Das schlechteste Jobangebot, dass ich je gekriegt habe

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Immer wieder finden sich im Netz Horror-Geschichten von Jobangeboten und Vorstellungsgesprächen für einen Job. Dabei spielen oft Rassismus, Sexismus und andere Formen von Diskriminierungen eine Rolle. Ich habe solche Erfahrungen, sieht man von vielen unnötigen und schnellen Absagen ab, nicht gemacht. Die eine große Enttäuschung bezüglich eines Jobs hat mich aber sehr verändert. Ich habe nach dieser Erfahrung zunächst aufgehört idealistisch und hilfsbereit zu sein.

Nach Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung eines Projekts habe ich damals meinen Job gekündigt und bin ausgestiegen. Dafür nahm ich dann auch eine drei-monatige Sperre bei der Arbeitsagentur in kauf. Ich suchte händeringend nach einer Anschlussbeschäftigung, fand aber auf die Schnelle keinen Arbeitgeber, der mich aufnehmen wollte. Ich blieb tatsächlich drei Monate lang arbeitslos. Erst im letzten Monat bekam ich eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch für einen Job.

Das Bewerbungsgespräch verlief okay, die Zusage für den Job kam ebenfalls sehr schnell. Es hatte allerdings einen Haken: Die Bezahlung war deutlich niedriger als in meinem Job zuvor. Außerdem war die Stelle zunächst auf ein Jahr befristet. Ich schaute mich also weiter um und wollte nicht zu schnell ja sagen, nur weil ich nichts Anderes gefunden hatte. Gleichzeitig hatte ich alle meine finanziellen Reserven aufgebraucht und stand sehr schlecht da. Ich musste auch an meine Familie denken und deshalb war die Stelle die einzige Option.

Hoffnungen wurden geschürt

Eine ganz andere Option ergab sich durch persönliche Kontakte. Verantwortliche einer NGO hatten Wind davon bekommen, dass ich auf der Suche nach einem neuen Job war. Über mehrere Kontakte wollte man mit mir sprechen. Es kam zu einem ersten Gespräch und auch schon zu mündlichen Zusagen. Ich erklärte, ganz offen, dass ich bereits ein Angebot vorliegen habe und man mir bitte ein besseres Angebot machen müsse, wenn man mich denn haben wolle. Das geforderte Gehalt war tatsächlich moderat.

Die Stelle selbst war ziemlich interessant: Es ging um die Entwicklung einer neuen internen und externen Kommunikationsstrategie und die Umsetzung dieser für die Organisation. Dazu wollte man von mir sowohl konzeptionelle als auch inhaltliche Vorgaben und Ideen. Ich erstellte eine Arbeitsmappe und reichte sie an die Verantwortlichen sehr zeitnah weiter. In der Zwischenphase kam es zu weiteren Gesprächen, in denen mir dann am Ende mitgeteilt wurde, der Vorstand müsse über meine Anstellung entscheiden. Man werde sich bei mir melden.

Ein unmoralisches Angebot von Moralisten

Kurz bevor die Frist für die Zusage bei der anderen Stelle auslief, kam ein Anruf. Am Telefon war ein anderer Mitarbeiter der NGO, mit dem ich schon früher zu tun hatte. Wir kannten uns, aber mit diesem Prozess hatte er eigentlich nichts zu tun. Er erklärte mir am Telefon, dass sich der Vorstand getroffen hätte und man zu einer Entscheidung gelangt sei. Im Moment könne man mir keinen Job anbieten. Stattdessen wurde mir der Vorschlag unterbreitet, dass ich für das mickrige Gehalt, dass ich selbst vorgeschlagen hatte, für die NGO als Selbstständiger arbeite.

Die Organisation wollte mich in die Scheinselbstständigkeit – was illegal ist – drängen. Ich sollte für sie arbeiten und das in gleichem Umfang, wie bei einem Vollzeit-Job, zu unsichereren Konditionen und der Gefahr der vollständigen Abhängigkeit. Eine einfache Absage wäre in diesem Fall aus meiner Sicht besser gewesen, aber dazu konnten sich diese Experten wohl nicht durchringen. Stattdessen wurde mir ein Angebot unterbreitet, dass ich unmöglich annehmen konnte. Was ich persönlich noch schlimmer fand war, dass die Leute, die vorher mit mir noch über den Job gesprochen und verhandelt hatten, keinen Mucks mehr von sich gaben.

Vertrauen missbraucht

Ich war nicht nur enttäuscht, ich bekam eine riesen Wut auf die Organisation. Man hatte mich hingehalten, ein Konzept erstellen lassen und Zusagen gemacht. Am Ende speiste man mich mit einem unverschämten Angebot ab. Ich sagte der anderen Stelle zu und verdiente von da an rund 500 € weniger als vorher. Es war ein Job der Kategorie „Niedriglohn“.

Was ich jedoch ein paar Wochen später erfuhr, veränderte mein komplettes Weltbild. Nicht nur, dass das von mir erarbeitete Konzept, als Blaupause für ein eigenes Konzept der Organisation verwendet wurde, eine Dame bekam nur wenige Woche später den Job, den man mir noch angeboten hatte – samt Arbeitsvertrag und deutlich höherem Lohn, als ich gewünscht hatte. Man hatte meine Gutmütigkeit, meinen Idealismus und mein Vertrauen missbraucht.

Eine einschneidende Erfahrung

Das war eine einschneidende Erfahrung. Danach war nichts mehr so, wie es einmal war. Und ich habe aufgehört mir irgendwelche Erklärungen anzuhören, die ein solches Verhalten von oberen Moralisten rechtfertigten. Ich habe mich nach dieser persönlichen Krise nur langsam wieder hochgearbeitet und auf viele Dinge verzichtet, um einigermaßen finanziell wieder selbst auf den Beinen zu stehen. Ich musste dafür auch über meinen eigenen Schatten springen und Dinge tun, die ich nie tun wollte.

Auf der anderen Seite hat mich all diese schlimme Erfahrung und auch die Zeit danach stärker gemacht. Ich gehe mit den Dingen jetzt anders um und verlasse mich nicht mehr bloß auf das Wort von irgendwelchen Leuten. Viel fataler dürfte jedoch sein, dass die NGO und ihre Führung geglaubt hat, sie könnte mit dieser Masche durchkommen. Ich habe die Verantwortlichen bitter für ihre Fehler bezahlen lassen.

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Über Akif Sahin

Blogger Akif Sahin aus HamburgAkif Sahin arbeitet als Spezialist für Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEA) bei einem Träger der freien Jugendhilfe in Hamburg. Er ist Blogger, Social Media und SEM Experte und engagiert sich für eine bessere Gesellschaft.

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