Da ertrinkt ein Kind im Wasser

Die Leiche des dreijährigen Aylan Kurdi wurde an einen Strand in der Türkei angeschwemmt. Der kleine Junge ertrank auf der Flucht nach Europa mit Familienangehörigen. Das Bild vom Leichnam des kleinen Jungen ging um die Welt.

„Oh mein Gott. Das ist soooo traurig. Das ist soooo schlimm.“ – die Menschen um mich herum fesseln sich an ein Bild. Ein syrisches Kind, ertrunken im Meer bei der Flucht, angespült an den Strand, an dem sonst deutsche Touristen in der Türkei Urlaub machen. Es wird zum Symbol des Versagens der Menschlichkeit stilisiert. Überall geschockte Mienen und Ausdrücke. Zeitungen und Journalisten, die sich mit Analysen und Deutungen der Symbolkraft dieses Bildes überwerfen. Dabei ist dieses Kind irgendwie völlig egal.

Was tun all diese Menschen, die das soooo traurig und soooo schlimm finden? Sie heucheln Interesse vor, teilen einfach das Bild weiter und meinen so etwas Gutes zu tun oder getan zu haben. Unterdessen geht das unbeschwerte Leben in Deutschland weiter.Und die Konsequenz aus dem Tod des Kindes? Weiter So! Was nützt es dem toten Kind schon zu einer Ikone aufgebaut zu werden? Es ist ja schließlich tot. Es bringt ja nichts mehr dieses Kind zurück. Und das Kind kriegt ja eh auch nix mehr davon mit.

Heuchler

Heuchler. Menschen, die nicht wissen, was sie tun und sogar daran glauben, was sie da unwissend tun. Sie predigen uns plötzlich etwas von Menschlichkeit, während sie das Bild teilen und nebenher alles unterstützen, damit ihr eigener Wohlstand auf Kosten anderer nicht verloren geht. Menschen, die nicht wollen, dass die Massen hierher kommen, aber gleichzeitig den Tod von Menschen auf Schiffen beklagen.

„Ich bin besser als Du!“, versuchen Sie uns zu vermitteln, glauben aber selbst nicht einmal daran. Menschen, denen es ehrlich gesagt Scheiß-Egal ist, was den Flüchtlingen und den Kindern auf ihrem Weg nach Europa passiert. Die aber so tun, als wäre es ihnen nicht egal. Die Empörung ist halt groß. Man wird halt schnell mitgerissen und lässt sich vom dummen Pöbel einlullen, der unbedacht und unbedarft Bilder teilt, um Stimmung zu machen.

Das Kind ist tot. Sein Bild wird geteilt. Geändert hat sich weder am Status Quo etwas noch in den Herzen der Menschen. Und wenn man nicht so enden will? Wenn man keiner dieser Menschen sein will, die heucheln? Die etwas verändern wollen? Die ihren Fehler korrigieren möchten? Stell dir die entscheidende Frage: Was hast du heute für deine Mitmenschen getan? Ein Bild geteilt? Oder bist du raus gegangen in die Welt, um zu helfen? Oder warst du dazu nicht imstande und hast ein kleines Gebet gesprochen?

Am Ende der Nacht, kriege ich das Bild nicht mehr aus dem Kopf. Ich drücke meine kleine Tochter vor dem Schlafengehen fester als sonst. Morgen wird alles gut. Morgen ist wieder alles vorbei. Morgen ist alles wieder vergessen. Und so wird es sein… So ist es gewesen…

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