Moin und Salam - Archivbild von einem Gebet in einer Moschee in Hannover

“Moin und Salam” – Multimediablog über muslimisches Leben gestartet

Julius Matuschik hat mit “Moin und Salam” einen Multimediablog über die Geschichte des Islam in Deutschland und über muslimisches Leben in Deutschland gestartet. Das ambitionierte, interaktive Projekt will den Blick auf die Vielfalt des Islam und der Muslim*innen richten.

Während des XII. Zukunftsforum Islam in Düsseldorf habe ich den Fotojournalisten Julius Matuschik kennengelernt. Er leitete dort gemeinsam mit Raida Chbib einen Workshop. Matuschik stellte uns nicht nur die Facetten eines gegenwärtigen Islam in Medien und Gesellschaft vor, er berichtete auch über ein zukünftiges Projekt, dass er durch eine Förderung der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) als sog. Praxisfellow angehen würde. Diese Woche wurde der Startschuss für das Projekt “Moin und Salam” gegeben.

Matuschik will in sechs Kapiteln nach und nach die Geschichte und Gegenwart des Islam in Deutschland anhand von eigenen Bildern, historischem Bildmaterial und Audio- und Videobeiträgen nachzeichnen. Auf Instagram wurde bereits bekannt, dass es auch Interviews mit diversen Akteuren des deutschsprachigen Islam geben wird. Auch Raida Chbib ist im Projekt aktiv dabei. Sie ist Autorin der Texte, die auf dem Blog veröffentlicht werden. Bisher ist das erste Kapitel erschienen, dass vor allem als Rückblende dient und auf den geschichtlichen Hintergrund von Islam und Muslim*innen in Deutschland blickt.

Stereotype und Klischees bekämpfen

Zu den Zielen des Blogs gehört es mit Stereotype und Klischees aufzuräumen und einen besseren und besonderen Einblick in die muslimische Vielfalt zu geben. Das kann aus meiner Sicht auch zur Identitätsstiftung vieler Muslim*innen beitragen. Vermutlich wird erstmals – sieht man von den Versuchen des Zentralinstituts Islamarchiv ab – der deutsche Islam in Geschichte und Tradition nachgezeichnet und ein faires Bild von Islam und Muslim*innen dargestellt werden. Das sage ich nicht aufgrund vollmundiger Versprechen aus der Pressemitteilung der AIWG. Ich bin gerade auf Recherchearbeit für ein eigenes Projekt und wurde dabei auf “Moin und Salam” schon vor ein paar Wochen aufmerksam.

Vor knapp zwei Wochen kam dann auch ein entsprechender Hinweis aus Münster. Das Zentralinstitut Islamarchiv beherbergt vermutlich ein paar Bilder, die ich versuche für eine Biografie ausfindig zu machen. Das Islamarchiv ist aber weiterhin noch nicht direkt zugänglich und es steht die Aufstellung des Islamarchivs am Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) aus. Allerdings hat man mir die Kontaktdaten von Herrn Matuschik gesendet. Dieser hatte anscheinend die Möglichkeit verschiedene Exponate und Inhalte aus dem Islamarchiv abzulichten. Allein diese historischen Aufzeichnungen aus der Geschichte des Deutschen Islam dürfte die Arbeit, die jetzt als medialer Blog öffentlich zugänglich gemacht wird, wertvoll machen.

Islamische Vielfalt und muslimisches Leben zu wenig sichtbar

Matuschik selbst hofft darauf Medienschaffende dazu anregen zu können, verantwortungsbewusster bei der Bildauswahl vorzugehen. Die Berichterstattung in Deutschland sei von stereotyper Fotografie und einer Exotisierung sowie Framing des Islam und der Muslim*innen als etwas Fremdes geprägt. “Die islamische Vielfalt, muslimisches Leben und der Islam als Teil der deutschen Gesellschaft werden zu wenig sichtbar”, sagt Matuschik und macht auch darauf aufmerksam, dass der Islam nicht erst mit Gastarbeiter*innen nach Deutschland kam.

Nach Angaben der AIWG will der Fotojournalist “zu einem aktualisierten Narrativ über den Islam in Deutschland beitragen, das die zahlreichen Identitäten des Islams und der in Deutschland lebenden Muslim_innen abbildet”. Auf die Idee sei Matuschik bei der Durchsicht von historischen Fotos aus Archivbeständen von deutschen Muslim*innen gekommen. “Es war faszinierend für mich, solche Fotos zu sichten. Diese Bilder brechen mit der Erzählung, das der Islam erst mit den Gastarbeiter_innen nach Deutschland gekommen ist. Solche Fotografien sind unser kollektives Erbe. Ich fand die Idee spannend, die Erzählung fotografisch weiterzuführen und neue Fotos mit den historischen Bildern gemeinsam zu präsentieren“, sagt Matuschik.

Das Projekt bleibt dabei auch offen für die Beteiligung durch Außenstehende. Auf dem Instagram-Kanal können sich alle interaktiv beteiligen und unter dem Hashtag #moinundsalam eigene Bilder zum Thema teilen. Parallel zur Reportage soll eine Bilddatenbank entstehen, die von Journalist*innen und Wissenschaftler*innen genutzt werden soll.

Über die Projektbeteiligten

Julius Matuschik arbeitet als Fotojournalist für verschiedene On- und Offlinemedien. Er engagiert sich im Cameo Kollektiv e.V., wo er gemeinsam mit anderen Kreativen unter anderem soziokulturelle Projekte realisiert und Maßnahmen der kulturellen und politischen Bildung durchführt. Seit 2013 dokumentiert er fotografisch den Islam in Deutschland.

Dr. Raida Chbib ist Geschäftsführerin der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft. Sie studierte Politikwissenschaft, Völkerrecht und Islamwissenschaft an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn und promovierte an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in den Religionswissenschaften. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Migration und Religion, religiöse Vielfalt, Organisationsprozesse von Religion, insbesondere des Islams, sowie Politik und Islam in Deutschland.

Quellen für diesen Beitrag: AIWG Pressemitteilung