Tagebuch von Akif Sahin

Greifarm-Automat

Mir ist etwas passiert, was ich zuvor nie geschafft habe. Immerhin habe ich es zum wichtigsten Zeitpunkt in meinem Leben geschafft.

Als ich noch ein Kind war, nahmen mich Ahmet abi und Tülay abla immer mal wieder mit auf den Hamburger Dom. Mein Vater steckte Ihnen etwas Geld zu und ich durfte ein paar Mark auf dem Dom ausgeben. Entweder für Attraktionen oder für Süßigkeiten. Einmal hatte mich Ahmet abi auch in eine Automaten-Spielecke mitgenommen. Ich verballerte damals 8 Mark an einem Greifer (Greifarm-Automat). Ich war sehr frustriert. Ich hatte nichts gewonnen und war doch jedes Mal so kurz davor gescheitert.

Das letzte Mal, dass ich überhaupt einen solchen Greifer angefasst habe, liegt mehr als 20 Jahre zurück. T., meine bessere Hälfte, war mit mir in eine „Spielhalle“ gelaufen. Sie zog mich fest am Arm und wollte, dass ich alles mit ausprobiere, was da so stand. Wir waren in Rotterdam und im Center Parc gab es einen Spielebereich. Nachdem ich bereits „Inline-Skaten“ gelernt hatte, war jetzt auch das Tanzen auf diversen Matten zu Computer-Herausforderungen dran und vieles andere mehr, was Gaming, Spaß und Jugendliche betraf.

In einer Ecke stand ein Greifer. T. ging ran und schnappte sich das Ding, um dann nach ein paar Anläufen ein Stofftier zu gewinnen. Ich scheiterte. Sie hatte es einfach perfekt drauf und war zum Glück nicht so gierig darauf, ein weiteres Stofftier zu gewinnen. Wir gingen weiter. Mir waren diese Greifer aber immer schon suspekt. Es war für mich immer rausgeschmissenes Geld.

Es war das erste Wochenende, seit der Trennung, mit den Kindern. Wir waren in einer Indoor-Spielhalle für Kinder. Die Kinder hatten sich so richtig ausgepowert und ruhten sich gerade in Hängematten gegenüber von einem Greifer aus. Plötzlich sagte meine Tochter: „Baba ich will ein Stofftier.“

Ich weiß nicht, wie es anderen Vätern in solchen Situationen gegangen ist. Für mich war es sehr belastend. In meinem Herzen hat es gepocht. Deine Tochter will, nach der ersten Begegnung nach mehreren Wochen, dass du etwas schaffst, was du noch nie in deinem Leben geschafft hast. Und enttäuschen darfst du sie nicht. Es tut weh und ich glaube, kein Vater kann seinem Kind solch einen Wunsch ausschlagen. Ich hatte noch ein paar Münzen in der Hosentasche.

Ich bin zum Greifer gegangen und habe mich versucht daran zu erinnern, wie T. das gemacht hatte. Sie nahm sich Zeit und blieb sehr locker. Gleichzeitig hatte ich den ganzen Tag über niemanden mit einem Gewinn diesen Greifer verlassen gesehen. Ich warf zwei Euro rein und meinte zu meiner Tochter: „Ich verspreche nichts. Ich probiere es nur.“ Und setzte an. Der Greifer bewegte sich, ich sondierte die Figuren und lenkte den Greifarm zu einer größeren Minion-Figur.

Als ich die Ausrichtung beendet hatte und fest auf den Knopf drückte, war ich mir sicher, dass es nichts wird. Aber der Greifer packte die Figur und führte das Stofftier zur Ausgabe. Meine Tochter freute sich und umarmte mich. Ich hatte noch immer nicht fassen können, was mir da geglückt war, auf Anhieb. Da brach die Welt auch schon über mich weiter an. Denn jetzt stand mein Sohn vor mir und wollte auch.

„Okay. Welche Figur willst du denn haben?“, fragte ich. Er zeigte mit seinen kleinen Fingern auf eine unter vielen Stofftieren liegende Katze. Ich hasse offen gesagt Katzen. Aber das Ding hätte ich da auch nicht ausgraben können. Ich sah, dass eine Simba-Figur von König der Löwen etwas frei lag. Ich frage ihn also, ob er auch mit einem kleinen Löwen einverstanden wäre. Strahlend sagte er: „Ja!“

Ich warf weitere zwei Euro ein und lenkte den Greifer zum kleinen Simba. Ich schaute dreimal, ob es passen könnte und drückte schließlich wieder sehr fest auf den Knopf. Wieder ging der Greifarm runter und packte sich zu meinem Erstaunen die Figur. Normalerweise passiert das nicht. Und der Greifarm führte – mit schwankenden Greifern – die Figur zur Ausgabe. Mein Sohn hatte sein neuestes Stofftier.

Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich habe aber in dem Moment nur noch an T. gedacht. Sie hatte mir gezeigt, wie diese Geräte funktionieren und wie man mit etwas Glück und Fleiß gewinnen kann. Es hat nur knapp zwanzig Jahre gedauert und anscheinend einen Moment gebraucht, wo ich dieses Wissen wirklich gebraucht habe. Die Kinder waren am Ende glücklich und ich erleichtert.

Nach mir kamen dann viele weitere Leute an den Automaten. Sie haben aber nichts gewonnen. Als ich meinen Freunden davon erzählte, sagte ein enger Freund sehr treffend: „Digger. Der Automat hat gesehen, du machst das nicht aus Gier oder sonst was, sondern für deine Kinder. Der Automat hatte Mitleid mit dir.“ Vielleicht ist es wirklich so gewesen. Was ich weiß ist, dass ich eine Geschichte mehr zu erzählen habe.

Übrigens, auf der Rückfahrt gab es dann ein Riesen-Drama. Denn der Minion war zwar größer als der kleinere Simba, aber der Simba gab dafür Musik und Laute von sich, wenn man ihn drückte. Natürlich wollte dann meine Tochter auch eine Figur haben, die Musik und Laute von sich gibt. Ich habe erklärt, dass es ohnehin schon ein Wunder war, dass ich überhaupt zweimal hintereinander ein Stofftier gewonnen habe.

Wir sollten unser Glück nicht überstrapazieren…

Akif Şahin

Akif Şahin aus Hamburg. Arbeite als SEO-Spezialist für ein Unternehmen der Energiewirtschaft. Ich biete SEO-Beratung, Marketing-Expertise und CopyBlogging an. Als Muslim interessiert mich die Geschichte und Kultur des vorderen Orients. Auf diesem Blog gibt es Einsichten, Aussichten und Islamisches.

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