Koran 2:183, Sura al Baqara (Die Kuh)

Koran, 2:183

In diesem Beitrag geht es um die Bedeutung des Koran-Verses 2:183 und was wir daraus für uns mitnehmen können.

يَٓا اَيُّهَا الَّذ۪ينَ اٰمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذ۪ينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَۙ ﴿١٨٣﴾

“O ihr Gläubigen! Euch ist das Fasten vorgeschrieben, so wie es den Menschen vor euch vorgeschrieben war. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig.”

Koran, 2:183

Fasten ist keine neue Erfindung

Aus diesem Vers im Koran erkennen wir, dass das Fasten keine neue Erfindung ist. Es wurde den Völkern und Menschen vor uns und den Menschen vor dem Prophetentum unseres geliebten Propheten Muhammad (ﷺ) vorgeschrieben. Unser Fasten unterscheidet sich jedoch vom Fasten anderer Menschen, sowohl in seiner Form als auch in seiner Intention.

So ist bekannt, dass es in der Familie bzw. in der Sippschaft unseres Propheten Muhammad (ﷺ) Mitglieder gab, die zu besonderen Anlässen, wie Aschura, gefastet haben. Auch nach der Hidschra von Mekka nach Medina konnte man sehen, dass die Juden von Medina am selben Tag zu fasten pflegten. Darauf angesprochen erklärten die Juden von Medina, das an diesem Tag der Prophet Moses (as) von Allah errettet worden sei. Die Antwort des Propheten (ﷺ) lässt dabei aufhorchen:

Überliefert von Ibn `Abbas: “Als der Prophet (ﷺ) nach Medina kam, fand er (die Juden) am Tag von ‘Ashura’ (d.h. 10. Muharram) fastend vor. Sie pflegten zu sagen: “Dies ist ein großer Tag, an dem Allah Moses rettete und das Volk des Pharaos ertränkte. Moses hielt an diesem Tag das Fasten ein, als ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Allah.” Der Prophet (ﷺ) sagte: “Ich bin Moses näher als sie.” Also hielt er das Fasten (an diesem Tag) ein und befahl den Muslimen, an diesem Tag zu fasten.”

Sahih al-Bukhari, Hadith Nr. 3397

Das Fasten im Ramadan wurde zur Pflicht

Ein Jahr später wurde das Fasten im Monat Ramadan für alle Muslime zur Pflicht und der Prophet (ﷺ) nahm seinen Befehl bezüglich des Fastens an Aschura zurück. Das Aschura-Fasten wurde zu einer empfohlenen, aber keiner verpflichtenden Form des Fastens.

Überliefert von `Aisha: (Der Stamm der) Quraisch pflegte in der vorislamischen Zeit am Tag von ‘Ashura’ zu fasten, und dann befahl Allahs Gesandter (den Muslimen), an diesem Tag zu fasten, bis das Fasten im Monat Ramadan vorgeschrieben wurde; woraufhin der Prophet (ﷺ) sagte: “Wer (an ‘Ashura’) fasten will, darf fasten, und wer nicht fasten will, soll nicht fasten.”

Sahih al-Bukhari, Hadith Nr. 1893

Wir sehen also, dass die Traditionen aus vorislamischer Zeit durch den Islam eine neue Ordnung erhalten haben und das es auch bei früheren Menschen üblich war zu fasten, genauso wie es der Koran zu Anfang des Verses erklärt hat.

In Erläuterungen zum Vers 183 sehen wir, dass dieser Vers ungefähr ein Jahr nach der Hidschra offenbart wurde. Entsprechend hat dieser Vers das kurzfristig verpflichtende Fasten zu Aschura aufgehoben und mit dem Fasten im Monat Ramadan ersetzt. Unser Fasten ist eine Vorschrift aus dem Koran, die uns auferlegt wurde, so wie es Menschen vor uns auch auferlegt wurde zu besonderen Tagen oder Anlässen zu fasten.

Fasten im Judentum und Christentum

Hier sei noch erwähnt, dass mit den “Menschen vor euch” aus der Sicht vieler Koran-Gelehrter die Mitglieder der Ahl-al-Kitab, also die Juden und Christen gemeint sind. So sind uns heutzutage beispielsweise das Fasten von Jom Kippur oder das Fasten vor Ostern von Juden und Christen bekannt. Außerdem gibt es die Tradition in beiden Religionen zu bestimmten Anlässen (Tod, Geburt) oder zur Stärkung von Gebeten zu fasten.

In islamischen Quellen stoßen wir auf verschiedene Überlieferungen von früheren Propheten (as). Eine solche Überlieferung ist die vom Fasten des David (as).

Überliefert von ‘Abdullah bin ‘Amr: Der Gesandte Allahs (ﷺ) sagte zu mir: “Das bei Allah am meisten geliebte Fasten war das Fasten von (dem Propheten) David, der an abwechselnden Tagen zu fasten pflegte. Und das bei Allah am meisten geliebte Gebet war das Gebet von David, der (die erste) Hälfte der Nacht zu schlafen pflegte und ein Drittel davon zu beten und (wieder) ein Sechstel davon zu schlafen.”

Sahih al-Bukhari, Hadith Nr. 3420

Gottesfurcht

Bleibt noch der letzte Satz aus unserem Vers: Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig. Dies ist sowohl als Aufforderung als auch als Wunsch zu verstehen. Die höchste Stufe, die ein gläubiger Mensch erreichen kann, ist die des gottesfürchtigen Dieners. Wir sprechen immer wieder von Taqwa. Eigentlich meint es in diesem Vers, dass man sich von den Sünden fernhalten soll. Also den Zustand annimmt, dass man voller Gottesfurcht sich vor den bösen und schändlichen Dingen fernhält.

Manchmal fällt es uns aber schwer die Wortstellungen in dieser Form zu begreifen. Deshalb sei an dieser Stelle dieser Hinweis gegeben: Sünden können vergeben werden. Die guten Taten löschen die bösen Taten aus. Wer fastet, kann sich damit ein Bewusstsein schaffen um sich von den schlechten Dingen, Angewohnheiten und Sünden zu entfernen. Das Enthalten im Monat Ramadan gewinnt damit eine besondere Form. Man enthält sich nicht nur dem Essen, Trinken oder dem Sexualakt. Man enthält sich allen Dingen, die schädlich sind und das Fasten trägt dazu bei, dass man ein Bewusstsein dafür erlangt und den Struggle oder das eigene Ego (Nafs) besser beherrscht und besiegt.

Fasten als Hilfe unsere Verhaltensmuster zu ändern

Es gibt Verhaltensmuster, die kann man nicht ablegen, nur weil man erkannt hat, dass sie falsch sind. Hierfür ist das Fasten gedacht. Es hilft die Selbstdisziplinierung zu steigern, das eigene Bewusstsein anzuheben und mit Allahs (ﷻ) Hilfe den Sünden zu entsagen und sich selbst auf dem Pfad des rechten Weges zu halten.

Zum Schluss dieses Beitrags sei noch erwähnt, das erst durch das Fasten eine Empathie mit den Menschen aufgebaut werden kann, für die viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, weit weit weg sind. In diesem Sinne möge Allah (ﷻ) unser Fasten von uns annehmen und uns dabei stärken, dass wir den Sünden und Versuchungen entsagen und uns zu aufrechten und hilfsbereiten Menschen entwickeln.

Quellen:

  • Kur’an Yolu Tefsiri Cilt: 1 Sayfa: 276-279
  • Sahih Al Bukhari
  • Der Koran, übersetzt von Max Henning