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Infak: Spenden auf dem Wege Allahs

Infak, aber auch ʾInfāq, arabisch: إنفاق ist eine Form der gottesdienstlichen Handlungen (ibadat) im Islam. Im Vordergrund geht es um das Spenden auf dem Wege Allahs. In diesem Beitrag geben wir einen kurzen Überblick zum Thema.

Es gehört zu den guten Tugenden, zur gesellschaftlichen Moral bzw. auch Ethik, sich als Muslim in Wohltaten zu üben. Wir fassen diese Tugenden und Charaktereigenschaften oft mit „guter Ahlaq“ zusammen. Wir meinen damit die vorhandene gesellschaftliche Morallehre, was akzeptiert, verpönt oder abgelehnt wird, die sich aus guten und schlechten Verhaltensweisen ableitet. Ein guter Muslim zeichnet sich beispielsweise dadurch aus, dass er großzügig und spendabel ist. Er verzichtet auf schlechte Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen, wie Gier und Geiz.

Infak, das Spenden auf dem Wege Allahs, ist daher ein sehr wichtiges und sensibles Thema. Muslime müssen und sollten sich damit früh genug befassen, damit sie es später nicht so schwer haben, Solidarität mit bedürftigen Menschen und der Gesamtgesellschaft zu haben. Diese wichtige Form der ibadat bestimmt nämlich auch eine muslimische Lebensart, die sich bewusst dem kapitalistischen Konsumgeist der heutigen Moderne entzieht und widersetzt. Neben den Fragen, ob man ein Konsumgut wirklich braucht und kaufen sollte, stehen bei Muslimen vor allem das Teilen und Spenden aus dem persönlichen Besitz und Vermögen im Vordergrund.

Infak beschreibt als religiöser Begriff, das Spenden vom eigenen Vermögen für Arme und bedürftige Menschen, auf dem Wege Allahs und um Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Infak umfasst aus dieser Sicht sowohl die Pflichtabgabe Zakat als auch jede andere gute Tat, die aus freiem Willen erfolgt und in der das Spenden, Teilen aber auch Opfern im Vordergrund steht.

Reichtum: Von Allah anvertraut

Aus islamischer Sicht ist der wahre Besitzer des persönlichen Reichtums immer Allah. Reichtum ist ein anvertrautes Gut des Schöpfers an den Menschen. Und deshalb ist es nötig, an diesem Reichtum auch andere teilhaben zu lassen, damit ein gesellschaftlicher Ausgleich stattfindet. So stellt Infak eine Form der gesellschaftlichen Umverteilung von Vermögen und Besitz dar.

„Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und spendet von dem, was Er euch zur Verfügung gestellt hat. Denn denjenigen von euch, welche glauben und spenden, ist großer Lohn bestimmt.“

(Quran, 57:7)

Im Quran wird darauf hingewiesen, dass die Armen und Bedürftigen ein Anrecht am Besitz und Wohlstand der Reichen haben. Die Bedeutung des Infak stellt sich in der Idee dar, etwas Gutes tun zu wollen und dafür einen Entschluss (niyya) zu fassen. Eine Form von absoluter Solidarität mit den Bedürftigen ist der Kerngedanke des Infak. Die Spende, das Teilen oder Opfern erfolgt dabei immer vom eigenen Vermögen bzw. auch Besitz.

„Und von ihrem Vermögen war ein Teil für den Bittenden und den verschämten Armen.“

Quran, Sure 51, Vers 19

„Und von deren Vermögen ein Teil für den Bittenden und den verschämten Armen bestimmt ist,“

Quran, Sure 70, Verse 24-25

Infak als eine Kernbotschaft des Quran

Im Quran wird der Begriff Infak in mehreren Versen verwendet. Oftmals wird der Begriff als „spenden“ oder „ausgeben“ verwendet. Solche Formulierungen finden sich in etwa 70 weiteren Stellen im Quran. Interessant für das Verständnis des Infak ist besonders der zweite Vers der Sura al Baqara [2:3] im Quran.

„Die da glauben an das Verborgene und das Gebet verrichten und von Unserer Gabe spenden:“

Quran, Sure 2, Vers 3

Infak (hier als „spenden“ übersetzt) wird nach dem Glauben und dem Gebet im Islam erwähnt. So wird die Stellung dieser wichtigen gottesdienstlichen Handlung innerhalb des Islam deutlich gemacht. Infak ist also ein Teil der islamischen Verhaltens- und Glaubenslehre. Wer keinen Infak tätigt, der kann kein guter Muslim sein. Entsprechend gehört es zu den Aufgaben eines Muslims den Infak auszuüben, sobald er dazu in der Lage ist.

Warum Infak?

In den Versen 261 – 274 der Sura Al Baqara wird ausführlich dargelegt, wozu der Infak gut ist, was sein Ziel ist und mit welchen Waren, Gütern und Spenden geholfen werden kann. Selbst die Art und Weise der Zuwendung wird geklärt.

Entsprechend der Verse können folgende Punkte festgehalten werden:

1. Infak sollte von der Zurschaustellung entfernt, ausschließlich um das Wohlgefallen Allahs erreichen zu wollen, getätigt werden.

2. Der Spendende darf die Ehre und die Moral des Spendenempfängers nicht verletzen.

3. Die getätigte Hilfe sollte, wenn nicht Geld gespendet wird, immer mit den guten und besten Waren und Gütern erfolgen.

4. Damit der Infak auch die wahren Bedürftigen erreicht, sollte man diese vorher selbst ermitteln – gerade im eigenen Umfeld.

Auf dem Wege Allahs

In Vers 195 der zweiten Sure heißt es „Infak auf dem Wege Allahs“. Schaut man sich weitere Verse an, wird deutlich, dass mit diesem Infak vor allem der Gehorsam gegenüber Allah gemeint ist. Ebenfalls ist damit gemeint, dem Islam und den Muslimen durch Hilfe und Spenden zu helfen. Wer spendet, tut dies, weil er es als eine religiöse Pflicht und religiöse Handlung sieht. Wer spendet, tut dies um den Menschen etwas Gutes zu tun.

Ein Blick in die Geschichte der Muslime zeigt: Die Form des Infak reichte von der Unterstützung zur Verteidigung des Vaterlandes, der Organisation von Pilgerfahrten (Hadsch), der Unterstützung von Bedürftigen, Schulen, Bibliotheken, Moscheen, Straßen, Brücken, Brunnen sowie Heime. Auch Investitionen in den Umweltschutz wurden als eine Form des Infak verstanden. Viele private und gemeinnützige islamische Stiftungen (awqaf) gründeten sich auch auf dem Gedanken des Infak, indem ein soziales Problem und dessen Lösung im Vordergrund standen.

Erst die eigene Familie, dann die Gesellschaft

Der Muslim ist zuallererst dazu angehalten, seine eigene Familie zu unterstützen und seinen Verdienst im Sinne und auf dem Wege Allahs zu nutzen. Erst wenn die Versorgung der Familie gewährleistet ist, kann man angehäuftes Vermögen mit anderen Teilen. Vorbild ist auch hier der Prophet Muhammad (saw), der wo immer er konnte, verwitweten Frauen und verwaisten Kindern half. Der Kalif Umar (ra) hat diese Praxis der Hilfe für die Bedürftigen unter anderem als Pflicht der öffentlichen Hand deklariert. Ebenso wurde diese Pflicht zur Solidarität mit den Schwachen auch eine soziale Säule des Osmanischen Reiches.

Weitere Gedanken zum Thema aus dem Quran

„Ihr werdet echte Frömmigkeit nicht erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt; und was immer ihr spendet, siehe, Allah weiß es.“

Quran, Sure 3, Vers 92

(Spendet besonders) für die Bedürftigen auf Allahs Weg, die daran gehindert sind, für sich selbst zu sorgen. Der Unwissende hält sie wegen ihrer Bescheidenheit für ausreichend begütert. Du erkennst sie aber an ihrem Auftreten. Sie betteln die Leute nicht an. Und was ihr an Gutem spendet, Allah weiß es.

Quran, Sure 2, Vers 273

Sprich: „Siehe, mein Herr versorgt von Seinen Dienern, wen Er will, im Überfluss oder in Maßen, und was ihr spendet, wird Er euch ersetzen. Und Er ist der beste Versorger.“

Quran, Sure 34, Vers 39

„O ihr, die ihr glaubt! Spendet von dem Guten, das ihr erwarbt, und von dem, was Wir für euch aus der Erde hervorkommen lassen. Und sucht darunter nichts Schlechtes zum Spenden aus – etwas, das ihr selber nicht nehmen würdet, ohne dabei ein Auge zuzudrücken. Und wisset, dass Allah unabhängig und des Lobes würdig ist.“

Quran, Sure 2, Vers 267

Weitere Gedanken zum Thema aus der Sunna

Prophet Muhammad (saw): „Die gebende Hand ist besser als die nehmende.“

überliefert bei Bukhari und Muslim

Der Gesandte Allahs (saw) sagte: „Wenn jemand etwas von dem, was er rechtmäßig erworben hat, und sei es auch nur im Wert einer Dattel, als Sadaqa gibt – und Allah nimmt nur das rechtmäßig Erworbene an -, von dem nimmt sie Allah mit Seiner rechten Hand an und vermehrt sie für ihn, wie wenn jemand ein Fohlen aufzieht, bis diese Sadaqa (groß) wie ein Berg wird.“

überliefert bei Al-Bukhari und Muslim

Aufzeichnungen für den Islamunterricht mit Jugendlichen. Zuletzt überarbeitet im Mai 2019. Teilweise große Überschneidungen mit Aufsatz von Mustafa Çağrıcı in der Enzyklopädie des Islam der Diyanet Stiftung, Band 22, S. 289-290 (Artikel ist umfassender, liegt leider bisher nur in türkischer Sprache vor).

Quranverse: Übersetzung nach Max Henning.

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Über Akif Sahin

Blogger Akif Sahin aus HamburgAkif Sahin arbeitet als Spezialist für Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEA) bei einem Träger der freien Jugendhilfe in Hamburg. Er ist Blogger, Social Media und SEM Experte und engagiert sich mit seiner Arbeit und in seiner Freizeit für eine bessere Gesellschaft.

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