Fit im Ramadan

Fit im Ramadan

Um sich geistig und körperlich fit zu halten ist der Monat Ramadan ideal geeignet. Dieser Beitrag möchte Impulse geben, wie der Fastenmonat verbracht und genutzt werden kann.

“Bei der Zeit! Der Mensch befindet sich im Verlust, außer denjenigen, welche glauben und Gutes tun und sich gegenseitig zur Wahrheit anhalten und einander die Standhaftigkeit empfehlen.”

Koran, Sura 103, Verse 1-3

Der Monat Ramadan erinnert uns durch das Üben von Verzicht daran, dass wir uns im Verlust befinden. Wie die Koranverse aus der Sura al-Asr zeigen, sollte es uns deshalb darum gehen grundsätzlich Gutes zu tun. Wir sollten uns an der Wahrheit orientieren und uns in unserer Standhaftigkeit gegenseitig ermuntern. Dafür ist dieser Fastenmonat ideal.

Ausgewogen fasten und ausgewogen ernähren

Einigen Geschwistern fällt das Fasten im Monat Ramadan sehr schwer. Dabei geht es nicht darum, dass sie starken Hunger leiden. Es ist eher so, dass sie in diesem Fastenmonat aufgrund einer falschen Ernährung sogar an Gewicht zunehmen. Gerade Fasten bedeutet aber auch sich ausgewogen zu ernähren. Dazu kann es nicht gehören, wenn man sich nach dem Fasten so sehr vollstopft mit Lebensmitteln, dass man gar nicht mehr aufstehen kann.

Aufstehen in der Nacht, eine Kleinigkeit zu sich nehmen und natürlich viel trinken (damit man nicht dehydriert) gehören in die Routine. Am Abend nach dem Sonnenuntergang sollte man essen, bis man satt ist und nicht mit dem Essen übertreiben. Allah liebt nicht die Verschwendenden. Ein 8-Gänge Menü zum Iftar sollte keine Regel sein. Esst und fastet ausgewogen und zwingt niemanden dazu mehr zu essen, wenn diese Person es nicht möchte. Das Maß einhalten und die Mitte zwischen zu viel und zu wenig zu finden, sollte das Ziel sein.

Verzichtet auf Einladungen

Normalerweise ist der Monat Ramadan der Monat der Familie und der Freundschaft. Doch wie schon im vergangenen Jahr befinden wir uns inmitten einer Pandemie. Deshalb verzichtet auf Einladungen von Personen zu euch nach Hause. Stattdessen könnt ihr euch Online verabreden, zum gemeinsamen Iftar oder eben zu virtuellen Treffen.

Der Monat Ramadan möchte und soll die Zusammenarbeit und die Solidarität unter den Menschen stärken. In dieser schönen Zeit des Jahres kommt es darauf an zu teilen und vor allem die Bande zwischen Familien und Freunden zu stärken. Das kann man auch in Pandemiezeiten erreichen, indem man sich einfach meldet und sich Alternativen schafft, wo man sich nicht persönliche begegnen muss.

Lest den Koran

Der Monat Ramadan ist ein willkommener Anlass, sich intensiver mit der Bedeutung des Korans auseinanderzusetzen und sich in die Rezitation zu vertiefen. Deshalb lest den Koran und versucht ihn komplett, mindestens einmal in diesem Monat durchzulesen. Vergesst nicht, der Koran wurde in diesem Monat das erste Mal offenbart. Es steckt so viel Barmherzigkeit in diesem Monat und wie könnte man den Monat des Koran al Karim ohne das Lesen des Koran verbringen?

Vor allem in Moscheen und auch in Jugend-Einrichtungen gibt es zudem die Tradition der Muqabala, des Vortragens und gemeinsamen Lesens des Koran al Karim. Wer in der Lage dazu ist, sollte dieses Angebot – das aktuell auch häufig online angeboten wird – nutzen. Oftmals wird der Koran al Karim in den Moscheen kurz nach dem Morgengebet oder nach dem Mittagsgebet gemeinschaftlich gelesen. So wird der Koran gemeinschaftlich innerhalb eines Monats komplett zu Ende gelesen. Der Lohn für diese Form der gottesdienstlichen Handlung ist gewaltig.

Betet regelmäßig und verpasst keine Gebete

Das Gebet ist der Miradsch (Himmelfahrt) der Muslim*innen. Mit jedem Gebet, das wir verrichten, stehen wir quasi vor Allah (ﷻ). Was ist da naheliegender, als endlich ohne Ausnahme alle Gebete zu verrichten, anstatt nur freitags oder ab und an in die Moschee zu gehen und zu beten? Lasst euch nicht von den Einflüsterungen des Teufels beeinflussen.

Fasst euch ein Herz und fangt an zu beten. Dieser Monat ist eine Gnade an uns. Es erwärmt unsere Herzen und gibt uns die Möglichkeit erneut mit den Dingen anzufangen, die wir womöglich vernachlässigt haben. Nutzt diesen Monat, um endlich voller Hingabe und voller Kraft eure religiöse Pflicht zu erfüllen und das Gebet einen festen und starken Teil eures Lebens werden zu lassen.

Das Tarawih – Gebet (Das erquickende Gebet im Ramadan)

Das Tarawih–Gebet wird nur im Monat Ramadan verrichtet. Es ist Sunna Muakkada (das heißt der Prophet (ﷺ) hat diese Handlung oft getan). Es gibt je nach Rechtsschule oder Richtung unterschiedliche Ansichten zum Tarawih–Gebet. Ich gebe hier die hanafitische Sicht wieder, die sich allerdings mit der Mehrheitsmeinung deckt. Für nähere Informationen ist schon die Lektüre eines großen Wälzers bzw. der Besuch beim hauseigenen Imam eine unumgängliche Pflicht. Das Gebet kann – gerade in Pandemiezeiten zu bevorzugen – auch Zuhause verrichtet werden.

Das Tarawih–Gebet hat zwanzig Rakat (Einheiten). Dieses Gebet zu verrichten ist auch Sunna für Diejenigen, denen das Fasten nicht vorgeschrieben ist, weil sie krank sind oder sich auf Reisen befinden. Es ist auch Sunna das Gebet in der Gemeinschaft in der Moschee zu verrichten. Der Lohn hierfür ist gewaltig. In Pandemiezeiten ist aber darauf eher zu verzichten. Ihr schützt andere durch eure Einschränkung und auch dafür gibt es gewaltigen Lohn, wenn eure Absicht stimmt.

Unser Prophet Muhammed (ﷺ) sagte: “Wer aus reinem Glauben und den Lohn von Gott erwartend die Nächte im Ramadan in gottesdienstlichen Handlungen verbringt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.” [Riyad-us Salihin]

Wie verrichtet man das Tarawih-Gebet?

Das Tarawih–Gebet wird nach dem Nachtgebet (Al Iescha’) verrichtet. Es darf nicht vor dem Nachtgebet verrichtet werden. Das Witr-Gebet wird im Ramadan erst im Anschluss an das Tarawih–Gebet verrichtet. Es kann aber auch vor dem Tarawih–Gebet verrichtet werden.

Das Gebet umfasst 20 Rakat (Einheiten). Man kann das Gebet in zweier Schritten, d.h. jeweils zwei Rakat, danach ein Salam, bis man schließlich insgesamt 20 Rakat hat, verrichten. Es ist aber auch möglich das Tarawih-Gebet in vierer Schritten zu verrichten, d.h. jeweils vier Rakat, danach ein Salam, bis man schließlich insgesamt 20 Rakat hat.

In türkischen Moscheen ist es üblich das Gebet schnell zu verrichten. In arabischen Moscheen eher langsam und mit ausgiebigen Pausen. Meiner Meinung nach ist die letztere Handhabung auch angenehmer und trifft den Sinn eines Nachtgebets (qiyam al lail) deutlich besser.

Wer die Zeit hat, sollte unbedingt an den gemeinschaftlichen Tarawih-Gebeten in den Moscheen teilnehmen. Imame werden euch in den ersten Tagen zudem genauer auf die Verrichtung des Gebets vorbereiten. Meine Empfehlung tendiert übrigens zu arabischen Moscheen in dieser Angelegenheit, weil das Tarawih-Gebet eben nicht hektisch verrichtet wird, sondern vor allem ruhig und voller Hingabe.

In einigen Moscheen ist es auch üblich, dass der gesamte Koran während der Tarawih-Gebete im Ramadan rezitiert wird. Diese Form wird auch in Mekka und Medina während des Ramadan durchgeführt. Wer die Möglichkeit, Zeit und auch die nötige Ausdauer hat, sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen. Auch hierfür gibt es gewaltigen Lohn.

Itikaf und Lailat ul Qadr

In diesem Monat gibt es die Möglichkeit Itikaf (das sich zurückziehen im Monat Ramadan) zu verrichten. Der Itikaf geschieht in den letzten 10 Tagen des gesegneten Monats Ramadan und ist vor allem für Muslim*innen eine Möglichkeit, sich ihrem Glauben stärker zu widmen. Er ist allerdings auch zeitaufwändig und benötigt auch den Verbleib in der Moschee, sodass er gerade in Deutschland, wahrscheinlich nicht einfach so gemacht werden kann, wenn man denn nicht gerade Urlaub hat oder keine sonstigen Verpflichtungen.

Gerade die aktuelle Pandemie erschwert ein solches Zurückziehen in der Moschee. Deshalb blicken viele Muslim*innen auch eher auf die Nacht des Schicksals. Die Lailat ul Qadr (Nacht des Schicksals) fällt auf eine Nacht in den letzten zehn Tagen von Ramadan. Diese besondere Nacht gilt als segensreich, da in ihr der Koran al Karim offenbart wurde. Aus diesem Grund sollte man vor allem die letzten zehn Nächte des Ramadan noch einmal in sich gehen und noch intensiver diese zehn Tage und Nächte mit gottesdienstlichen Handlungen verbringen.

“Wir haben ihn wahrlich in der Nacht des Schicksals herabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht des Schicksals ist? Die Nacht des Schicksals ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel und der Geist mit ihres Herrn Erlaubnis herab, mit jeder Angelegenheit. Frieden ist sie bis zum Anbruch der Morgenröte.”

Koran, Sura 97, Verse 1-5

An andere Denken

Was wäre der Monat Ramadan, wenn man ihn nur für sich selbst und allein leben würde? Aber leider passiert genau das. Wir schaffen es nicht, diesen Monat in seiner vollen Verantwortung zu verbringen. Ramadan bedeutet eben nicht nur fasten, nicht nur religiöse Handlungen vorzunehmen, es ist auch der Monat der Gemeinschaft.

Was ich jedes Jahr im Ramadan vermisse, ist Folgendes: Wir denken nicht an die Menschen um uns herum. Ja, sicher, jeder von uns zahlt seine Zakatul Fitr (Fitre – in diesem Jahr übrigens erneut 10 €) oder seine Zakat. Einige von uns geben auch sicherlich mal hin und wieder eine Sadaqa.

Aber mal ehrlich, wer von euch erkundigt sich auch mal seinen Nachbarn, ob es ihnen gut geht? Wer von euch fragt seine Geschwister im Islam, ob diese Sorgen haben? Wie viele von euch wissen, ob es in der eigenen Familie Menschen gibt, die Sorgen und Not haben? Wie viele von euch helfen älteren Menschen beim Einkauf, während der Pandemie? Wie viele von euch machen im Bus Platz für ältere Menschen, die auf der Fahrt eigentlich nicht stehen können?

Wir geben jedes Jahr so viel Geld für die Hilfe in anderen Ländern dieser Welt aus. Die Zakat geht insbesondere hierfür mit drauf. Aber liebe Geschwister, was ist mit den Armen, die um uns herum sind? Müssten wir nicht zuerst an die Menschen hier denken? An die Menschen um uns herum? An die Obdachlosen, die auch ein Anrecht auf Beachtung durch uns verdienen? An die Menschen, die aufgrund des Systems Sorgen haben und davon nicht wegkommen?

Fragt und spricht mit eurem Umfeld. Ein jeder Mensch hat seine Sorgen, die er nicht mit euch teilt.