Wie kann Fasten im Ramadan dabei unterstützen, Empathie zu entwickeln? Und wie können Muslim:innen mit ihrer Hilfsbereitschaft dazu beitragen, dass sich die Welt verändert?

Wie will man verstehen, wie sich arme und obdachlose Menschen fühlen, wenn man nie Verzicht geübt hat oder nie hungern musste? Der Grundgedanke des Verzichts führt auch zwangsläufig dazu, dass man sich mit der Lebenssituation bedürftiger Menschen auseinandersetzt. Fasten hilft dabei, etwas nachzuempfinden, wie das Leid dieser Menschen aussieht.

Fasten hilft dabei, tief im eigenen Herzen die Schwere und Not zu verstehen, denen diese Menschen tagtäglich ausgesetzt sind. Die Barmherzigkeit und das Mitgefühl steigen. Durch die Empathie, die man empfindet, wird man versuchen, armen und hilfsbedürftigen Menschen zu helfen und ihre Sorgen und ihr Leid zu lindern. Dies ist der Grund, warum gerade im Monat Ramadan die Hilfsbereitschaft und Spendenbereitschaft bei Muslim:innen spürbar wächst.

Solidarität als Grundgedanke des Fastens

Das Fasten im Monat Ramadan stärkt also all die Gefühle, von denen die Gesellschaft immer spricht: Es geht um Solidarität und Hilfe für die ärmsten der Armen. Muslim:innen versuchen in diesem Monat besonders Menschen zu helfen, die Hilfe am nötigsten benötigen. Einladungen zum Essen, Geldspenden und einfach nur da sein und Zuhören, das sind alles Dinge, die im Ramadan Hochkonjunktur haben. Dabei warten Muslim:innen nicht darauf, bis sie gefragt werden, sondern helfen ungefragt. Der Leitsatz ist ein prophetischer Ausspruch von Muhammad (ﷺ):

„Die gebende Hand ist besser als die nehmende Hand!“

Überliefert bei Bukhari: Abschnitt über Zakat, Hadith Nr. 18 und 50

Fasten als Akt der Weltveränderung

Es geht darum, die kalte Welt in eine warme und hilfsbereite Welt umzuwandeln. Auch wenn der Ramadan nicht anhält, so hat das Fasten in diesem Monat die härtesten Herzen erweicht und viele Menschen gütig und barmherzig werden lassen. Dieser Zustand hält weit und lange nach dem Ramadan noch an und im neuen Jahr wird dieses Gefühl durch einen neuen Ramadan und das neue Fasten für Allah (ﷻ) gestärkt.

Auch der folgende Ausspruch des Propheten Muhammad (ﷺ) hat eine ganz besondere Bedeutung für Muslim:innen:

„Wer satt ins Bett geht, während sein Nachbar hungert, gehört nicht zu uns!“

Überliefert bei Bukhari; Abschnitt über Iman; Hadith Nummer 74]

Muslim:innen unterscheiden bei ihren Nachbar:innen oder bei Bedürftigen nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit. Es geht vielmehr darum, gesamtgesellschaftlich zu helfen und die Not in der Gesellschaft zu lindern, egal, ob es sich bei den Hilfsbedürftigen um Muslim:innen handelt oder nicht.

Hilfsbereitschaft beginnt zuerst in der Familie und im nahen Umfeld

Die Hilfsbereitschaft beginnt zuallererst in der eigenen Familie, dann folgen die Nachbar:innen, dann die Freund:innen und Bekannte. Wenn es schließlich in all diesen Umgebungen keine Personen mehr gibt, denen man helfen kann, dann in der Gesellschaft und auch wenn man hier nichts mehr finden kann, dann auf der ganzen Welt.

Muslim:innen denken allerdings in der Praxis oft zuerst global und merken nicht, dass die Bedürftigen oftmals nicht in Bangladesch oder in der Türkei sitzen, sondern direkt vor der eigenen Haustür. Vielleicht muss man sie nochmals darauf hinweisen, dass man zuerst in der eigenen Umgebung helfen sollte, bevor man sich global engagiert.

Denn nur eine starke Gemeinschaft hier in Deutschland kann auch die weltweite Not und das Leid aller Menschen lindern.

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