Abschied

Wenn das Gehen sein muss und das Bleiben weh tut.

Mitten in der Nacht entreißt man das Kind aus dem Schlaf. Die kleine Prinzessin, wie ihr Vater sie nennt, kann nicht mehr einnicken. Irgendwie geschieht alles viel zu schnell. Gerade war sie noch in ihrem Bett, jetzt ist sie umgeben von vielen Menschen in einer langen Schlange. Der Vater nimmt sie auf den Arm, streichelt ihr leicht über den Rücken und riecht an ihr. Er wird ihren Duft für eine lange Zeit vermissen.

Es dauert nicht lang, dann sitzt sie auf dem Schoß ihrer Mutter im nächsten Flieger nach Istanbul. Die Mutter und das Kind machen Urlaub, während der Vater sich in seine Arbeit vertieft und immer wieder die existenzielle Frage sich selbst gegenüber stellt, ob er eigentlich alles richtig gemacht hat. Die Gedanken bei der Arbeit kreisen schließlich nur noch um das eigene Kind und die Ehefrau. Sind beide heil angekommen? Wurden sie am Flughafen abgeholt? Warum haben sie noch nicht angerufen?

Es klingelt, am Apparat die Frau, die den Mann beruhigt und mitteilt, alles sei in Ordnung. Der Mann zündet sich eine Zigarette an und versucht wieder klar zu denken. Seine Trauer übermannt ihn. Er will eigentlich bei ihnen sein, doch Vater sein bedeutet heutzutage auch loslassen zu können. Man opfert sich auf für die Menschen, die wichtiger sind als man selbst.

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