetswaschung. Diese kann man wie folgt zusammenfassen:

  • Die Gebetswaschung sollte kurz vor dem Gebet stattfinden, so dass man für das Gebet in der Zeit bereit ist.
  • Die Gebetswaschung sollte so vorgenommen werden, dass man zur Qibla (Kaaba) ausgerichtet sie vollziehen kann.
  • Man sollte nach Möglichkeit an einer hohen Position stehen.
  • Bei der Gebetswaschung sollte man Niemanden um Hilfe bitten.
  • Bei der Gebetswaschung sollte man nicht sprechen.
  • Bei der Gebetswaschung darf Wasser nicht verschwendet werden. Allerdings ist es auch nicht gut zu wenig Wasser zu verwenden. Die Organe müssen Nass sein.
  • Nach der Gebetswaschung sagt man die Schahada in Richtung Qibla auf.

Wie wird die Gebetswaschung nun vorgenommen?

Zunächst einmal sollte man sich mental darauf vorbereiten. Es macht Sinn seine Ärmel und Hosenbeine hochzukrempeln. Schließlich sagt man: „Ich habe die Niyya (Absicht) gefasst die Gebetswaschung vorzunehmen, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen.“ Danach sagt man die Basmala auf. „Bismillahirrahmanirrahim“, was „Im Namen Allahs des Gnädigen und Barmherzigen“ bedeutet.

Dann werden der Reihe nach zuerst die Hände bis zum Handgelenk drei mal gewaschen. Wenn ein Ring getragen wird, so wird dieser gelockert und die Zwischenräume zwischen den Fingern ebenfalls gründlich gewaschen und gesäubert.

Dann nimmt man mit der rechten Hand eine Hand voll Wasser auf und führt das Wasser in den Mund. Dabei wird der Mund gründlich ausgespült. Dies wird insgesamt drei Mal vollzogen. Danach wird wieder mit der rechten Hand eine Hand voll Wasser aufgenommen und diesmal in die Nase geführt und eingesogen. Das Wasser wird mit Hilfe der Linken Hand wieder ausgespült und so die Nase vom Schmutz befreit. Dies wird auch drei Mal gemacht.

Danach wird drei Mal jeder Bereich des Gesichts gewaschen. Schließlich wird drei Mal der rechte Arm bis etwas über die Ellbogen und danach drei Mal der linke Arm bis etwas über die Ellbogen gewaschen.

Die Hände werden befeuchtet und mit der rechten Handfläche und den Fingern wird der gesamte Kopf gesalbt. Danach werden die Hände wieder befeuchtet und diesmal wird mit dem kleinen Finger das Innenohr und mit dem Daumen der Ohrrücken auf beiden Seiten (zuerst rechts) durch reiben und drehen gesäubert. Mit den restlichen drei Fingern an jeder Hand wird von der Mitte des Halsrücken aus nach vorne hin der Hals gesalbt.

Danach werden die Füße (rechts zuerst) mit den Hacken zusammen drei mal gewaschen. Bei der Waschung sollte man beim rechten Fuß vom kleinen Zeh zum großen Zeh hin waschen. Beim linken Fuß vom großen Zeh zum kleinen Zeh. Die Zwischenräume sollten gründlich sauber gemacht werden.

Nach dem Ende der Waschung wird in Richtung der Qibla die Schahada gesprochen. Es gibt außerdem Bittgebete, die während einer Gebetswaschung aufgesagt werden können und nach Möglichkeit auch aufgesagt werden sollten. Doch auch ohne diese Bittgebete ist eine Gebetswaschung in dieser Form mit allen wichtigen Punkten gültig und hat alle Bedingungen von fardh und Sunna erfüllt.

Was ist bei der Gebetswaschung verpönt (makruh)?

Es gibt bestimmte Dinge, die islamrechtlich gesehen, verpönt sind. Diese machen zwar eine Gebetswaschung nicht immer sofort ungültig, sie können aber dazu führen. Deshalb sollte man sich davor in Acht nehmen. Aufzuzählen sind folgende Punkte, die jeder Muslim bei der Gebetswaschung beachten und vermeiden sollte:

  • Mehr Wasser bei der Gebetswaschung zu benutzen, als nötig.
  • Weniger Wasser bei der Gebetswaschung zu benutzen, obwohl dies nicht nötig ist.
  • Das Wasser schnell und in Eile auf die Organe zu klatschen.
  • Unnötigerweise bei der Gebetswaschung zu sprechen.
  • Die Gebetswaschung an einem dreckigen Ort vorzunehmen.

Was macht eine Gebetswaschung ungültig?

Die Gebetswaschung ist nicht für unbestimmte Zeit gültig. Es gibt Dinge, die eine Gebetswaschung sofort ungültig werden lassen. Muslimen wird sowieso empfohlen, vor jeder gottesdienstlichen Handlung, die eine Gebetswaschung erfordert, diese auch vorzunehmen. Folgende Dinge machen eine Gebetswaschung ungültig:

  • Körperflüssigkeiten wie Blut, Eiter oder Wasser.
  • Sich den Mund voll zu übergeben.
  • Blut in der Spucke, die mehr als die Hälfte der Spucke ausmacht.
  • Ob groß oder klein, die Notdurft macht die Gebetswaschung ungültig. Das gleiche gilt für einen Wind fahren lassen (pupsen).
  • Ohnmächtig werden oder betrunken sein.
  • Lachen während des Gebets.
  • Schlafen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.