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N26 führt digitale Kartenversionen mit beschränkter Gültigkeit ein

Über die jüngste Neuerung bei N26 muss gesprochen werden - auch weil die Digitalisierung im gesamten Bankensektor weiter sein könnte als sie es aktuell ist.

Wer meinen ersten Beitrag über die „Digital-Bank“ N26 gelesen hat, weiß, dass ich für dieses Fintech schwärme. Das hat sich seit 2018 auch nicht geändert. Ich nutze mein Zweitkonto weiterhin und überweise jeden Monat mein persönliches „Taschengeld“ auf mein N26-Konto. Das hat auch dazu geführt, dass ich kaum noch Bargeld bei mir trage. Gerade in Nicht-Corona Zeiten hatte ich über mehrere Wochen lang kaum mehr als 20 Euro bei mir. Meistens auch nur für den Kiosk um die Ecke. Stattdessen wurde überall, selbst im Shisha-Café, mit Karte gezahlt.

Trotz dieser Schwärmerei, irritiert mich die Arroganz klassischer Banken weiterhin. Wieso kopieren die Banken nicht die erfolgreiche Strategie von N26? Dass die Strategie erfolgreich ist, ist mittlerweile – trotz Meldungen über Probleme – unumstritten. Sowohl die Akquirierung neuer Gelder als auch der Ausbau des Kundenstamms gehen weiter. Das spricht für die Bank, während klassische Banken es nicht mal hinbekommen die Abbuchungen auf dem Konto in Echtzeit darzustellen.

Neues Feature bei N26: Marketing auf höchstem Niveau

Dass die Digitalisierung im Bankensektor weiter gehen wird, zeigt sich auch an einem vorgestellten neuen Feature, dass N26 am Montag (6. April 2020) auch im hauseigenen Blog näher erläutert hat. Dabei wird aus Marketing-Sicht das volle Register gezogen. So verweist die Bank einerseits auf ein aktuelles Thema (Corona), andererseits nimmt man aber Themen vieler Kundinnen und Kunden auf – den sofortigen Einsatz des Zahlungsmittels und Befürchtungen, die erwartete Bankkarte könnte aufgrund von Lieferverzögerungen zu spät ankommen. Dazu kommen ganz praktische Probleme.

N26 nutzt die Krise als Chance und platziert eine neue Funktion, die mehr Vertrauen aufbauen soll. Künftig kann man im gesamten EU-Raum nach der Einrichtung eines Kontos auch eine digitale Version der eigenen Mastercard in Google Wallet oder Apple hinterlegen. Damit müssen Kunden nicht mehr bis zur Lieferung einer physischen Karte warten, um ihr N26-Bankkonto nutzen zu können. Dank NFC-Chips in Smartphones sind die Kunden damit in der Lage sowohl Online als auch Offline in Geschäften zu bezahlen.

Pressebild von N26 - Gutes Marketing gehört bei dieser Bank zum Geschäftsmodell dazu.
Pressebild von N26 – Gutes Marketing gehört bei dieser Bank zum Geschäftsmodell dazu.

Voraussetzungen und Einschränkungen beim Einsatz

Vorausgesetzt für die Funktionalität wird eine Einzahlung auf das neue Konto. N26 gibt auch an, dass es ein Tageslimit für Zahlungen in Höhe von 200 € gibt. In der Pressemitteilung erklärt Georgina Smallwood, Chief Product Officer bei N26, dass die Nachfrage nach mobilen Bezahlmöglichkeiten während der Covid-19-Krise zugenommen habe. „Wir haben daher intensiv an einem entsprechenden Feature gearbeitet, um unseren Kunden zu ermöglichen, ihr Bankkonto sofort bequem und flexibel zu nutzen.“

Bei N26 wird auch auf einen Nebennutzen einer digitalen Kartenversion hingewiesen. Diese sei beispielsweise auch bei Verlust oder Diebstahl einsetzbar. Allerdings bleibt der Einsatz der digitalen Kartenversion nur eine vorübergehende und eingeschränkte Lösung. N26 selbst gibt an, dass die neue Funktion für alle N26 Kunden verfügbar ist, die „entweder auf die Zustellung ihrer Karte warten, eine Ersatzkarte bestellt haben oder die ein Upgrade auf ein Premiumkonto vollzogen haben.“ Nach der Aktivierung könne die digitale Karte im Mobile Wallet nur 30 Tage lang genutzt werden.

Vom Provisorium zu einer Dauerlösung?

Es könnte sich aber andeuten, dass die digitale Kartenversion – aktuell nur ein Provisorium für viele Kundinnen und Kunden – langfristig eine dauerhafte Lösung darstellt. Tatsächlich sind heute schon viele N26-Nutzerinnen und Nutzer dazu übergegangen in ihren Wallets die Kreditkartendaten ihrer Mastercard von N26 zu hinterlegen, um bequem mit dem Smartphone zu zahlen oder Online-Einkäufe noch schneller abzuwickeln. Digitale Kartenversionen haben hier natürlich ihre Vorteile – beispielsweise wenn man gerade seine Karte nicht zur Hand hat und nicht im Täschchen danach suchen möchte.

Es bleibt das Manko, dass an den meisten Geldautomaten in Deutschland jedoch keine Auszahlungen über solche Lösungen verfügbar sind. Entsprechend werden physische Karten vermutlich nicht aussterben, solange der Zahlungsverkehr nicht umgestellt wird, was bei der Geschwindigkeit in Deutschland bei der Digitalisierung noch Jahre dauern kann. Auf der anderen Seite tut Schnelligkeit auch nicht Not. Es gibt genügend Kritik an komplett digitalen Lösungen im Bankensektor.

Vertrauen ist gut, gute Skepsis besser!

N26 zeigt gerade – mit vielen anderen Konkurrenten aus der Fin-Tech-Branche gemeinsam – auf, was alles möglich ist in der digitalen Bankenwelt. Zwar versprechen alle Seiten immer wieder, die eingesetzten Systeme seien sicher, doch das sagen auch klassische Banken. Trotzdem kommt es immer wieder zu Problemen. Als jemand, der in der Übergangsphase zwischen analoger und digitaler Welt mit türkischen Wurzeln groß geworden ist, weiß ich warum ich immer noch Paranoia bekomme, wenn eine Krise vor der Tür steht. Beispielsweise hebe ich dann u. a. Geld von der Bank ab.

Ich weiß auch, warum ich immer ein mulmiges Gefühl habe, wenn die App für die Bank und die SMS-TAN auf dem gleichen Handy landen. Ich weiß auch, warum ich mir für meine NFC-fähigen Bankkarten extra ein Portemonnaie angeschafft habe, dass die NFC-Signale nicht durchgehen lässt. Es ist richtig, bei aller Euphorie und all den Möglichkeiten, weiterhin skeptisch zu bleiben. Das sollte aber nicht davor abschrecken sich mit neuen Möglichkeiten anzufreunden, die auch Zeitersparnis und mehr Gelassenheit bedeuten können.

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Akif Sahin

Akif Sahin | Blogger, Muslim, Speaker und SEM-Experte aus Hamburg | Schreibt zu analogen und digitalen Themen wie Social Media, (Online-)Marketing, Feuilleton und WordPress.

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