Digitalisierung: Gaming aus der Sicht eines Vaters

Digitalisierung: Gaming aus der Sicht eines Vaters

Gaming ist bereits für Grundschüler*innen ein großes Thema. Eltern können Spiele und Spielekonsolen für das Lernen und als Motivationsschub nutzen. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Was muss man beim Gaming als Eltern beachten? – Aufgrund von Corona schreitet die Digitalisierung im Alltag schneller voran, als man es sich wünscht. Schon beim ersten Lockdown musste ich ein altes Tablet herauskramen und neu aufsetzen, damit meine Tochter ihre Aufgaben auf der Online-Lernplattform “Anton” selbst durchführen konnte. Ein eigenes Tablet oder Smartphone waren von unserer Seite nicht geplant, bevor sie 12 Jahre alt wird. Und selbst dann sollten solche medialen Elemente nur mit Einschränkungen genutzt werden. Letzte Woche nahm unsere Tochter jedoch an ihrer ersten Online-Video-Konferenz mit der gesamten Klasse teil.

Auf Empfehlung von meiner Seite her nicht mit Zoom, sondern mit Jitsi. Dafür durfte meine Tochter dann auch mein altes Macbook Pro ausleihen (das ich nur noch zum Schreiben benutze, die aber immer noch eine gute Kamera und Mikrofon hat) und kam sehr gut zurecht mit den Tücken der Technik. Nach der Besprechung konstatierte sie, dass solche Sitzungen ermüdend seien und beim nächsten Mal will sie sich auch was zu trinken mitnehmen. Diese Probleme kennen alle Menschen, die Telearbeit oder Office-Arbeit leisten, doch sollten sie eigentlich Kindern im Alter von 6 bis 7 Jahren erspart bleiben.

Gaming-Konsolen und Konsolen-Spiele sind sehr begehrt bei Grundschüler*innen

Ähnlich schnell schreitet auch die Digitalisierung im Gaming-Bereich voran. Meine Tochter hatte nur einen großen Wunsch für ihren Geburtstag. Dieser ließ sich so zusammenfassen: “Papa, ich möchte Mario Odyssey!” Super Mario Odyssey* ist ein Spiel für die Nintendo Switch Konsole* und laut USK ab 6 Jahren freigegeben. Die Konsole erfreut sich bei der Altersgruppe von Grundschüler*innen aktuell sehr großer Beliebtheit. Bei Freund*innen und ihren eigenen Cousi*innen hatte unsere Tochter das Spiel bereits kennengelernt und schwärmte nur noch davon. Also haben wir Geld zusammengelegt, Spiele besorgt und letztlich als Eltern auch Bedingungen vorab gestellt.

Seitdem darf unsere Tochter eine Nintendo Switch mit dem Spiel Mario Odyssey ihr Eigen nennen. Ihr kleiner Bruder schaut ihr gerne beim Spielen zu und wir als Eltern haben auch unseren Spaß. Aber im Grunde funktioniert es ganz gut. Gerade weil das Spielen am Fernseher auch eine Motivation darstellt, hilft es auch zu anderen unliebsamen Aufgaben zu motivieren. Während andere Eltern Spiele und Spielzeug als Druckmittel benutzen, funktioniert es bei uns tatsächlich als Motivationsschub. Das ist für uns ein großes Glück.

Gaming als Motivationsschub für unliebsame Aufgaben und zum Lernen

Sie macht ihre Hausaufgaben, lernt fleißig, übernimmt Verantwortung für ihren kleinen Bruder und spielt unregelmäßig und nicht mehr als 30 Minuten pro Tag an der Konsole. Das kommt den Empfehlungen von Expert*innen für ihre Altersgruppe auch sehr nahe. Wichtig ist vor allem, dass wir als Eltern auch darauf achten müssen, dass unsere Kinder nicht überreizt werden. Genau diese Gefahr herrscht immer wieder abstrakt vor, ohne das man es benennen kann. Meine Eltern hatte zum Beispiel in meiner Kindheit genau davor Angst, konnte es aber nicht in Worte fassen und reagierte mit Verboten.

Neben dem Spielerischen kann man solche Spiele auch mit Lerneffekten verknüpfen. Beispielsweise habe ich das Spiel “Animal Crossing: New Horizons*” besorgt, was sich bei uns aktuell größerer Beliebtheit erfreut als Mario Odyssey. Da unsere Tochter beispielsweise gerade intensiv dabei ist ordentlich Lesen und Schreiben zu lernen, passt das Spiel auch in die Lernentwicklung ganz gut. Sie liest mittlerweile deutlich flüssiger die Worte und Sätze vor, die in den Dialogfenstern auch gelesen werden müssen, um zu verstehen, worum es geht.

Motivationsschub durch Collect and Run Spiel

Das zehrt zwar Anfangs an den Nerven, bringt aber unsere Tochter auch dazu, das sie schneller versucht zu lernen, wie man richtig liest und versteht was da eigentlich geschrieben steht. In Verbindung mit dem Schulstoff ergeben sich hieraus auch neue Möglichkeiten. Animal Crossing: New Horizons ist laut USK ab 0 Jahren freigegeben. Es macht aber auch Erwachsenen Spaß. Meine Frau ist vom Spiel mittlerweile sehr begeistert. Wir haben jetzt alle vier je ein Zelt oder Haus auf der Insel unserer Tochter angelegt und helfen beim Sammeln und Lösen von Aufgaben.

Wichtig für uns ist, die Kinder nicht unbeaufsichtigt spielen zu lassen. Wir haben immer einen Blick auf die Spiele und was gerade gespielt wird. Es ist kein abgeschotteter Raum verfügbar, sondern nur das Wohnzimmer, wo man gemeinsam spielen darf. Ich glaube, dass dies auch den wesentlichen Unterschied macht. Wir spielen gemeinsam, abwechselnd, überlassen aber niemandem das Spiel für sein eigenes Zimmer und Zeiten, die eindeutig unangemessen sind. Gerade in Corona-Zeiten ergeben sich dadurch auch neue Möglichkeiten der Unterhaltung und Abwechslung für die Kinder.

Gaming auf Konsolen kann auch etwas für Nicht-Gamer*innen sein

Eine besondere Überraschung war übrigens das Verhältnis meiner Frau mit Konsolen-Spielen. In unserer kleinen Familie bin ich der Computer-Spiele-Fan. Seit wir vor 15 Jahren uns das Ja-Wort gaben, hat es keinen Tag gegeben, an dem meine Frau sich irgendwie für ein echtes Konsolen-Spiel interessiert hätte. Doch mit den Kindern hat auch sie ein gewisses Interesse entwickelt, auch damit die Kinder nicht komplett hilflos umherirren oder an Fragestellungen und Aufgaben verzweifeln müssen.

Ich selbst spiele alles Mögliche und sitze sowieso den ganzen Tag vorm Rechner. Dennoch gibt es bestimmte Abende, die ich mir in meiner Arbeitsecke gönne und in denen ich ein Ballerspiel oder auch strategische Spiele gebe. Das ist für mich auch teilweise ein Ausklang von einer harten Arbeitswoche ins wohlverdiente Wochenende. Gaming macht Spaß, ist mittlerweile auch ein E-Sport, aber ich bin immer noch der Meinung, dass wir uns in vielerlei Hinsicht mit unserer eigenen Spielphilosophie und Spielkultur auseinandersetzen müssen.

Dieser Beitrag ist der Versuch eines Hinweises für Eltern, die sich die Frage stellen, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Ich freue mich über Feedback.

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