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Mouhanad Khorchide: Islam-Professor gründet Verband mit LKA-Mitarbeitern und Staatssekretärin für Integration

Mit etwas Spannung war die Gründung des vor Kurzem angekündigten neuen Verbands von Islam-Professor Mouhanad Khorchide (Universität Münster) erwartet worden. Allerdings ist das Ergebnis noch enttäuschender als angenommen. Der Theologe (Theologie der Barmherzigkeit, Zentrum für Islamische Theologie in Münster) scheint mehr einen Präventions-, Sicherheits- und Staats-Islam-Verband gegründet zu haben, als einen kleinen muslimischen Ansprechpartner. Tatsächlich muss man sich für die Zusammenstellung, die erwartbaren Interessenkonflikte und auch das Herumgeeire fremdschämen. Daran hätten die Akteure nämlich selbst denken müssen. Mein persönlicher Kommentar und meine Einschätzungen zum neugegründeten Verein.

Interessenkonflikt vorprogrammiert: Staatssekretärin Serap Güler

Prominentes Mitglied im Club von Khorchide ist die Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU). Diese unterstützt ihren Chef Joachim Stamp (FDP) dabei, das Thema Integration in Nordrhein-Westfalen anzugehen. Dabei deutet sich schon jetzt ein Interessenkonflikt an, denn Güler will demnächst einen kleinen „runden Tisch“ zum Thema Islam einberufen. Dabei sollen auch Stimmen aus dem muslimischen Spektrum eingeladen werden, die unabhängig von den bekannten muslimischen Verbänden agieren. Die Landesregierung will insgesamt den Umgang mit dem Thema Islam „auf eine neue Grundlage stellen„.

Wenn jetzt jedoch die ersten Schritte unternommen werden und Khorchide mit am Tisch sitzen würde, wäre das quasi eine Selbsteinladung und unzulässige Bevorzugung. Man könnte auch von Vetternwirtschaft sprechen. Doch genau darauf läuft das Modell von Khorchide eigentlich aus, wenn man sich durchliest, was in der Gründungserklärung so drin steht. Das man einen solchen Interessenkonflikt versuchen wird politisch wegzulächeln, dürfte über das peinliche Gehabe später auch nicht täuschen können. Es wäre jedenfalls eine Farce, wenn Güler zu diesem Tisch ihren eigenen Verband einlädt. Eine neutrale Unterstützung unabhängiger Verbände und Strukturen sieht jedenfalls anders aus.

Mehrere ehemalige und aktuelle LKA-Mitarbeiter an Bord

Als weitere interessante Personalien dürften Dr. Marwan Abou Taam und auch Evin Meryem Jakob gelten. Beide sind auf der Website als Wissenschaftler aufgeführt. Tatsächlich haben beide aber auch einen anderen Job bzw. anderen Job gemacht: Sie haben das LKA Rheinland-Pfalz im Kampf gegen Terrorismus beraten und arbeiten zum Teil dort auch noch weiter. Diese Tätigkeit ist nicht verwerflich, man fragt sich aber, was zwei Experten zum Thema Terrorismus, innere Sicherheit und „Islamismus“ eigentlich in einem muslimischen Verband zu suchen haben. Jakob forschte auch im Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam (FFGI), dass sich ebenfalls eher mit Kommentaren zum Thema Sicherheit hervortut als mit echten Forschungsergebnissen zu Islam-Themen. Abou Taam war einer ihrer Betreuer bei der Magisterarbeit. Außerdem ist Abou Taam Mitglied im gescheiterten „Muslimischen Forum Deutschland“ gewesen. Hätte man ein Panel zum Thema „Islamismus“ erstellen wollen, beide gehörten mit drauf.

Ebenfalls ein Mitglied dieser ominösen und kaum wieder in Erscheinung getretenen Gruppe des Muslimischen Forum Deutschland war auch der Islamwissenschaftler Aladdin Sarhan. Interessant an dieser Personalie ist, dass auch Sarhan eine Berater-Rolle als Islamreferent für das Land Rheinland-Pfalz inne hatte, und auch hier in den höheren Dienst des Staates wechselte. Auch er gilt eher als Kenner des Bereichs „Islamismus“. Die Zusammenarbeit dieser drei Personen für staatliche Stellen in Rheinland-Pfalz, gerade als Beraterinnen und Berater zur inneren Sicherheit und beim Thema Islamismus lässt kein gutes Licht auf das jetzige Projekt zu. Man könnte fast sagen: Gründet sich hier ein Verein um Terrorismus zu bekämpfen und Präventionsarbeit zu leisten oder geht es um einen echten Muslim-Verband? Schließlich sollte es bei einem Islam-Verband um Spiritualität und nicht Sicherheitsfragen gehen.

Interessenkonflikte beim Theologen der Barmherzigkeit

Dann kommen wir zum Hauptakteur: Mouhanad Khorchide ist der Vorsitzende und in seinem Team im Vorstand sitzt auch Dina el Omari, die einzige Theologin an Bord dieses Konstrukt. Allerdings ist auch hier die Frage, ob es eine ausgewogene Zusammensetzung ist. el Omari ist schließlich auch Mitarbeiterin der Universität Münster und sie arbeitet auch eng im Projekt von Mouhanad Khorchide zur „Theologie der Barmherzigkeit“ mit. Und genau deshalb ist es problematisch. Man sollte nie privates und hobbymäßiges mit der Arbeit vermischen. Das läuft nie gut. Die Wahrung eines gewissen Abstands ist eigentlich wichtig. Den gibt es allerdings nicht und das kann sich hier auch rächen. Übrigens: Aladdin Sarhan promoviert gerade unter der Betreuung von Prof. Khorchide. Auch das ist problematisch.

Es geht schließlich um die Frage, wohin das Ganze steuern soll und wofür es gut sein soll. Es macht keinen guten Eindruck, wenn ein Vorgesetzter mit seiner Mitarbeiterin und einem Doktorkind gemeinsam einen Verein bzw. einen muslimischen Verein gründen. Ebenso bleibt auch hier die Frage nach der Unabhängigkeit. Mouhanad Khorchide ist ein deutscher Professor und damit auch ein Beamter, der sich immer seinem Land und seinem Minister in einer gewissen Hörigkeitsposition befindet. Es ist nicht einfach, Forschung und Aktivismus unter einen Hut zu bringen. So ist ein Islamverband, der von einem Vorsitzenden geleitet wird, der dem Staat letztlich als Beamter untersteht, immer dem Problem ausgesetzt, dass man im Grunde nur im Rahmen des Beamtenrechts unterwegs sein kann.

Interessenkonflikte vor allem in beruflicher Hinsicht

Hier tun sich aus meiner Sicht auch enorme Schwierigkeiten auf, beispielsweise wenn sich Menschen dazu entschließen Mitglieder im Verband von Khorchide zu sein und gleichzeitig beispielsweise bei ihm Vorlesungen besuchen oder, was auch sein kann, ihre Abschlussarbeiten bei ihm schreiben. Das sind zwei getrennte Dinge, die aber zeigen, das es durchaus zu vielen Interessenkonflikten kommen kann. Das gleiche gilt auch für Dina el Omari. Die Theologin bewirbt sich beispielsweise aktuell für eine Professoren-Stelle an dem neuen Berliner Institut für Islamische Theologie. Sie könnte damit, sollte sie erfolgreich berufen werden, dem Land Berlin, als Mitarbeiterin an einer Berliner Hochschulge, untergeordnet sein.

Wir haben es im Grunde dann mit drei Interessenlagern zu tun, einem Rheinland-Pfälzischen Sicherheits-Lager, einem Berliner Laizisten-Lager und einem NRW-Integrations-Lager. Insgesamt wirkt die Zusammensetzung daher auch sehr unzuverlässig. Zum anderen, kennen sich die Akteure schon länger und hatten alle irgendwie etwas mit dem „Muslimischen Forum Deutschland“ zu tun. Dort wurde Khorchide ja auch als Theologe vorgestellt. Anscheinend war man sich zu schade, sich der neuen und nachfolgenden „Initiative Säkularer Islam“ anzuschließen. Gleichzeitig bringt die neue Person in der Runde, Serap Güler, einen problematischen Ballast mit.

Kein durchdachtes Konstrukt – Zum Scheitern verurteilt

Man kann sich durchaus rühmen, dass man Güler an Bord hat, aber letztlich ist das auch ein großes Pfand. Das hätte man anders lösen können, z.B. mit eine Kuratorium, in dem wichtige Persönlichkeiten sitzen und die eine überwachende Funktion, statt aktiver Mitarbeit im Vorstand, inne haben. Doch das Konstrukt von Mouhanad Khorchide zeigt letztlich auch alle Schwächen auf, die es so gibt bei den aktuellen Akteuren am Rande. Es handelt sich um kein zukunftsfähiges Modell, wenn die Menschen nicht aus der Zivilgesellschaft kommen, sondern aus der Terror-Abwehr, dem Staatsdienst und der Politik. Das Konstrukt verkommt dadurch auch zu einer One-Man Show.

Man kann es auch anders beschreiben: Theologie ist sehr kompliziert, aber meisterbar. Die Gründung eines Islam-Vereins, der sich etablieren soll, ohne Basisarbeit und Basis jedoch unmöglich. In vermutlich einem Jahr ist – so meine Prognose – Güler ebenso Geschichte wie dieser neue Verein. Dann stehen die regulären Wahlen in NRW an. Und vorher wird noch geklärt werden müssen, wie es mit dem Thema Islamunterricht an NRW-Schulen weitergeht. Khorchides Verein ist für diese aktuellen Probleme keine Lösung – nicht mal als Alibi.

Nachtrag

Mittlerweile hat sich Serap Güler vom Vorstand wieder verabschiedet. Sie wird auf der Website der Gemeinschaft nicht mehr als Vorstandsmitglied aufgeführt.

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Über Akif Sahin

Blogger Akif Sahin aus HamburgAkif Sahin arbeitet als Spezialist für Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEA) bei einem Träger der freien Jugendhilfe in Hamburg. Er ist Blogger, Social Media und SEM Experte und engagiert sich mit seiner Arbeit und in seiner Freizeit für eine bessere Gesellschaft.

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