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Lernen zu Hause – neue Lernplattform School to go

Wie kann zu Hause lernen gut gelingen und was können Eltern für digitales Lernen Zuhause tun? Neue digitale Lernplattform "School to go" kann Anregungen geben.

In Zeiten von Corona und geschlossenen Einrichtungen wie Schulen und Kitas fragt man sich als Vater von Kindern natürlich, was man gemeinsam mit den Kindern machen und lernen soll. Auf einen solchen Fall, wie aktuell, ist man nicht vorbereitet, auch weil das deutsche Schulsystem keinen Heimunterricht (Homeschooling) vorsieht. Doch jetzt braucht es Alternativen, sonst kann es passieren, dass die Kinder nur noch vor Glotze hängen.

Zwar bin ich schon immer gut gewappnet für den Unterricht an Schulen ab Klasse 1 gewesen – viel Erfahrung durch Nachhilfe und Zugang zu Lehrbüchern und Lehrmaterialien – aber auch ich bin etwas überfragt, was Lerninhalte außerhalb von Schulen angeht. Kenner dieses Blogs und meiner Person wissen, dass ich vielfach interessiert und mit einer guten Allgemeinbildung gesegnet bin. Aber auch ich stoße an Grenzen, wenn ich nicht auf vermittelten Unterrichtsstoff und Lehrplänen an Schulen aufbauen kann.

Tipp von einem befreundeten Lehrer – School to go

Vorgestern rief die Klassenlehrerin meiner Tochter an, um zu versuchen uns ein paar Tipps zu geben. Es wurde eher ein Gespräch über die aktuelle Corona-Lage. Wirklich nützlich waren die Tipps am Ende auch nicht. Die Lehrkräfte müssen auch größtenteils aufs Homeoffice ausweichen, betreuen so weit wie möglich Eltern und Kinder. Wirklich digital arbeiten können die Lehrkräfte aber weiterhin nicht, obwohl im vergangenen Jahr der sog. Digitalpakt beschlossen wurde.

Zwar wurden mehrere Millionen aus diesem Digitalpakt-Fonds schon angefordert und verplant, aber das reicht bei Weitem nicht aus, um z. B. an einer einfachen Grundschule hinterm Deich digitales Lernen für Schülerinnen und Schüler von Zuhause zu ermöglichen. Digital geht einfach anders, als es in Deutschland umgesetzt wird. Ein befreundeter Lehrer gab mir nach einem kritischen Gespräch daraufhin einen kleinen Tipp für eine Plattform, die erst am Freitag gestartet ist und sukzessive ausgebaut werden soll – School to go. Er hatte von der Plattform über eine Pressemitteilung gehört.

Interessante Lernangebote für alle Altersstufen – didaktisch aufgebaut

Nach eigenen Angaben bündelt School to go „innovative Lernangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.“ Es sei zudem die erste Plattform für modernes Lernen, die wie ein Social-Media-Kanal funktioniere. Aktuell arbeite ein 20-köpfiges Team aus Didaktikern und Technologen an dieser Plattform, um motivierende, lehrplankonforme Inhalte zur Verfügung zu stellen. Die Lernangebote sind, so versprechen es die Macherinnen und Macher, qualitätsgesichert und stehen als Non-Profit-Lösung kostenlos zur Verfügung.

Verantwortet wird die Initiative durch das Forschungsinstitut Bildung Digital (FoBiD, https://fobid.org) von Prof. Dr. Julia Knopf und wird von der Didactic Innovations GmbH (https://didactic-innovations.de) in Kooperation mit dem DFKI-Forschungsbereich „Smart Enterprise Engineering“ unter Leitung von Prof. Dr. Oliver Thomas realisiert. Der Didacta Verband unterstützt als Kooperationspartner die Initiative (https://www.didacta.de).

Ausbaufähiges Angebot – Ergänzung zu eigenen Inhalten

Es gibt auf der Plattform tatsächlich Angebote für verschiedenen Fächer und jede Altersstufe. Dabei gibt es auch Hinweise auf externe Plattformen, mit denen beispielsweise Hörbücher aufgenommen und angehört werden können. Es gibt Chatbots, die helfen sollen Mathematik zu lernen oder auch Kurse für einen Einstieg ins Französische. Wer nach kreativen Ideen und Lernangeboten sucht, kann hier durchaus fündig werden. Bisher sind aber auch nur 36 Angebote auf der Plattform online.

Das ist ausbaufähig, aber ein interessanter Start für eine digitale Lernplattform, weil die Inhalte überzeugend wirken. Insgesamt kann man konstatieren, dass mit der Plattform womöglich eine gute Erleichterung für viele Eltern und Schülerinnen aufgestellt werden kann. Der Non-Profit-Ansatz ist da auch nur zu begrüßen, weil dadurch alle Interessierten von den Inhalten profitieren können, ohne auf ihre soziale Abstammung oder ihre Brieftasche schauen zu müssen.

Fazit

Ich selbst sehe das Projekt positiv, kann es aber noch nicht vollständig empfehlen. Meine Kinder sind zwei und sechs Jahre alt. Die Einschulung meiner Tochter war eigentlich für die Zeit nach Sommer geplant. Sie ist in der Vorschule und lernt gerade die wichtigsten Dinge vor dem Schulstart. In dieser Phase muss man sie intensiv begleiten. Dafür habe ich einen eigenen Lehrplan erstellt und um die Inhalte aus der neuen Plattform etwas ergänzt. Damit kommt ein bisschen mehr Spaß und Spiel rein.

Was mir allerdings Sorgen macht, ist die Tatsache, dass wir eventuell am Tempo des Schulunterrichts vorbeiziehen. Denn Einzelunterricht bedeutet auch immer, dass man sich sowohl mehr Zeit nimmt, als auch keine Rücksicht auf andere. Das bedeutet, dass wir auch unser eigenes Tempo beim Lernen bestimmen können – zumindest bis zum 19. April 2020. Solange haben wir jetzt mindestens Zeit voranzukommen. Die Schulen könnten dann wieder geöffnet sein. Höchstwahrscheinlich aber auch nicht.

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Akif Sahin

Akif Sahin | Blogger, Muslim, Speaker und SEM-Experte aus Hamburg | Schreibt zu analogen und digitalen Themen wie Social Media, (Online-)Marketing, Feuilleton und WordPress.

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