Ramadan – Warum ist der Fastenmonat so wichtig?

Ramadan – Warum ist der Fastenmonat so wichtig?

Warum ist der Monat Ramadan für Muslim*innen so wichtig? Diese Frage wird häufig gestellt und ist nicht einfach zu beantworten. Dieser Beitrag gibt eine zusammenfassende Übersicht zu den wichtigsten Gründen.

Folgende Punkte lassen sich festhalten:

  • Der gnadenreiche Koran wurde im gesegneten Monat Ramadan offenbart,
  • das Fasten im Monat Ramadan wurde Muslim*innen als Pflicht auferlegt,
  • die Nacht des Schicksals (Qadr-Nacht) liegt im Ramadan, diese gilt als segensreicher als tausend Monate,
  • während des Ramadan werden die Tore des Paradieses geöffnet, die Tore der Hölle geschlossen und die Teufel an Ketten gelegt,
  • das Tarawih-Gebet wird ausschließlich im Ramadan verrichtet,
  • Gläubigen, die den Ramadan nutzen, werden die Sünden vergeben,
  • der Ramadan ist ein sozialer Monat, der für Solidarität steht,
  • gottesdienstliche Handlungen, die im Ramadan verrichtet werden, werden mehr belohnt,
  • der Itikaf (das sich zurückziehen) ist ausschließlich im Ramadan möglich,
  • der Ramadan ist der Monat, um sich in Geduld zu üben und die Erziehung des eigenen Ego (Nafs) voranzutreiben.

Koran wurde im Ramadan offenbart

Das Fasten im Monat Ramadan wurde allen Muslim*innen im zweiten Jahr der Hidschra, also zwei Jahre nach der Auswanderung des Propheten Muhammad (ﷺ) von Mekka nach Medina, als Pflicht auferlegt. Alle Muslim*innen, die dazu in der Lage sind, müssen im Monat Ramadan fasten.

So heißt es hierzu im Koran in ungefährer deutscher Übersetzung:

Es ist der Monat Ramadan, in welchem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde als klarer Beweis der Rechtleitung und als Maßstab. Wer von euch in diesem Monat fähig ist, soll während seines Verlaufes fasten. Wer jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, der faste eine gleiche Anzahl anderer Tage (nach). Allah wünscht, dass ihr es euch leicht und nicht schwer und dass ihr die Zahl erfüllt und Allah dafür lobpreist, dass Er euch geführt hat. Und vielleicht seid ihr dankbar.

Koran: Sure 2, Vers 185; Übersetzung Max Henning

Im Ramadan wurde der Koran als Rechtleitung für die Menschen (nicht nur für Muslim*innen, sondern für alle Menschen!), herabgesandt. Es wird erläutert, für welche Muslim*innen das Fasten im Monat Ramadan vorgeschrieben ist: allen, die dazu fähig sind. In vielen Übersetzungen wird von “anwesend sein” oder “zugegen sein” gesprochen, das trifft es aber nicht ganz. Darauf deutet auch hin, dass die Ausnahmen derjenigen Gruppen erwähnt werden, die vom Fasten befreit sind. Den Muslim*innen wird aufgetragen, dass sie es sich nicht unnötig schwer machen, aber trotzdem ihr Fasten auch nicht vernachlässigen sollen. Am Ende steht der Wunsch Allahs (ﷻ), dass die Gläubigen dankbar sein sollen. Denn Fasten ist eine Barmherzigkeit für die Menschen.

Offenbarung des Koran in der Qadr-Nacht

Der gnadenreiche Koran wurde in der Qadr-Nacht (Nacht des Schicksals) im Monat Ramadan offenbart. Darauf weisen folgende Verse hin:

Wahrlich, Wir haben es hinabgesandt in einer gesegneten Nacht — Wir waren doch stets ein Warnender! -,

Koran: Sure 44, Vers 3; Übersetzung Max Henning

Wir haben ihn (den Koran) wahrlich in der Nacht des Schicksals herabgesandt.

Koran, Sure 97, Vers 1; Übersetzung Max Henning

Beide Verse beziehen sich – nach Mehrheitsmeinung – auf die Offenbarung der ersten Verse des Koran an den Propheten Muhammad (ﷺ). Der Koran wurde über einen Zeitraum von rund 23 Jahren Stück für Stück offenbart. Während des Ramadan lesen Muslim*innen deutlich häufiger als sonst den Koran und versuchen ihn zu verstehen und in ihrem Alltag zu verankern. Es ist traditionell üblich, dass Muslim*innen versuchen den Koran während des Ramadan vollständig zu lesen und besser zu verstehen.

Mukabala – gemeinschaftliches Lesen des Koran

Muslim*innen können während des Ramadan an der Tradition der “Mukabala” in Moscheen teilnehmen. Bei dieser Tradition wird an jedem Tag im Ramadan gemeinschaftlich in Moscheen der Koran gelesen. Teilnehmer*innen können dabei selbst den Koran lesen oder der rezitierenden Person einfach nur folgen. Zum Abschluss des Fastenmonats hat man durch diese Form der gemeinschaftlichen Rezitation einmal vollständig den Koran auf Arabisch gelesen. Dies wird als Vervollständigung (hatim) bezeichnet. Muslim*innen erhalten, entsprechend einem Ausspruch des Propheten (ﷺ) für jeden einzelnen gelesenen Buchstaben aus dem Koran eine Belohnung.

Die Tradition der Mukabala ist heute in den Moscheen und Gemeinden fest verankert. Sie geht auf den Propheten Muhammad (ﷺ) und den Erzengel Gabriel (as) zurück. Gabriel (as) hat jeden Ramadan die bisher offenbarten Verse des Koran dem Propheten (ﷺ) vorgetragen und ihn ebenfalls zur Kontrolle vortragen lassen. Dies war eine Form der Prüfung und Erinnerung der aufgeschriebenen und auswendig gelernten Verse aus dem Koran. Es wird berichtet, dass Gabriel (as) dem Propheten (ﷺ) im Ramadan vor dessen Tod zweimal den Koran vollständig vorgetragen hat.

Gabriel (as) wiederholte die Rezitation des Koran mit dem Propheten (ﷺ) einmal im Jahr, aber er wiederholte sie zweimal mit ihm im Jahr seines Todes. Der Prophet (ﷺ) blieb jedes Jahr zehn Tage in Itikaf (im Monat Ramadan), aber im Jahr seines Todes blieb er zwanzig Tage in Itikaf.

überliefert von Abu Huraira (ra), Sahih al Bukhari, Fedailil Koran, 7

Fasten im Ramadan ist eine Pflicht

Das Fasten im Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam. Es ist eine Pflicht für alle Muslim*innen, die dazu in der Lage sind. Das Fasten ist eine gottesdienstliche Handlung (ibadat). Es ist keine religiöse Neuerung, die ausschließlich durch Muslim*innen begangen wird. Fasten war bereits den Menschen vor der Offenbarung des Koran vorgeschrieben. Darauf deutet auch folgender Vers hin:

O ihr Gläubigen! Euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es den Menschen vor euch vorgeschrieben war. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig.

Koran: Sure 2, Vers 183; Übersetzung Max Henning

Dieser Vers stellt klar, dass das Fasten an sich keine neue Erfindung ist, sondern vielmehr eine Wiederbelebung einer alten religiösen Pflicht darstellt. Es war den Menschen bereits vor der Offenbarung des Koran als Pflicht auferlegt. Das zeigt sich anhand der religiösen Praktiken im Judentum oder auch im Christentum, wo man zu bestimmten Zeiten ebenfalls fastet. Dieses Fasten unterscheidet sich zwar rein äußerlich und in der Strenge vom islamischen Fasten, aber es ist – oftmals – eine religiös motivierte Handlung. Das Motiv dahinter ist es gottesfürtig (fromm) zu werden, so wie es der Vers ausdrückt.

Die Pflicht für das Fasten im Ramadan ergibt sich primär aus den oben aufgeführten Versen des Koran (2:185 und 2:183). Darüber hinaus gibt es auch in der Tradition (Sunna) des Propheten Muhammad (ﷺ) verschiedene Hinweise auf die Wichtigkeit des Fastens – ohne Auslassung – im Monat Ramadan. Das Fasten im Ramadan ist eine Pflicht und Muslim*innen müssen in diesem Monat fasten. Muslim*innen können durch das Fasten und gottesdienstliche Handlungen von ihren Sünden befreit werden. Als Beispiele dafür seien die zwei folgenden Überlieferungen angeführt.

Wer das Fasten des Ramadans mit Vertrauen wahrnimmt und Belohnung (durch Allah) sucht, dem werden alle seine früheren Sünden vergeben, und wer das Gebet beim Lailat-ul-Qadr (Qadr-Nacht) mit Glauben wahrnimmt und Belohnung (von Allah) sucht, dem werden alle seine früheren Sünden vergeben.

überliefert von Abu Huraira (ra), Sahih Muslim, Buch 6, Hadith 209

“Wer im Ramadan ohne Erlaubnis oder Krankheit das Fasten bricht, der wird es nicht wieder gutmachen (können), (selbst) wenn er für alle Zeiten fastete.”

überliefert von Abu Huraira (ra), Jami at-Tirmidhi, Buch 8, Hadith 42

Qadr-Nacht: Die Nacht des Schicksals

Wahrlich, wir haben ihn (den Koran) in der Nacht des Schicksals herabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht des Schicksals ist? Die Nacht des Schicksals ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel und der Geist mit ihres Herrn Erlaubnis herab, mit jeglichem Auftrag. Frieden ist sie bis zum Anbruch der Morgenröte.

Koran: Sure 97, Verse 1-5; Übersetzung Max Henning

Die Qadr-Nacht gilt segensreicher als tausend Monate. Dies sagt auch der Koran und verweist entsprechend in Sure 97 auf die Besonderheit dieser Nacht. Die Qadr-Nacht wird – entsprechend einem Ausspruch des Propheten Muhammad (ﷺ) – in den letzten zehn Nächten des Ramadan vermutet. Es hat sich traditionell eingelebt, dass man die Nacht vom 26. auf den 27. Ramadan als Qadr-Nacht begeht. Sieht man sich die Aussprüche an, so ist zu vermuten, dass die Qadr-Nacht in einer der ungeraden letzten zehn Nächte des Ramadan befindet.

So wird auch empfohlen diese Nacht in Gebeten und gottesdienstlichen Handlungen zu verbringen. Darauf weist auch der oben bereits einmal ausgeführte Ausspruch des Propheten Muhammad (ﷺ) hin:

Wer das Fasten des Ramadans mit Vertrauen wahrnimmt und Belohnung (durch Allah) sucht, dem werden alle seine früheren Sünden vergeben, und wer das Gebet beim Lailat-ul-Qadr (Qadr-Nacht) mit Glauben wahrnimmt und Belohnung (von Allah) sucht, dem werden alle seine früheren Sünden vergeben.

überliefert von Abu Huraira (ra), Sahih Muslim, Buch 6, Hadith 209

Die Tore des Paradieses öffnen und die Tore der Hölle schließen sich im Ramadan

Der Gesandte Allahs (ﷺ) sprach: “Wenn der Ramadan beginnt, werden die Tore des Paradieses geöffnet, die Tore der Hölle geschlossen und die Teufel angekettet.”

Überlieferung unter anderem bei Al-Bukhari und Muslim

Tatsächlich gibt es verschiedenste Aussprüche in verschiedensten Längen hierzu. Allerdings muss man diese Aussprüche eher sinnbildlich verstehen. Der Prophet (ﷺ) wollte damit darauf aufmerksam machen, dass im Ramadan alle einzelnen Muslim*innen stärker gefordert sind als in anderen Monaten. Allah (ﷻ) will den gläubigen Menschen Belohnung geben für ihre guten Taten und ihre gottesdienstlichen Handlungen. Wer im Ramadan – angesichts der Bedeutung dieses Monats und der zahlreichen Möglichkeiten sich einzusetzen – nicht mehr tut als gewöhnlich, vergibt seine Chance auf Vergebung und Glückseligkeit. Gerade in diesem Monat fallen Muslim*innen gottesdienstliche Handlungen einfacher als in anderen Monaten. Der Ramadan ist so gesehen eine besondere Gelegenheit für alle Muslim*innen.

Tarawih-Gebet

Das Tarawih-Gebet ist eine Sunna, welche ausschließlich im Ramadan durchgeführt werden kann. Das Gebet wird zwischen dem Nacht-Gebet (ischa) und dem Witr-Gebet verrichtet. Von seiner Wortwurzel her steht das Wort “terawiha” für “ausruhen” oder “entspannen“. Das Tarawih-Gebet zeichnet sich dadurch aus, dass zwischen den Gebetseinheiten (rakat) Pausen eingelegt werden.

Das Gebet kann in der Gemeinschaft oder auch alleine verrichtet werden. Es kann aus 8, 10, 12, 14, 16 oder 18 Einheiten bestehen. Die Betenden können das Gebet in zweier-Schritten oder vierer-Schritten verrichten. Der Prophet (ﷺ) hat das Gebet auch in der Gemeinschaft angeführt. Die Tradition des gemeinsamen Gebets während des Ramadan wurde später vom Kalifen Umar (ra) wiederbelebt.

Abu Hurairah (Möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtete: Der Gesandte Allahs (ﷺ) pflegte dazu (das Volk) aufzurufen, das Nacht-Gebet (Tarawih) während des Ramadan-Monats zu verrichten. Er hat es für sie nicht angeordnet oder verbindlich gemacht. Er (ﷺ) sagte: “Wer im Ramadan-Monat das Nacht-Gebet (Tarawih) verrichtet, mit Glauben und in der Hoffnung, den Lohn Allahs (ﷻ) zu erhalten, wird seine vergangenen Sünden vergeben bekommen.”

überliefert bei Muslim, Buch 9, Hadith 198

Vergebung für frühere Sünden

Den Ramadan zu begehen und ihn mit gottesdienstlichen Handlungen zu verbringen ist wichtig. Fasten, den Koran lesen, Allahs (ﷻ) gedenken (dhikr), sich mit dem Leben des Propheten Muhammad (ﷺ) zu beschäftigen, sich weiterzubilden und sich für die armen in der Gesellschaft zu engagieren, sind wichtige mögliche Elemente des Alltags im Ramadan. Solches Verhalten kann auch dabei helfen, in Verbindung mit dem Gebet, Vergebung für frühere und kleinere Sünden zu erlangen.

Dafür muss man sich aber von den schlechten Dingen abwenden, sich von Verführungen fernhalten und vor allem Reue zeigen und die Sünden, die man begangen hat, nicht mehr wiederholen. Welch zentrale Rolle dabei das Gebet einnimmt, wird durch diesen Ausspruch des Propheten (ﷺ) sehr deutlich.

Wahrlich, der Gesandte Allahs (ﷺ) sprach: “Die fünf (täglichen) Gebete und von einem Freitagsgebet bis zum (nächsten) Freitagsgebet und von Ramadan bis (zum nächsten) Ramadan sind Sühne für die dazwischen begangenen (Sünden), sofern man die großen Sünden meidet.

überliefert von Abu Huraira (ra), Sahih Muslim, Buch 2, Hadith 19

Ramadan als sozialer Monat

Neben dem Fasten kommt in diesem Monat auch dem Verständnis und der Solidarität mit den Schwächsten aus der Gesellschaft zum Vorschein. Das Fasten macht die Herzen der Menschen weicher und empfänglicher für die Bedürfnisse derjenigen, die sich tagtäglich kein Brot leisten können. In diesem Monat ist es für viele selbstverständlich für die Bedürftigen zu spenden, Iftar-Veranstaltungen abzuhalten, wo auch die ärmsten der Gesellschaft speisen können und vor allem vom eigenen Besitz so viel wie möglich zu spenden und zu teilen.

Der Ramadan lädt dazu ein sich gegenseitig zu besuchen, zu unterstützen, gesellschaftlich einzubringen und an Problemlösungen zu arbeiten. Es bedeutet nicht, dass man sich Zuhause einschließt und darauf wartet, dass die Sonne untergeht, damit man wieder essen und trinken kann. Der Ramadan ist ein sozialer Monat und ruft die Menschen dazu auf mehr auf ihr Umfeld zu achten und etwas zu verändern. Sei es auch nur, dass die Gläubigen ihren fastenden Geschwistern ein Glas Wasser reichen, damit diese ihr Fasten beenden können. Auch dies ist eine segensreiche Tat.

Mehr Belohnung für gute Taten

Es gibt genügend Hinweise – aus Koran und Sunna – darauf, dass gute Taten immer mehr belohnt werden als schlechte Handlungen. Während eine schlechte Tat einfach zählt, kann eine gute Tat zehnfach oder auch mehrere hundertfach mehr zählen. Allah (ﷻ) ist großzügig im Rechnen. So bietet auch der Monat Ramadan immer wieder Möglichkeiten für mehr Belohnungen als gewöhnlich.

Wir haben einige bereits kennengelernt. Und ein paar können wir hier noch hinzufügen. Beispielsweise kann man mit sechs zusätzlichen Tagen Fasten im Monat Shawwal so viel Belohnung erhalten, als hätte man das ganze Jahr über gefastet oder mit einer Umra im Ramadan so viel Belohnung erhalten, wie bei einer Hadsch.

Abu Ayub (ra) berichtete, dass der Gesandte Allahs (ﷺ) sagte: “Wer den Ramadan fastet, und ihm dann mit sechs aus (dem Monat) Shawwal folgt, dann ist das (in der Belohnung) dem täglichen Fasten gleich.”

Dschami at-Tirmidhi 759, Buch 8, Hadith 78

Es wurde von Wahb bin Khanbash (ra) berichtet, dass der Gesandte Allahs (ﷺ) sagte: “Umra während des Ramadans ist gleichbedeutend mit der Hadsch (d. h. als Belohnung).”

Sunan ibn Majah, Buch 25, Hadith 3105

Der Ramadan bietet den Gläubigen so viele Gelegenheiten sich zu engagieren und zusätzliche Belohnungen zu erlangen. Dabei vernichten die guten Taten die schlechten Taten. Es kommt nur darauf an, dass man seine guten Taten mit reinem Herzen und in einer angemessenen Absicht verrichtet. Die Belohnung wird von Allah (ﷻ) kommen.

Zurückziehen – Itikaf

Itikaf, das sich zurückziehen während des Ramadan, ist eine prophetische Tradition (Sunna). Der Prophet (ﷺ) zog sich in den letzten zehn Tagen des Ramadan zurück. Heute ist dieses Zurückziehen vor allem im Kontext einer Moschee üblich. Zurückziehen bedeutet, dass die Person während des Itikaf die Räumlichkeiten der Moschee nicht mehr verlässt und sich vollständig auf gottesdienstliche Handlungen und das Gedenken Allahs (ﷻ) konzentriert. Man lässt damit auch die Themen dieser weltlichen Welt hinter sich. Itikaf ist eine Erziehung für den eigenen Willen.

Geduld und Ego (Nafs)

Wer während des Ramadan fastet, sich in Geduld übt und sein Nafs zügelt, wird reichlich belohnt. Wer dies aber auf eine Art tut, die nachhaltig ist, wird den Schlüssel zum Paradies und zu ewiger Glückseligkeit erlangen. Es ist eine Frage des Umgangs mit den Herausforderungen während des Ramadan. Wer ständig nur auf die Uhr schaut, damit er endlich etwas essen kann, hat sich nicht wirklich unter Kontrolle, obwohl er sich in Geduld übt. Es ist aber dieser kleine Schritt, den man gehen muss. Am Ende dieser Strecke wartet die Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung.

Wer sich selbst im Griff hat, kann von keiner Kraft dieser Welt aufgehalten werden. Wer beispielsweise versteht, wie vergänglich diese Welt ist und zugleich wie wichtig die Beherrschung des eigenen Egos ist, wird nie wieder Abhängigkeit verspüren und gleichzeitig die wahre Freiheit des Geistes und des Verstandes verstehen. Es ist eine Herausforderung für Muslim*innen in diesem Sinne zu fasten und auf dieser Höhe der Erkenntnis agieren zu können. Dafür braucht es aber eine Erziehung des eigenen Egos und viel Kraft und Geduld.

Fazit

Der Ramadan ist ein Monat, in dem sich Muslim*innen um mehr gottesdienstliche Handlungen, gute Taten und verschiedenste soziale Aktivitäten widmen, um das Wohlgefallen Allahs (ﷻ) zu erlangen. Es ist der Monat des Fastens, des Koran, der Spenden, der Solidarität und der zahlreichen Möglichkeiten, um gute Taten zu vollbringen. In diesem Monat bemühen sich Muslim*innen stärker als sonst um ihre Gebete und guten Taten. Muslim*innen bereiten sich auf diesen besonderen Monat vor und leben ihn anders, als ihre anderen 11 Monate im Jahr. Dies macht den Ramadan so besonders: Wie Muslim*innen mit dem Fastenmonat umgehen.