Heute habe ich mich mit einem lieben Bruder (ja, diese Zeilen sind auch für dich) zum Abendessen getroffen. Wir haben schon sehr viel erlebt, er war gewissermaßen auch mein Mentor und wir haben einen netten Smalltalk beim Essen geführt und uns über die gegenwärtige Situation der Muslime in Deutschland ausgetauscht. Dabei kam er auf meinen jüngsten Artikel über den „Saftladen“ DITIB zu sprechen.

Zugegeben, im Gespräch mit dem (älteren) Bruder konnte ich nicht wirklich erklären, was ich jetzt kritisiere. Aber darum ging es mir dann auch nicht. Ich glaube, das Problem ist, dass man einen „Rant“, wie ich ihn gelegentlich schreibe, aus meiner Sicht viel zu ernst nimmt. Es ist immer eine Abrechnung mit den gegenwärtigen Strukturen und den Unzulänglichkeiten des Verbandsislams in Deutschland.

Ich bezweifle eine echte Wirkung meiner Texte

Haben aber meine Beiträge dieser Form überhaupt eine Wirkung? Ich glaube, man nimmt die Texte viel zu ernst und wie ich auch heute meinem Gegenüber erklärt habe, interpretiert man häufig viel zu viel hinein. Bleibt nur die Frage, was hätte der Saftladen besser machen können.

Es ist für mich ganz einfach: Einen jungen Imam oder eine junge Imamin einstellen, die perfekt Deutsch kann und den Leuten auch mal Positionen erklären kann, statt den nächsten Import-Imam auflaufen zu lassen, der einfach fremd in diesem Land ist. Sich selbst als Moschee vor Ort positionieren, gelingt ja nicht einmal. Dabei hätte man tausend Möglichkeiten – beispielsweise auch mit einer offenen Bibliothek zum Lernen.

Mir muss und kann niemand etwas recht machen

Allerdings muss man es mir aber glücklicherweise nicht recht machen. Ich bin ohnehin nie wirklich zufrieden, selbst wenn es mal gut läuft. Darum geht es aber auch bei meinen „Rants“ nicht. Es geht darum, Dampf abzulassen und sich zu empören, weil jegliche sachliche Kritik überhaupt nicht mehr ankommt und schon gar nicht wahrgenommen wird. Zudem schreibe ich ja nicht nur über Probleme.

Meine guten Texte, mit Anregungen, Ideen, Lösungen für gegenwärtige Probleme der muslimischen Community werden und wurden erst gar nicht gelesen und wahrgenommen. Es gehört zum Zustand der „Umma“, dass man nur das liest, was empört oder politisiert. Wer positive Vibes möchte, der schaut auch nicht in diesem Blog vorbei. Dabei schreibe ich genügend, konstruktiv und sogar unterhaltsam. Es kommt nur häufig nicht bei der großen Masse an. Was aber auch nicht traurig ist.

Ich bin frei. Wer kann das schon von sich behaupten?

Wer hat denn etwa meinen Beitrag von gestern Abend über Selbstzweifel gelesen? Ich muss mir glücklicherweise keine Gedanken darüber machen, wer meinen Blog liest und was er von mir denkt. Mir ist das größtenteils egal. Natürlich freue ich mich über eine gewisse Rezeption, aber ich habe es aufgegeben, die Welt zu verändern oder gar meine Message in die Welt zu tragen. Ich muss nicht viral gehen.

Ich muss mich aber auch nicht rechtfertigen, wenn ich die DITIB einen Saftladen nenne. Ich bin frei. Auch wenn ich mich häufig selbst zensiere und der letzte Text eher eine entschärfte Version des Originals war. Ich habe aber die Freiheit selbst zu entscheiden, was ich publiziere, wo ich helfe und was ich tue. Ich bin niemandem verpflichtet, außer meinem eigenen Gewissen.

Wer innerhalb von Verbandsstrukturen kann das von sich behaupten? Denkt mal darüber nach.

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