Site Kit by Google: WordPress-Plugin ohne Mehrwert

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Ende Oktober hat Google sein offizielles Plugin für WordPress, Site Kit, vorgestellt. Das Plugin vereint verschiedene Google-Dienste und soll eigentlich das Leben von Webmastern erleichtern. Nach einem zweiwöchigen Test habe ich das Plugin bei einem Projekt wieder deinstalliert. Die Hintergründe und warum das Plugin aus meiner Sicht aktuell ohne echten Mehrwert dasteht, beschreibe ich in diesem Beitrag.

Eigentlich ist Site Kit eine interessante Idee. Google verschmilzt in dem Plugin verschiedene Anliegen, die oft von Publishern und Website-Betreibern gewünscht werden. Man kann mit Site Kit Daten aus Analytics, der Search Console, Adsense und Pagespeed Insights auf einen Blick sehen. Außerdem kann man sich mit Site Kit auch Statistiken und Angaben zur Leistung einer bestimmten Seite in der WordPress-Instanz anzeigen lassen. Site Kit kann auch dazu genutzt werden, eine WordPress-Seite gegenüber Googe zu authentifizieren. Doch aktuell überwiegen aus meiner Sicht die Nachteile des Plugins.

Das liegt teilweise an fehlerhaften Umsetzungen durch die Entwickler. So gab es kurz nach dem Start der ersten Version Probleme bei der Authentifizierung über Google. Ich war quasi in einer Loop gefangen und wurde immer wieder darum gebeten mich mit den Google Diensten zu verbinden. Erst nach einem schnellen Update auf eine neue Version war der Fehler behoben. Das nervte schon sehr. Mittlerweile liegt auch schon eine Version 1.0.4 vor. Das letzte Update war vor fünf Tagen und man kann im Changelog auf GitHub sehr gut erkennen, dass es nicht nur um Lappalien geht.

Ernüchterung über Googles Site Kit machte sich breit

Dazu kam dann aber auch die Ernüchterung. Site Kit ist in seinen Möglichkeiten doch sehr eingeschränkt. Statistiken und Daten können abgerufen werden, es bleibt aber nur bei rudimentären Datensichten, die nicht angepasst werden können. Fatal fand ich beispielsweise, dass die Daten des aktuellen Tages bei der Search Console nicht über Site Kit abgerufen werden konnten. Es konnten maximal die letzten 7 Tage (mit Vorlauf von drei Tagen) angezeigt werden. Auch kann das System sich nicht merken, was man sich zuletzt angeschaut hat. So muss man sich jedes Mal wieder die Ansicht zurechtbiegen.

Was mich noch mehr genervt hat, war die ständige und sehr deutliche Aufforderung, ich möge doch Analytics verknüpfen. Dabei habe ich gar kein Analytics-Konto. Der Hinweis bleibt aber trotzdem aktiv und nervt. Man kann ihn nicht abschalten, er steht im Dashboard drin, wenn man sich Site Kit ins Dashboard geholt hat. Fataler war da eher noch der „Fehler“ mit Pagespeed Insights. Der Dienst ist nicht zuverlässig in der vergangenen Woche gewesen. Damit meine ich nicht mal die Bewertungsdaten, die ständig andere zu sein scheinen. Ich meine damit, dass der Dienst gar nicht erst richtig aufgerufen und abgerufen werden konnte.

Eine nette Idee, die aber an Fehlern und Unzuverlässigkeit krankt

Immer wieder wurde mir eine Fehlermeldung angezeigt, dass Pagespeed Insights einen Fehler hätte. Dabei war klar, dass das System überlastet zu sein schien, durch eine schier große Menge an Anfragen. Die Verbindung von Adsense ist auch nicht immer schlüssig. Site Kit unterstützt Adsense Auto Ads. Diese müssen aber im Adsense Konto auch aktiviert sein, damit es auf den Seiten angezeigt wird. Es gibt hier keine adäquate Anleitung, aber im Support-Forum werden solche Probleme der Nutzer sehr deutlich.

Insgesamt ist Site Kit zwar eine nette Idee, aber es krankt an einer gewissen Schlichtheit, Fehlern und Verbindungsproblemen sowie einer fehlenden ausführlichen Erklärung, was das Tool alles kann. Es reicht eben manchmal nicht aus, einfach nur eine Website zu erstellen, die Werbung für eine tolle Idee macht. Es braucht handfeste und brauchbare Lösungen. Die Dokumentation bleibt leider nur rudimentär und hilft nicht wirklich weiter.

Site Kit und Analytics – Datenschutzverstoß vorprogrammiert

Interessant ist übrigens auch, dass man erst über diese Dokumentation erfährt, dass Google Analytics in Verbindung mit Site Kit standardmäßig keine IP-Adressen anonymisiert. Das heißt im Grunde kann man in Deutschland Site Kit mit Analytics nicht verwenden, weil es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gegen den Datenschutz und die DSGVO verstößt. Das betrifft alle Nutzer, weil IP-Anonymisierung bei Analytics nur über einen Befehl im eingebundenen Code vorgenommen wird. Da dieser Code aber durch Site Kit erst gar nicht so eingebunden wird, ist der Betrieb daher höchst bedenklich.

Insgesamt scheint mir alles nicht durchdacht und ausgereift zu sein. Ich habe deshalb das Plugin wieder abgeschafft. Stattdessen setze ich wieder auf bewährte Instrumente, sei es auch, dass ich dafür selbst was programmieren muss.

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Über Akif Sahin

Blogger Akif Sahin aus HamburgAkif Sahin arbeitet als Spezialist für Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEA) bei einem Träger der freien Jugendhilfe in Hamburg. Er ist Blogger, Social Media und SEM Experte und engagiert sich für eine bessere Gesellschaft.

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