Koran, 2:184, Sura al Baqara (Die Kuh)

Koran, 2:184

In diesem Beitrag geht es um die Bedeutung des Koran-Verses 2:184 und was wir daraus für uns mitnehmen können.

اَيَّاماً مَعْدُودَاتٍۜ فَمَنْ كَانَ مِنْكُمْ مَر۪يضاً اَوْ عَلٰى سَفَرٍ فَعِدَّةٌ مِنْ اَيَّامٍ اُخَرَۜ وَعَلَى الَّذ۪ينَ يُط۪يقُونَهُ فِدْيَةٌ طَعَامُ مِسْك۪ينٍۜ فَمَنْ تَطَوَّعَ خَيْراً فَهُوَ خَيْرٌ لَهُۜ وَاَنْ تَصُومُوا خَيْرٌ لَكُمْ اِنْ كُنْتُمْ تَعْلَمُونَ ﴿١٨٤﴾

“Gezählte Tage. Wer von euch aber krank ist oder sich auf einer Reise befindet, diese Person faste die Anzahl von anderen Tagen nach. Und diejenigen, die nur mit größter Schwierigkeit es tun könnten, sollen zum Ausgleich eine arme Person speisen. Und wer freiwillig mehr Gutes tut, tut es zum eigenen Besten. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr nur wüsstet!”

Koran, 2:184

Der Einstieg in diesen Vers fällt mit dem Verweis auf gezählte Tage. Im vorislamischen Arabien kannte die Bevölkerung ein Fasten über einen ganzen Monat nicht. Erst mit dem Islam und der Pflicht zum Fasten im Monat Ramadan ist dies verordnet worden. Dieser Koran-Vers stellt insofern einen Zwischenschritt und eine Vorbereitung der Muslime auf den Fastenmonat dar. Mit gezählte Tage ist einhelliger Meinung nach der Monat Ramadan gemeint, so wie es in Vers 2:185 Erwähnung findet.

Gleichzeitig klärt der Vers darüber auf, was die Menschen tun sollen, wenn sie nicht fasten können. Hierfür wird die Gruppe der Menschen in drei aufgeteilt:

  • Menschen, die krank sind.
  • Menschen, die auf Reisen sind.
  • Menschen, die mit größter Schwierigkeit fasten könnten.

Krankheit und Fasten

Eine schwere Krankheit ist ein Grund das Fasten auszusetzen. Daran gibt es in der großen Mehrheitsbetrachtung keinen Zweifel und keine Meinungsverschiedenheit. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, ob eine leichte Krankheit, wie beispielsweise eine Erkältung, ein ausreichender Grund für eine Aussetzung darstellt. Die Mehrheit der Gelehrten tendierte dazu, dass ein Fasten, das mit zusätzlichem Leid verbunden ist, unterlassen werden sollte.

Ebenso spielt bei der Bewertung der Pflicht zum Fasten eine Rolle, ob die Person durch das Fasten womöglich den eigenen Gesundheitszustand gefährden könnte. Letztlich entscheiden aber alle Menschen selbst darüber, ob sie in der Lage sind zu fasten oder nicht. Wenn eine Person einen Fastentag aufgrund einer Krankheit verpasst, kann diese Person den Fastentag nachholen, wenn sie wieder gesund wird. Wenn absehbar ist, dass die Person nicht mehr gesund wird, muss eine Ersatzleistung (in Form der Speisung einer bedürftigen Person) geschehen.

Reisen und Fasten

Aus der Mehrheitssicht geht es hier vor allem um Entfernungen. So wurden einzelne Entfernungsgrundlagen mit einer Tagesreise angesetzt, die nach heutigen Maßstäben rund 90 km ausmachen würden. Hier geht es aber auch um eine Erleichterung. Wer auf Reisen ist und eine entsprechende Länge von Entfernung zurücklegen wird, die beispielsweise erlaubt, die Gebete zu verkürzen (cem), besser gesagt zusammenzulegen, kann das Fasten für diesen Tag aussetzen und es später nachholen. Dies wurde auch vom Propheten Muhammad (ﷺ) so gehandhabt.

Überliefert von Tawus: Ibn ‘Abbas sagte: “Allahs Gesandter (ﷺ) brach von Medina nach Mekka auf, und er fastete, bis er ‘Usfan erreichte, wo er um Wasser bat und seine Hand hob, damit die Leute ihn sehen, und dann brach er das Fasten und fastete danach nicht mehr, bis er Mekka erreichte, und das geschah im Ramadan.” Ibn ‘Abbas pflegte zu sagen: “Allahs Gesandter (ﷺ) fastete (manchmal) und fastete (manchmal) nicht während der Reisen, sodass derjenige, der zu fasten wünschte, fasten konnte, und derjenige, der nicht zu fasten wünschte, dies tun konnte.”

Sahih al-Bukhari, Hadith Nr. 1948

Fasten, nur mit größter Not

Hier gibt es die Auffassung, dass der Teil des Verses diesbezüglich zuerst den Muslimen gestattet hatte, dass sie, auch wenn sie in der Lage waren zu fasten, mit einer Speisung eines Armens vom Fasten befreit sein konnten. Allerdings wurde diese Erlaubnis wohl zu späterer Zeit wieder aufgehoben. Das Fasten im Monat Ramadan wurde zu einer Pflicht für alle Muslime, die dazu in der Lage sind.

Anders als diese Auffassung gehen viele Gelehrte eher davon aus, dass das Fasten von Anfang an allen Muslimen vorgeschrieben war und nur diejenigen ausgenommen waren, die in die Kategorie der drei Gruppen gehören. Wobei die dritte Kategorie von Anfang an solche Menschen meinte, die nur unter größter Not und harten Anstrengungen fasten könnten. Das heißt, dieser Vers nahm vor allem Menschen in Schutz, die aufgrund ihrer körperlichen Verfassung kaum in der Lage waren zu fasten.

Unter diesem Verständnis fallen vor allem ältere Menschen, die aufgrund ihres hohen Alters das Fasten nicht mehr aushalten können. Nach einer Mindermeinung fallen aber auch Menschen darunter, die aufgrund von körperlich harter Arbeit nicht imstande sind das Fasten einzuhalten. Klarer und einheitlicher ist die Sicht auf stillende Mütter, die aufgrund einer Doppelbelastung ihre Kinder nicht vernünftig stillen und sich selbst kaputt machen könnten. Die Mehrheit der Gelehrten nimmt deshalb Schwangere und ältere Menschen aus dem Kreis heraus, die fasten müssten.

Fidye – Speisung bedürftiger Menschen

Wer aufgrund einer Einschränkung nicht in der Lage ist das Fasten angemessen zu praktizieren, aufgrund beispielsweise eines hohen Alters, entrichtet die sog. fidye. Das ist ein Almosen zur Speisung einer bedürftigen Person. Die fidye richtet sich nach bestimmten Maßgrößen zur Speisung einer Person für einen Tag. Aktuell beträgt dieser Wert rund 10 € pro Tag in Deutschland.

Wie aber der Koranvers selbst darauf hinweist, ist dies nur die untere Grenze des Betrags, den man entrichten kann. Für eine Person, die mehr gibt als notwendig, für diese Person ist es segensreicher.

Fasten ist besser

Der Koranvers schließt mit dem Satz ab, dass das Fasten für Muslime besser ist. Dies ist ein Hinweis auf den Segen des Fastens im Diesseits und im Jenseits. Wer nicht krank, auf Reisen oder anderweitig am Fasten verhindert ist, sollte diese segensreiche Handlung auch einhalten und vom Segen des Monats Ramadan profitieren. Viele Koran-Exegeten waren auch der Meinung, dass das Fasten grundsätzlich dazu führt, dass einem Menschen gute Dinge widerfahren.

Quellen:

  • Kur’an Yolu Tefsiri Cilt: 1 Sayfa: 276-279
  • Sahih Al Bukhari
  • Der Koran, übersetzt von Max Henning
  • Tafsir Ibn Kathir, Fidyah