Die Kaba, das Haus Allahs, in Mekka — Photo by Ömer F. Arslan on Unsplash

Die Eroberung von Mekka

Es gibt immer wieder Verwirrung über die Terminierung der Eroberung von Mekka. Dieser Beitrag will nur kurz auf das Thema eingehen und einen Überblick zu Mekkas Eroberung geben.

Pünktlich zu Silvester erzählen verschiedene muslimische Gruppierungen, man feiere an diesem Abend nicht Silvester, sondern die Eroberung Mekkas. Doch der 31. Dezember ist nicht das Datum, an dem Mekka erobert wurde. Einige Akteure suchen sich einfach eine Zuflucht oder Ausrede, um ihre “Alternativen” zu Silvester an Muslim*innen heranzubringen. Der 31. Dezember als Mythos von der Eroberung Mekkas ist daher falsch.

Die Eroberung Mekkas fand nach unserem heutigen Kalender am 11. Januar 630 statt. Dies ist die akzeptierte und häufigste Terminierung. Geht man vom islamischen Mondkalender aus, ist die Eroberung am 10. Tag von Ramadan des achten Jahres nach der Hidschra (Auswanderung des Propheten (saw) aus Mekka) erfolgt. Der Prophet Muhammad (saw) war mit einer Armee von 10.000 Muslim*innen ausgezogen, nach dem die Mekkaner*innen die Vereinbarung von Hudaibiya gebrochen hatten.

Was genau ist passiert? Wie kam es zur Eroberung?

Der Vertrag von Hudaibiya legte den Grundstein für die Einnahme und Eroberung Mekkas. Der Vertrag sah den Schutz muslimischen Lebens vor. Dies hatten die Sippschaft der herrschenden Quraisch und Mekkaner*innen vertraglich zugesichert. Allerdings griffen kurz vor der Eroberung Mekkas die Banu Bakr, eine Verbündete Sippschaft der Quraisch, die muslimische Sippschaft der Banu Huzaa an und töteten mehrere Angehörige der Sippschaft. Der Vertrag war damit zwar gebrochen, doch der Prophet (saw) forderte dazu auf, Wiedergutmachung zu betreiben. Dies wurde von den Herrschenden in Mekka verneint.

Entsprechend zog der Prophet (saw) mit einer Truppe in den Krieg und nahm Mekka fast ohne Blutvergießen ein. Dazu beigetragen hatte auch, dass der Prophet (saw) allen Beteiligten eine Amnestie gewährte, die nicht an den Kampfhandlungen teilnahmen. Laut Aufzeichnungen wurden zwischen 12 und 28 Mekkaner*innen bei den Kampfhandlungen getötet. Auf muslimischer Seite wurden laut Überlieferungen zwischen 1 und 3 Personen zu Märtyrern. Die meisten Mekkaner*innen flohen, während wiederum viele aufgrund der Güte des Propheten (saw) den Islam angenommen haben. Darunter auch Abu Sufyan, der als einer der Herrschenden über die friedliche Übergabe von Mekka mit dem Propheten (saw) verhandelt hatte.

Was ist kurz nach der Eroberung von Mekka passiert?

Der Prophet (saw) hielt sein Wort und gewährte allen, die sich nicht am Kampf beteiligt haben, eine Generalamnestie. Die Sicherheit der Leben der Menschen von Mekka wurde vom Propheten (saw) in einer zeitnahen Ansprache bei der Kaba festgehalten und bestätigt. Eine Verfolgung dieser von der Amnestie betroffenen Menschen wurde verboten. Eine Ausnahme bildeten etwa zehn Personen, die sich auch des Mordes schuldig gemacht hatten. Einige wurden bereits bei der Eroberung getötet, andere konnten fliehen und andere wurden später begnadigt.

Ein weiterer Punkt war, dass der Prophet (saw) Mekka als “haram” einstufte. Insofern wird heute auch von vielen Exegeten die Meinung vertreten, dass die Bezeichnung “al-haram” für Mekka verwendet wurde. Die Bezeichnung “Masdschid al-haram” wird für den Moscheekomplex genutzt, welcher damals noch nicht in dieser Form existierte. Tatsächlich wird Mekka durch diese Bezeichnung als geschützte Stadt eingestuft, was häufig in der Literatur ins Deutsche mit “heilig” übersetzt wird.

Zuletzt wurden die verschiedenen Figuren und Götzenbilder aus und im Umfeld der Kaba entfernt. Der Prophet (saw) verrichtete nach der Säuberung ein Gebet in der Kaba und bat Bilal ibn Rabah al-Habaschi auf die Kaba zu steigen und von dort aus den Adhan, den Gebetsruf der Muslim*innen, aufzusagen. Verschiedene Mekkaner*innen schworen daraufhin dem Propheten (saw) ihre Treue und wurden zu Muslim*innen.

Auswirkungen der Eroberung Mekkas?

Die Einnahme Mekkas wird heute verschieden interpretiert. Tatsächlich festigte die Eroberung die muslimische Gemeinschaft und sorgte dafür, dass sich der Islam über die gesamte arabische Halbinsel verbreitete und später auch die Expansion in andere Gebiete der Welt erreichte. Die Eroberung Mekkas ist daher in der islamischen Geschichte ein wichtiger Aspekt.

Die Einnahme erfolgte ohne Blutvergießen und stellt damit einen besonderen Erfolg dar. Mekkas Einnahme wird auch so gelesen, dass es den Beginn der Expansion ankündigt und zugleich auch letztlich als eine weitere Bestätigung für das Prophetentum Muhammads (saw). Die Vereinbarung von Hudaibiya wurde nämlich vor der Einnahme noch scharf kritisiert und als Niederlage gewertet. Tatsächlich legte die Vereinbarung aber den Grundstein für den Erfolg.

Wichtig ist auch, dass die Einnahme nicht losgelöst betrachtet werden darf, von der Güte, die den Menschen in Mekka zuteil wurde. Tatsächlich hat man nicht nur Mekka erobert, sondern die Herzen der Menschen.