Symbolbild: Niyya, Sahur und Iftar

Niyya, Sahur und Iftar

Niyya, Sahur und Iftar sind Begriffe, die eng mit dem Fasten von Muslim*innen im Ramadan verknüpft sind. Eine Erläuterung der Begriffe für alle Interessierten.

Fasten ist keine Angelegenheit, die man auf die leichte Schulter nimmt. Als Muslim*in muss man sich den Ernst der Lage vor Augen halten. Fasten ist eine gottesdienstliche Handlung (ibada). Wie bei anderen Gottesdiensten auch ist die Absicht eine wichtige Voraussetzung, um das Wohlgefallen Allahs (ﷻ) erlangen zu können. Nur eine Person, die mit einer festen Absicht fastet, fastet für Allah (ﷻ).

Niyya

Mit seiner Niyya (Absichtserklärung) bringt eine muslimische Person zum Ausdruck, dass sie fasten möchte. Zwar ist es in diesem Fall nur ausschlaggebend was die Person im Herzen trägt, trotzdem sollte man die Niyya in Worte fassen. Dies wirkt zum einen motivierend, zum anderen macht man sich die eigenen Absicht bewusster. Dies könnte beispielsweise so aussehen: “Hiermit fasse ich die Absicht (niyya) am morgigen Tag des Ramadan zu fasten.

Man kann seine Absicht aber auch durch konkludentes Verhalten zum Ausdruck bringen. Wer sich nachts vor dem Schlafengehen fest vornimmt, am nächsten Tag zu fasten, und hierfür auch in den frühen Stunden vor der Morgendämmerung aufstehen will, der hat sozusagen seine Niyya, seine Absicht gefasst.

Zeiten für die Niyya im Ramadan

Um fasten zu können, muss die Niyya an dem Tag, an dem man gedenkt zu fasten, spätestens kurz vor der Morgendämmerung gefasst worden sein. Eine Niyya nach der Morgendämmerung ist ungültig. Dies hätte zur Folge, dass man den versäumten Tag nachholen muss. Es sei erinnert: Wer in der Nacht aufgestanden ist, um zu fasten, hat seine Niyya bezeugt.

Man kann seine Niyya auch bereits nach dem Sonnenuntergang vor dem nächsten Fastentag fassen. Es ist erlaubt beispielsweise das Fasten zu beenden und gleichzeitig schon die Absicht zu fassen am nächsten Tag des Ramadan erneut zu fasten.

Sahur

Für Muslim*innen ist zudem die Zeit vor der Morgendämmerung wichtig. Sie wird im Allgemeinen als Sahur bezeichnet. Es ist empfohlen nachts aufzustehen und eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen und zu trinken, um Kraft für das Fasten am Tage zu haben. Allahs Gesandter, Prophet Muhammed (ﷺ) sagte diesbezüglich: “Esst während des Sahur, denn das Essen zu dieser Zeit ist segensreich.” [Riyad us Salihin, Band 2 S. 495]

Diese Zeit hat zudem eine spirituelle Bedeutung. Es ist die Zeit in der die Bittgebete (dua) der Menschen angenommen werden sollen. Wer also zum Sahur aufsteht, sollte auch ein Bittgebet aufsagen in welchem er um Vergebung für seine vergangenen Sünden bittet. So nutzt man die Zeit und den Moment für eine innerliche Stärke.

Iftar

Eine Person, die ihr Fasten eingehalten und nach Sonnenuntergang beendet hat, fühlt sich stark und glücklich. Die größte Belohnung aber steht fastenden Muslim*innen nach ihrem Tod zu. Unser geliebter Prophet Muhammed (ﷺ) sagte laut einer Überlieferung von Abu Saeed (ra) hierzu:

Allah, möge ER gepriesen und erhaben sein, sagt: Das Fasten ist für mich, ich werde es belohnen. Der fastende Mensch hat zwei Momente der Freude: Wenn er Iftar macht und wenn er seinem Herrn begegnet. Bei dem Einen, in DESSEN Hand die Seele Muhammads liegt, der Geruch, der aus dem Mund des Fastenden kommt, ist vor Allah besser als der Duft von Moschus.

Sunan an-Nasa’i, Hadith Nr. 2213

Und nun muss man natürlich noch klären, was Iftar bedeutet. Iftar bedeutet, kurz gesagt, das Beenden des Fasten nach Sonnenuntergang.

Wie beenden Muslim*innen ihr fasten?

Die meisten Muslim*innen gönnen sich zu dieser Zeit zunächst eine Kleinigkeit (beispielsweise eine Dattel) und beten zuerst das Abendgebet und Essen danach. Häufig wird das Essen im Familienkreis jedoch vorgezogen und das Gebet danach verrichtet. Es unterscheidet sich ebenfalls von Kulturkreis zu Kulturkreis.

Wichtig ist, dass man es mit dem Essen auf keinen Fall übertreiben sollte. Fasten kann sogar ungesund sein, wenn man sich beim Iftar einfach nur grauenvoll vollstopft. Es sollte immer normale Portionen zu essen geben und man sollte immer nur so viel Essen, dass man nicht zu satt ist.

Kein Fastenbrechen!

Übrigens: Auf das Wort „Fastenbrechen“ sollten Muslim*innen nach Möglichkeit verzichten. Dies ist eine deutsche Übertragung für Iftar, die negativ konnotiert ist. Muslim*innen brechen nicht ihr Fasten, sondern beenden es. Außerdem ist das Wort “brechen” negativ behaftet, weil es an “erbrechen” oder “Erbrochenes” erinnert. Ein negatives Framing einer besonderen Zeit sollte erst Recht von Muslim*innen vermieden werden.

Sunna-Dua zur Iftar-Zeit

Es ist Sunna (Tradition) zur Iftar-Zeit folgendes Dua auszusprechen: “Allahumme leke sumtu ve bike amentu ve aleyke tevekkeltu ve ala rizkike eftartu ve savmelgadi min schehri ramazane neweytu fagfirli ma kaddemtu wa ma ahhartu”

Bedeutung: “Oh Allah, um dein Wohlgefallen zu erlangen habe ich gefastet, an dich geglaubt, dir vertraut. Mit deinen Gaben habe ich mein Fasten beendet und für den morgigen Ramadan-Tag meine Niyya vollzogen. Vergib mir meine vergangenen und zukünftigen Sünden.