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Jobsuche per Algorithmus: das Versagen der Job-Portale [Update]

Wieso die Jobsuche auf Jobportalen gerade aktuell sehr frustrierend sein kann, habe ich mal kurz notiert. Ein Erfahrungsbericht aus aktueller Jobsuche zu führenden Job-Portalen.

Jobsuche kann frustrierend sein. Das liegt in der Natur der Sache. Man muss seine Bewerbung auf Vordermann bringen, einen Lebenslauf aktualisieren, Wichtiges von Unwichtigem trennen und schließlich auch die verschiedenen Job-Portale und Bewerbungsplattformen ordentlich durchforsten. Bewerbungen abschicken ist bereits die halbe Miete, bevor es dann in Bewerbungsgespräche, Tests und Assessment-Center geht.

Die digitale Welt hat aber Schluckauf. Das merkt man sehr schnell, wenn man spezifischere Antworten erwartet, als uns die auf dem Markt etablierten Systeme liefern. Wer beispielsweise nach einem Job als „SEO-Manager“ sucht, bekommt Ergebnisse angezeigt, die für Marketing-Manager oder Online-Marketing-Manager oder Community-Manager oder sogar Projekt-Manager ausgelegt sind. Das lässt sich auf allen Portalen nachstellen und auch leider nachvollziehen.

Algorithmen erschweren die Suche nach passenden Jobs

Ähnliche Angebote werden angezeigt. Das ist nicht nützlich, wenn man genau weiß, was man möchte. Beispielsweise weiß man, dass man Online-Marketing-Manager zwar sein kann, sich dafür aber gar nicht interessiert. Ganz bestimmt will man aber kein „Customer-Success-Manager“, „Application-Manager“ oder „CRM- & Sales-Performance-Manager“ sein. Schon gar nicht der klassische Kundenbetreuer, der mit einem hochtrabenden „Key-Account-Manager“ angeworben werden soll.

Algorithmen sollen uns unser Leben eigentlich einfach machen. Doch die schiere Ungenauigkeit auf Jobportalen führt zu Problemen bei der Jobsuche. Die eigene Sichtung passender Angebote nimmt – trotz Digitalisierung – immer mehr Zeit in Anspruch. Dabei kann man auch seine Zeit vergeuden. Ein Beispiel ist eine Mail, die ich letztens erhalten habe.

Der Job-Agent des Portals war einfach definiert: Ich suche in Vollzeit, eine unbefristete Stellung in einem Unternehmen in Hamburg. Der Job soll sich um SEO drehen. Resultat: fünf Vorschläge, davon vier für ein Praktikum. Die letzte Stelle dann als „Werkstudent“. Auch die händische Suche zeigt immer wieder, wie voll die Datenbanken mit ungesuchtem Müll sind. Gleiche Angaben auf eines der bekanntesten Job-Portale in Deutschland. Ergebnis: fast immer nur Jobs als studentische Aushilfe.

KI-Automatisierung: Job-Empfehlungen für das eigene Profil

Nimmt man KI-Automatisierung ernst, müsste man von einem großen „fail“ sprechen. Interessanter wird es jedoch, wenn man sich vollends einlässt, Angebote passend zum eigenen Profil zusenden zu lassen. Das habe ich auf drei Plattformen gemacht. Resultat: Die meisten Angebote sind nicht zu gebrauchen und mindestens so problematisch, wie die händisch abgefragten Ergebnisse. Doch es gibt Lichtblicke: hier und da doch ein passendes Angebot.

Problematisch wird es dann im Detail. Beispielsweise steht dann in den Ergebnissen unter Anforderung etwas drin, was man gar nicht mitbringt. Eine Schlüsselqualifikation fehlt. Matching liegt trotzdem bei 82 %. Oder viel fataler: „Sie gehören zu den Top 10 % Kandidaten. Bewerben Sie sich frühzeitig!“ Die Angaben basieren aber auf den Angaben in den Profilen. Sie können von den Anforderungen erneut massiv abweichen und Bewerberinnen und Bewerber können trotzdem bessere Qualifikationen haben. Das lässt sich nicht pauschal anhand von Lebensläufen, die auch nicht immer gut gepflegt sind, sagen.

Es fehlen nützliche Filter

Ein Beispiel für einen fehlenden Filter bei allen Anbietern sind die Abschlüsse. Manche Unternehmen legen sehr viel Wert auf einen Bachelor oder Master. Andere hingegen geben auch Seiteneinsteigern oder Personen mit einer vergleichbaren Qualifikation eine Chance. Das kann man aber nicht sauber trennen. Tatsächlich ist auch nie wirklich klar, wie wichtig der Abschluss den Unternehmen ist.

Daneben fehlen auch weitere wichtige Filter. Ich möchte beispielsweise, wenn ich Vollzeit auswähle, dass keine Praktikanten- oder Werkstudentenstellen erscheinen. Warum kann man das bis heute bei vielen Portalen nicht einfach abwählen? Oder warum muss ich Jobs aus dem Performance-Marketing sehen, was ich gar nicht möchte? Warum werden mir Consultant-Stellen angeboten? Alles nicht abwählbar.

Geschäftsmodell will dir gar nicht den passenden Job vermitteln

Als ich mich kürzlich mit einem Freund, der Spezialist für Algorithmen ist, unterhielt und ihn fragte, warum bei meiner Jobsuche so viel Mist zusammenkommt, schaute er mich ungläubig an. Ich beharrte dann noch darauf, dass KI und Algorithmen doch viel weiter seien und gerade diese Portale bessere Ergebnisse auflisten müssten. Er lachte mich aus und erklärte zugleich, dass ich recht habe.

Das Geschäftsmodell solcher Jobportale basiert nämlich darauf, dass die Anzeigen, die geschaltet werden, auch gesehen und angeklickt werden. Entsprechend wird keines dieser Portale versuchen mir das „beste Ergebnis“ für mich zu zeigen. Stattdessen werden Anzeigen so ausgespielt, dass die Anzeigenkunden sehen, wie oft eine Anzeige ausgeliefert wurde, wie groß die Reichweite war und wie häufig drauf geklickt wurde.

Letztlich machen Job-Portale genau das, was ich auch mache: Anzeigenoptimierung. Der Unterschied ist nur: Bei mir sind Leads der Versuch Menschen für das Produkt zu begeistern. Die Portale brauchen nur Klicks und Öffnungen, keinen wirklichen Bewerbungen. Je länger meine Jobsuche letztlich dauert, desto häufiger klicke ich auch Anzeigen an.

Ausnahmen verursachen neue Probleme

Eine Ausnahme zwischen all diesen Portalen bildet übrigens die Jobbörse der Arbeitsagentur ab. Die Filter, Suchmasken und auch die gesuchten Dinge werden hier tatsächlich gefunden. Allerdings ist die Datenbank so groß und die Datenmenge so exorbitant, dass man hier auch nicht wirklich weiterkommt. Die Angebote sind auch nicht immer wirklich seriös, obwohl sich die Arbeitsagentur viel Mühe gibt.

Fakt ist, die Qualität der Einträge ist oft ungenügend. Neuerdings öffnen bestimmte Portale jedoch auch ihr Angebot für diese Einträge aus der Jobbörse. Das Resultat ist jedoch nicht zufriedenstellend. In einer Vielzahl von Fällen konnte man in den vergangenen Wochen beispielsweise beobachten, wie eine Flut von Daten auf bestimmten Portalen zu Verwirrungen sorgten. Daten aus der Jobbörse, die veraltet waren und zu Stellenangeboten führten, die nicht mehr aktuell sind und gar nicht vorhanden, wurden auf den Portalen als ganz neue Jobs aufgeführt.

Fazit: Die händische Sichtung bleibt alternativlos

Digitalisierung kann viel von diesen problematischen Ansätzen lernen. Es würde schon ausreichen, wenn man einen Bot ansetzt und selbst anklickt, was relevant ist und was nicht. Die Auswertung könnte dann in eine KI oder ein maschinelles Lern-Gebilde überführt werden, die versteht, was der Kunde eigentlich möchte. Erste Ansätze gibt es bereits, diese bleiben aber auch weiterhin nur Nischenprodukte und oftmals viel zu grob. Detailtiefe fehlt weiterhin.

An anderer Stelle kann man aber durchaus nachbessern, ohne sich viel Mühe zu geben: Mittlerweile lasse ich Mails, in denen Wörter wie Praktikum, Praktikant, Werkstudent, Aushilfe oder ähnliches drin steht, gleich ungesehen in den Mülleimer wandern. Meistens kommt aus solchen Mails auch nichts Gutes bei raus. Die händische Sichtung bleibt daher leider alternativlos.

[Update – 14. Mai 2020]

Metajobs ist eine interessante Lösung

Nach Erscheinen dieses Beitrags hat sich das Social Media Team von MetaJob bei mir gemeldet und mich auf ihre Metasuchmaschine für Stellenausschreibungen aufmerksam gemacht. Ich habe den Dienst mal schnell getestet und bin mit den Filtern in der Detailsuche durchaus zu den von mir gewünschten Ergebnissen gekommen. Allerdings ist die Qualität hier auch davon abhängig, welche Stellenausschreibungen von welchen Quellen eingebunden sind.

Bei manchen Ergebnissen führte ein Klick auf die Ausschreibung zu nicht mehr vorhandenen Datensätzen. Das war aber eher die Ausnahme. Der Filter in der Detailsuche bietet aber alle gewünschten Möglichkeiten, die ich oben beschrieben habe. Auch mit Ausschlüssen und Teilsuchen nach Begriffen. Suchen können auch gespeichert werden. Leider kann man sich keine automatischen Mails mit einer tiefergehenden Einstellung in der Detailsuche zusenden lassen. Nicht alles wird für automatische Mails übernommen. Das ist aber immer noch deutlich besser gelöst, als die Standardfilter bekannter Accounts ermöglichen.

Braucht es einen Premiumaccount bei der Jobsuche?

Diese Frage wurde mir auf XING gestellt. Ich finde sie wichtig und baue meine Antwort auch hier ein. Grundsätzlich kann man die Dienste vollständig ohne Premiumaccounts nutzen. Ich selbst habe auch keine wirklichen Vorteile von Premiumaccounts bei der Jobsuche feststellen können. Es gibt aber durchaus Funktionen, die einen Premiumaccount rechtfertigen und notwendig machen könnten. Beispielsweise erweiterte Präsentationen von Portfolios in den Lebensläufen. Man kommt aber meistens auch sehr gut ohne aus.

Hinweis: Der Autor befindet sich aktuell auf Jobsuche. Er hat seit etwa vier Wochen Premium-Accounts von verschiedenen Portalen getestet. Unter anderem sind in diesen Beitrag Erfahrungen aus monster.de, stepstone.de, XING, Linkedin Jobs und der Jobbörse der Arbeitsagentur geflossen.

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Akif Sahin

Akif Sahin | Blogger, Muslim, Speaker und SEM-Experte aus Hamburg | Schreibt zu analogen und digitalen Themen wie Social Media, (Online-)Marketing, Feuilleton und WordPress.

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Ein Kommentar

  1. Lieber Bruder,

    vielleicht ist das Problem auch einfach, das es die Berufsbezeichnung ‚SEO-Managers‘ in Deutschland gar nicht gibt – der Algorithmus nimmt dann einen Schreibfehler an und schaut, was Deiner Eingabe orthografisch am nächsten kommt (und kommt nicht wirklich weiter, da dem auch keine andere Berufsbezeichnung wirklich orthografisch nahe kommt).

    Versuche es mal mit der deutschen Bezeichnung ‚ Suchmaschinenoptimierer‘. Und nicht nur als Beruf sondern auch in der Stellenbeschreibung, denn vielleicht benutzt jemand eine ganz andere Berufsbezeichnung („Web-Manager“, „Online-Manager“, was auch immer) und es steht erst in der Stellenbeschreibung, dass der Schwerpunkt der Arbeit im Bereich SEO/Suchmaschinenoptimierung liegt.

    Was die akademische Qualifikation betrifft ist die Erklärung ganz einfach: viele Personaler wissen selbst nicht so genau, wie wichtig ihnen das ist. Im Zweifel ist eine akademische Ausbildung natürlich ein Vorteil aber wenn sich niemand mit akademischen Hintergrund bewirbt oder diese Bewerber den konkreten Job nicht beherrschen muss auch der Personaler flexibel werden. Ich würde mich auf jeden Fall bewerben, auch wenn ich den eigentlich gewünschten Abschluss nicht habe.

    Ich wünsche Dir weiterhin einen gesegneten Ramadan.

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