Review Snippets: Google schränkt eigene Sterne-Bewertungen ein

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Google hat bekannt gegeben, dass eigene Sterne-Bewertungen (sog. Review Snippets oder auch Review Rich Results) für Organisationen und lokale Unternehmen aus der organischen Suche verschwinden. Anbieter von „Sterne-Anzeigen“ haben bald kaum noch eine Bedeutung und Webmaster müssen jetzt sehr tapfer sein.

Im Internet gibt es viel zu viele Sterne-Bewertungen für Websites und Produkte. Dabei haben diese Bewertungen oft keine echte Bedeutung. Entweder wurden nämlich Bewertungen massenhaft eingekauft oder die Bewertungen stammen von den eigenen Mitarbeitern. Manipulationen in diesem Bereich sind eher die Regel als die Ausnahme. Dennoch schaffen Bewertungen immer noch viel zu viel Vertrauen. Das Problem ist seit Jahren bekannt. Auch deshalb handelt Google und will Bewertungen mehr Relevanz verschaffen. Die Entscheidung hat also einen ernsten Hintergrund.

Künftig sollen „eigene Bewertungen“ von Organisationen oder lokalen Unternehmen, auch über Drittanbieter, nicht in der organischen Suche angezeigt werden. Bisher konnten durch strukturierte Daten eigene und gesammelte Nutzerbewertungen an Google und den Crawler zur Verfügung gestellt werden. Google berücksichtigte in vielen Fällen solche Bewertungen. Ebenso gibt es auch Anbieter von Widgets und Badges, die Kundenbewertungen über ein Siegel und ein im Hintergrund laufendes Skript auf eine Website bringen – natürlich gegen Bezahlung.

Missbrauch von Review Snippets auch durch SEO-Experten

Die Sinnhaftigkeit für oder gegen solche „eigenen Bewertungen“ war für Webmaster ziemlich eindeutig: Wenn die Bewertungen akzeptiert wurden, zeigte Google die Bewertungen in Form eines Sterne-Systems auch in den Suchergebnissen an. Damit hoben sich viele Seiten sofort von anderen ab. Und wer „gute“ Bewertungen sein Eigen nennen konnte, hatte sofort auch ein Grundvertrauen der User für sich gepachtet. Im Zweifel war nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch gleich Vertrauen da. Das Review-System wurde deshalb auch gerne von SEO-Experten genutzt.

Entsprechend wurden eigene Review-Systeme aufgebaut oder von Fremdanbietern eingekauft, nur um die organischen Klicks in den Suchergebnissen zu erhöhen. Solche Maßnahmen wurden in vielen Fällen auch mit nachhaltigem Erfolg gekrönt, wenn die Inhalte für die Nutzer auch stimmten. Seit Jahren versuchte Google mit Anpassungen gegen solche Manipulationen vorzugehen. Dabei waren selbst die Hintergründe für oder gegen eine Akzeptanz dieser Sterne-Bewertungen nicht transparent. Es gab keine Möglichkeit eine Anzeige der Sterne bei Google zu erzwingen oder zu garantieren.

Mit der Entscheidung wird Google My Business gestärkt

Nun zieht Google die Reißleine und schiebt Eigen-Bewertungen einen Riegel vor. Wer sich selbst mit Sternen auszeichnen möchte oder Drittanbieter-Widgets einbindet, um Sterne für seine Seiten in der Google Suche angezeigt zu bekommen, schaut künftig in die Röhre. Google schließt solche „Eigen-Bewertungen“ künftig aus und auch in den Suchergebnissen sieht man, dass die Sterne immer weniger werden. Das ist vernünftig und sorgt dafür, dass wieder der Inhalt zählt und nicht die Anzeige von Sternen vor dem Inhalt. Auf der anderen Seite hat die Entscheidung auch einen eigenen Vorteil für Google.

Lokale Unternehmen können über ein registriertes Profil bei Google My Business weiterhin Rezensionen ansammeln und sich auch mit diesen Sternen schmücken. Diese Bewertungen werden nämlich mit der Entscheidung deutlich wichtiger als bisher. Google zeigt zwar in der organischen Suche selbst keine Sterne mehr an, es werden aber bei lokalen Unternehmen natürlich die Daten des Unternehmens und damit auch die Sternebewertungen in Google My Business rechts neben den Suchergebnissen angezeigt. Auch in der mobilen Ansicht werden diese Bewertungen jetzt wichtiger sein als vorher.

Zwar sind auch hier Betrug und Manipulation nicht ausgeschlossen und Fake-Bewertungen auch weiterhin wahrscheinlich, aber wenn ein Unternehmen mit seinen Angeboten wirklich daneben liegt, dann wird das an den Rezensionen auch ziemlich deutlich werden. Wer sein Unternehmen mit Bewertungen ausstatten möchte, kommt künftig an Google My Business noch weniger vorbei. Webmaster, die bisher auf eigene Review-Systeme gebaut haben, müssen nun tapfer sein und umdenken. Darin liegt aber vielleicht auch endlich eine Chance seine Inhalte zu verbessern. Dann kommen die Bewertungen auch von selbst.

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Über Akif Sahin

Blogger Akif Sahin aus HamburgAkif Sahin arbeitet als Spezialist für Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEA) bei einem Träger der freien Jugendhilfe in Hamburg. Er ist Blogger, Social Media und SEM Experte und engagiert sich für eine bessere Gesellschaft.

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