Tagebuch von Akif Sahin

Bis hierhin lief es noch ganz gut …

CN Suizid. Wer sensibel ist oder sich in einer schwierigen, persönlichen Lage befindet, sollte den unteren Beitrag nicht weiter lesen.

Du fällst in ein tiefes Loch und hast immer wieder den gleichen Traum. Jede Nacht kommt die gleiche Situation wieder und du weißt, dein Leben ist am Wendepunkt. Du denkst nicht mehr, du funktionierst und bringst die Gedanken in eine Ordnung. Das Leben ist schön. Für Diejenigen, die wissen, wie man lebt.

Die Szene in meinem Traum stammt aus einem Film. Es spielt in den französischen Banlieus. Eine Gruppe junger Migranten erlebt darin einen Tag zum Vergessen, mit tragischem Ende. Und die Quintessenz bildet am Anfang und Ende des Filmes diese Geschichte über einen Mann, der vom 50. Stock eines Hochhauses fällt. Während er fällt, sagt er, um sich zu beruhigen: „Bis hierhin lief es noch ganz gut.“

Ich hatte in jungen Jahren „La Haine“ (Der Hass) mit einer Gruppe muslimischer Jugendlicher gesehen. Wir alle hatten uns auf die Idee von Idris eingelassen, der den Film in vollen Tönen gelobt hatte. Und es war ein heftiger Film. Er riss eine tiefe Wunde in unseren Herzen auf und die Narben blieben bis ins hohe Alter bestehen, sodass wir uns immer an diese Worte erinnerten.

Es war ein Dienstag, als ich in den Wagen stieg und seelenruhig die Strecke nach oben zur Spitze der Köhlbrandbrücke fuhr. Auf der Mitte der Brücke schaltete ich das Warnblinklicht an. Ich wollte aussteigen, ein Auto wich der Fahrertür aus. Ich stand auf dem rechten Fahrstreifen, während ein anderes Fahrzeug sehr nahe kam, hupte und mich doch knapp verfehlte. Es war egal. Selbst wenn das Auto mich erwischt hätte, wäre es mir vermutlich egal gewesen.

Ich ging schließlich zur Brüstung und schaltete mein Handy an. Die Video-Funktion brauchte ein paar Sekunden. Ich nehme meine letzte Botschaft auf: „Dies ist für alle Menschen, die mich verraten, die mich verleumdet und mir das Herz gebrochen haben. Ich verlasse diese Welt und hoffe, ihr folgt mir in die Hölle.“ Ich wende mein Handy und nehme das wunderschöne Stadtbild von Hamburg auf. Das Video lade ich bei Instagram hoch. Es dauert nur ein paar Sekunden.

In der Nacht ist diese Stadt etwas Besonderes, weil sie die Dunkelheit in grelles Licht taucht. Das verlorene Herz erreicht dieses Licht jedoch nicht. Es ist in Dunkelheit gehüllt und sucht nach einer Erlösung. Es gibt so viel Schönes um mich herum, doch nichts kann mich von meinem Entschluss abhalten. Die Silhouette der schönsten Stadt der Welt verschwindet langsam in meinen Tränen. Es war ein würdiger, letzter Blick auf diese Stadt.

Ich höre noch gedämpft die Polizei-Sirenen, doch auch das hält mich nicht mehr auf. Ich steige über die Brüstung, spüre den Wind in meinem Gesicht, atme tief ein und lasse mich rückwärts fallen. Und während ich falle, sage ich immer wieder, um mich zu beruhigen: „Bis hierhin lief es noch ganz gut.“

Ich wache auf und blicke auf den Wecker. Es ist wieder 4:50 Uhr in der Nacht. Ich wende meinen Blick auf das Kissen und frage mich, wie ich all diese Last dieser Welt überstehen soll. Und dann fällt mir ein, was im Koran steht …

Allah erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag.

Koran, Sure al-Baqarah (die Kuh) [2:286]

Akif Şahin

Akif Şahin aus Hamburg. Arbeite als SEO-Spezialist für ein Unternehmen der Energiewirtschaft. Ich biete SEO-Beratung, Marketing-Expertise und CopyBlogging an. Als Muslim interessiert mich die Geschichte und Kultur des vorderen Orients. Auf diesem Blog gibt es Einsichten, Aussichten und Islamisches.

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