Die letzte Instanz - das Letzte

Warum es nicht hilft, wenn “Wir” über Rassismus sprechen

In der WDR-Sendung “Die letzte Instanz” mit Steffen Hallaschka hat es einen rassistischen Skandal gegeben. Doch hilft es über Rassismus in solchen Runden zu sprechen? Und was ist mit Diversität? Ein paar Gedanken zu grundsätzlichen Problemen solcher Sendungen.

Das Internet ist über den Westdeutschen Rundfunk (WDR) eingebrochen. In der Sendung “Die letzte Instanz” diskutierten ein paar weiße Kartoffeln darüber, was nun dran ist an Rassismus gegenüber Sinti und Roma und warum sie Bezeichnungen, die eindeutig antiziganistisch sind, nicht verboten sehen wollen. Nach dem Shitstorm haben sich bereits der Moderator Steffen Halloschka, Micky Beisenmerz und die Wasserstoffblondine Janina Kuntze mit halbherzigen Erklärungen versucht zu erklären. Im Grunde ein auswegloser Versuch, weil die betroffene Community solche Halbherzigkeiten auch nicht annimmt.

Die Erklärung des WDR war beschwichtigend und nicht ernst gemeint. In einem solchen Format hätte eine Person als “Betroffene” dabei sein müssen. Das Problem war weniger Diversität als vorgefertigte Meinungen von Entertainern, die keine Ahnung haben. Intendant Tom Buhroff leistete keine Abbitte, anders als beim Oma-Gate. Es zeigt, das Thema Antiziganismus und der neueste Shitstorm werden nicht wirklich ernst genommen und stiefmütterlich behandelt. Und der einzige, der “weiß”, wie sich Schwarze fühlen, Thomas Gottscholk, hat sich in lautes Schweigen eingehüllt. Aussitzen funktioniert immer.

Diversität hilft nicht gegen Rassismus

Jetzt muss man die Dinge richtig einordnen. Diversität hilft nicht gegen Rassismus und rassistische Meinungen. Wenn der WDR künftig in solche Runden Alibi-Kanaken einladen möchte, damit über das M-Wort, N-Wort oder eben das Z-Wort diskutiert werden soll, dann hilft das nicht weiter. Die rassistischen Worte werden reproduziert und transportiert. Eine diverse Runde kann nicht weiterhelfen. Das ist, um es mal mit meinem Lieblingsbeispiel zu erklären, wie der Ausländer, der in der Ausländer-Behörde arbeitet. Dieser Alibi-Kanake wird sich in solchen Runden nicht behaupten, in vielerlei Hinsicht zustimmen oder das Image der vom Rassismus und Ressentiment betroffenen Gruppe weiter kaputt machen.

Es hilft auch nicht weiter, wenn in die Runden irgendwelche Leute eingeladen werden, die sich mit dem Thema nicht auskennen. Ich kann nicht über Rassismus sprechen. Das ist nicht mein Fachgebiet. Und auch nicht jede von Rassismus betroffene Person kann über Rassismus sprechen. Diskussionen über Fremdbezeichnungen und Markierungen gehören auch in keine Unterhaltungssendung. Vielmehr sollte eher daran gedacht werden, dass Sendungen, die sich solchen Themen widmen wollen, grundsätzlich Expert*innen einladen, die eben einen Mehrwert leisten können und nicht in großer Runde untergehen.

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Talkshows haben ein Redaktionsproblem

Die Runde in der letzten Instanz war letztlich das Letzte. Aber die Schuld an solchen Konstellationen liegt nicht nur an den Beteiligten. Es fehlt ein Gespür für solche Dingen in den verstaubten und von GEZ-Gebühren aufgeblasenen Redaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Da denkt keiner an Experten oder an Rassismus, wenn die nächste Sendung geplant wird. Es geht um Quote, Aufmerksamkeit und letztlich auch um Unterhaltung für ein sehr homogenes, weißes Publikum. Das möchte nicht in seinen Vorurteilen erschüttert oder über “Sprachverbote” nachdenken.

Insofern war die voll Rassismus strotzende Sendung bestens auf das Zielpublikum ausgerichtet. Vermutlich haben viele Personen mit einem diversen Hintergrund noch nie etwas zuvor von der letzten Instanz mit Hallaschka gehört. Das liegt auch am Medienkonsum und der Ausrichtung auf das Zielpublikum. Sendungen, die diverse Zuschauer*innengruppen erreichen wollen, werden im System von Tom Buhrow eben nicht gefördert, sondern abgesetzt.

Insofern bleibt es bei meinem Aufruf Talkshows generell zu boykottieren. Die Stereotype und der Rassismus der transportiert wird, funktionieren auch nur deshalb, weil wir weiterhin diese Sendungen einschalten und uns über das Erwartbare empören. Vielleicht hat die Redaktion eben genau auf diesen Shitstorm gesetzt, der jetzt über den WDR eingebrochen ist.